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“Für besonders schäbiges Verhalten gegenüber Freien”: Tagesspiegel bekommt Hölle-Preis

Die Tagesspiegel-Chefredakteure Lorenz Maroldt und  Stephan-Andreas Casdorff
Die Tagesspiegel-Chefredakteure Lorenz Maroldt und Stephan-Andreas Casdorff

Am Freitagabend wurde in Hamburg der "Himmel- und Höllepreis" der Freischreiber verliehen: Das Verhalten des Tagesspiegels gegenüber seinen Freien fand der Berufsverband freier Journalisten in diesem Jahr "besonders schäbig". Er habe im Oktober 2015 „von jetzt auf eben die Zusammenarbeit mit seinen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Eis gelegt“.

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„Ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung, ohne Übergangsfrist wurden bereits erteilte Aufträge für nichtig erklärt und auch langjährigen Freien die Zusammenarbeit ab sofort aufgekündigt. Auch die Auslandskorrespondentinnen und -Korrespondenten ebenso wie Pauschalisten waren von dieser Maßnahme betroffen. Eine Maßnahme, die einmal mehr zeigt, wie wenig Verbindlichkeit, wie wenig Verantwortungsgefühl in vielen Verlagshäusern heute gegenüber denjenigen existiert, die verlässlicher Teil des Produktionsprozesses sind“, sagte die Laudatorin und Freischreiberin Silke Burmester bei der Preisverleihung. Gleichzeitig nahm Burmester diejenigen Angestellten des Tagesspiegel in Schutz, die diese Maßnahme nicht zu verantworten haben: „Diesen für viele Kolleginnen und Kollegen existentiell bedrohlichen Rundumschlag den Betroffenen überbringen – das durften die Angestellten tun. Die Verantwortlichen haben … ja was wohl. Irgendwas gemacht. Wahrscheinlich was mit Medien.“

Der Tagesspiegel sorgte Ende 2015 mit massiven Sparmaßnahmen für Aufregung. Im Oktober wurden alle freien Autoren mit sofortiger Wirkung von ihrer Arbeit freigestellt. „Ein kleiner sechsstelliger Betrag“ solle dadurch in der Tagesspiegel-Redaktion eingespart werden. Außerdem nominiert für den Hölle-Preis waren Spiegel Online, DuMont Schauberg und Gruner + Jahr.

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Den Himmelpreis nahm Martin Vogel entgegen: Die Freischreiber verliehen den Preis für seinen konsequenten Einsatz für die Interessen der Urheber. Vogel habe gewonnen, so die Freischreiber: Zuerst am Donnerstag dieser Woche, und zwar letztinstanzlich beim Bundesgerichtshof: Die VG Wort darf ihre Einnahmen nicht mehr an die Verleger ausschütten. Es habe ihn mehrere Jahre Arbeit gekostet, eine simple Tatsache durchzusetzen, die er so formuliert: „Diese Vergütungsansprüche stehen nur den Urhebern zu.“ Die Freischreiber hätten sich schon sehr früh solidarisiert und sich hinter Martin Vogel gestellt, sagte Freischreiber-Vorstand Henry Steinhau in seiner Laudatio.

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Alle Kommentare

  1. Liebe Meedia-Redaktion,

    Sie schreiben:
    “Im Oktober wurden alle freien Autoren mit sofortiger Wirkung von ihrer Arbeit freigestellt.”

    Frage: Könnten Sie zukünftig in Ihrer Berichterstattung, wenn es darum geht, dass Journalisten ihren Arbeitsplatz verlieren, auf neoliberale Euphemismen wie “freigestellt” verzichten?

    Weil: Wenn ein Mensch seine Kündigung bekommt, wird er wohl kaum daran denken, dass er nun “frei” ist. Die meisten dürften von Sorgen niedergeschlagen sein. Mit “frei” hat für die allermeisten ein Jobverlust nichts zu tun.

    Sie verstehen, wo das Problem liegt?

    Benennen Sie die Dinge doch bitte so, wie sie sind… .
    Danke.

  2. Salonlinke, Propagandasteuer……..ihr Vokabular ist genauso aus der Zeit gefallen wie der Bogenschütze….und dann noch thematisch am Beitrag vorbei. Nicht ihr Tag ?

  3. Bei den sog Freien fängt es an. Hat aber natürlich nichts mit fehlenden Lesern zu tun. Man besinnt sich auf die Kernkompetenzen und die Stärke der Festangestellten. Da war wohl zuviel Kampagne statt Information. Pegida ist wohl dieser Tage überall.

  4. Beim Tagespiegel ist die Situation folgende: Alteingessenes Urgestein im Job träge geworden, wird dank Sozialplan gehalten. Den Jungen noch mit Idealen kriegen keine Chance. Man denke an den Jugendblock, wo junge Leute teilweise ehrenamtlich mitgemacht haben. Jeder der beim Tagespiegel berufsmäßig seine Nase hineingesteckt oder mit Leuten zu tun hat die den Laden von innen kennen, weiß: der Fisch fängt am Kopf – Schwanz zu stinken an. Ich selbst habe das ABO gekündigt und wenn ich das Blatt gelegtlich in der Bibliothek in die Hand nehme, dann ist der Qualitätsabfall, inbesondere innerhalb der letzten 2 Jahre eindeutig.

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