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Alpha-Medien senden Notsignale: Auch Financial Times und New York Times müssen sparen

Wenn selbst die globalen Vorzeige-Medienmarken Notsignale senden, ist das ein Alarmzeichen für die gesamte Branche. Laut aktuellen Medienberichten stehen sowohl die britische Financial Times als auch die New York Times vor Spar-Runden. Problem sind vor allem rückläufige Anzeigen-Erlöse.

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Wenn es eine Zeitungsmarke auf der Welt gibt, die ihre Hausaufgaben gemacht und die digitale Revolution gut gemeistert hat, dann ist das vermutlich die britische Financial Times. Die Zeitung mit den charakteristischen lachsrosa Seiten hat frühzeitig auf eine Paid-Content-Konzept im Digitalen gesetzt. Die FT bedient eine exklusive, kaufkräftige Zielgruppe und erscheint in der Weltsprache Englisch. Für die FT arbeiten rund 500 Journalisten an über 50 Standorten weltweit. Die Zeitung hat nach neusten Zahlen vom vergangenen Monat rund 780.000 Abos, davon 566.000 Digital-Abos, ein Plus von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Und doch. Wie Politico.eu berichtet, sah sich James Lemont, Managing Editor der FT, nun genötigt, ein Krisen-Memo an die Mitarbeiter herauszugeben. „Wir sind mit ernüchternden Markt-Bedingungen in 2016 konfrontiert“, zitiert Politico aus dem Memo. Grund ist offenbar ein schlechter Start in Sachen Anzeigen-Erlöse in 2016 und anhaltende Erlös-Schwierigkeiten an der Digital-News-Front. In vier Bereichen will die FT nun sparen:

Frei werdende Stellen werden zunächst mit einer Verzögerung neu besetzt.

Reise- und Unterhaltungs-Kosten werden gekürzt.

Aushilfspersonal wird nur noch eingesetzt, wenn es unbedingt nötig ist.

Die Produktion der Print-Ausgabe soll weiter kostenoptimiert werden.

„Es ist viel besser, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, statt später im Jahr, sollten sich die Markt-Bedingungen nicht bessern, eine Aufholjagd starten zu müssen“, so Lamont. In der Tat sind die nun angekündigten Maßnahmen für die FT zwar neu, im Branchenvergleich aber noch relativ harmlos. Der britische Guardian hatte schon zuvor angekündigt, gruppenweit 250 Stellen abbauen zu müssen. Der britische Independent hat seine Print-Ausgaben eingestellt. Und gerade hat die New York Post berichtet, dass die New York Times später im Jahr einige hundert Stellen abbauen will. Bezeichnenderweise soll die New York Times mit dem Gedanken spielen, etwa ihr Büro in Paris zu schließen und europäische Korrespondenten in London zu konzentrieren, wo die Arbeitsschutzgesetze nicht so streng sind wie in Frankreich.

Die New York Times ist ähnlich wie die FT ein weltweites Leuchtturmmedium mit einem sich eigentlich recht positiv entwickelnden Digitalgeschäft.

Wenn es schon den Branchengrößen schon nicht sonderlich gut geht, wie muss es dann erst regionalen Zeitungen gehen? Auch hierzulande verschärft sich der Druck durch die sich verändernden Lese- und Kaufgewohnheiten und den Digitalen Wandel zusehends. In der jüngsten IVW-Auflagenanalyse verloren hiesige Zeitungen erneut flächendeckend an Auflage. Springers Welt kommt nach einem Minus von über 17 Prozent bei Einzelverkauf und Abos noch nicht einmal mehr über die 100.00er-Marke. Und das, obwohl hier die Auflage der billigen Welt kompakt mit eingerechnet ist. Die dort verkündeten Maßnahmen mit dem Abbau von 50 Stellen, werden vermutlich nicht das letzte Wort in Sachen Sparkurs gewesen sein. Die Umwälzungen in der News-Branche sind noch lange nicht vorbei.

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