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Jan Böhmermann, Erdogan und die Minenfelder: von einem jungen Mann, der sich selbst Satiriker nennt

Jan Böhmermann, Erdogan-Schmähkritik bei “Neo Magazin Royale”: Gericht verbietet Teile des Gedichts
Jan Böhmermann, Erdogan-Schmähkritik bei "Neo Magazin Royale": Gericht verbietet Teile des Gedichts

Böhmermann und kein Ende: Wer in den letzten Wochen deutsche Medien verfolgte, wurde Beobachter einer hormonell dominierten, manchmal fast hysterischen Diskussion: Werte und Haltungen wurden in immer größeren, grundsätzlichen Schleifen bewegt. Man empörte sich. Jan Böhmermann als Initiator des Schmähgedichts geriet als Person mehr und mehr in den Hintergrund. Gedanken aus der Distanz.

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Die Wahrnehmung vieler Beiträge in Medien und sozialen Netzwerken zur „Causa“ Böhmermann zeichneten ein Bild, in welchem man den Eindruck gewinnen konnte, Deutsche bestünden zu 70 % aus Juristen, zu 80 % aus Journalisten und zu mindestens 50% aus Verfassungsrechtlern und Politikern. Dass dieses gefühlte Bild mathematisch nicht ganz trug, fiel erst auf, nachdem man die Prozent-Werte der Kommentatoren-Gruppen abends in einer ruhigen Minute zusammengerechnet hatte. Alle Beteiligten, so schien es, verfügten über jahrzehntelange Erfahrungen im Feld der Satire. Alle Satiriker also. Irgendwie. Und Verfassungs-Spezialisten. Und Bundeskanzler. Aber empört.

Bis hin zur jüngsten Reaktion von John Oliver aus den USA, der in seiner Late-Night-Show „Last Week Tonight“ Erdogan und deutsches Recht thematisierte, verschwand der Fokus auf Böhmermann selbst als Urheber der „Satire“ weitgehend und wurde durch grundsätzliche Interpretations-Spielfelder ersetzt.

Nun, mit ein wenig Distanz, Wochen nach Beginn des Dramas, ist Zeit für kritische Gedanken, die Böhmermann mehr in den Fokus rücken. Was war geschehen?

Schmähgedicht mit Folgen
Ein blasser, junger Mann hatte draufgehauen und Bewegungen ausgelöst: Jan Böhmermann, Repräsentant des ZDF-Ablegers ZDFneo. Kaum ein anderes Gesicht des kleinen Senders repräsentiert Gründungsgedanken und USP so wie er. Kuttner nicht. Und Quotengarant Inspektor Barnaby schon gar nicht.

Mit seinem aus der Hüfte geschossenen Erdogan-Pamphlet allerdings produzierte Böhmermann Beschädigungen: dem Sender gegenüber, der den ehemaligen Harald-Schmidt-Lehrling trug, ihm Räume gab und ihn letztlich größer machte. Dem Mutterschiff ZDF gegenüber, das sich schon vor dem Schmähgedicht schwertat, Böhmermann einen gesicherten, attraktiven Platz im Hauptprogramm zu gewähren.

Und auch Angela Merkel gegenüber, die seit Monaten im Gemisch hochkomplexer, sensibler Flüchtlingsthemen um Haltung und Handlungsfähigkeit innerhalb eines bindungsarmen Europas voller Sollbruchstellen ringt. Ein mehr als heterogenes Europa übrigens. Ein Europa, über Währungsthemen hinaus gebaut aus einer Idee von Gemeinsamkeit. Eine Idee, die den Belastungen des letzten Jahres alleine deshalb kaum standhielt, weil Integration und wirkliche Bindung stets sehr lange Zeit erfordern. Ein Europa, das über die Zeit als quantitative Größe eines Integrationsprozesses hinaus sein Defizit auf qualitativer Ebene spürte: Den rudimentären Torso der wichtigen Fähigkeit, unterhalb der Ebene von Sachthemen miteinander sensibel zu betrachten, in welchen Fragen und Haltungen sich Mitgliedsstaaten wirklich voneinander unterschieden:

Niemand – auch Europa nicht – kommt tragfähig je zusammen, wenn vermieden wird, vorhandene Unterschiede wahrzunehmen, zu besprechen und auf ihre Bedeutung hin zu überprüfen. Ein Europa, dessen oberflächliche Bindung, dessen Sollbruchstellen nach Themen der Griechenlandkrise quantitativ und qualitativ von den Folgen der entsetzlichen Not vieler Flüchtlinge überrollt wurde.

All diese Minenfelder betrat Böhmermann. Und keines davon hat er verstanden. Vielleicht: Keines davon hat er verstehen wollen.

Öffentlichkeit: Reaktionen, Interpretationen, Projektionen
Das Argument, durch Böhmermann sei eine flächendeckende Pressefreiheits-Diskussion in Gang gekommen ist richtig. Es ist auf einem Niveau korrekt, auf welchem das Nachlassen von Kopfschmerzen zutrifft, wenn man bei einem Gehirntumor Kopfschmerztabletten einnimmt. Einem Niveau, das Abhängigkeiten und Gegenabhängigkeiten komplexer Kontexte zugunsten einer rein symptomatischen Betrachtung ignoriert.

Viele Kommentare maßen Böhmermann Genialität zu und unterstellten ihm große, grundsätzliche Motive. In Böhmermann im Nachhinein allerdings diese Intention hinein zu interpretieren, liegt etwa auf dem Niveau, als würde man einem Pubertierenden, der ein  Haus anzündet, wohlwollend anrechnen, in der ganzen Straße sei durch seinen genialen Schachzug Wärme entstanden: Endlich könne man nun europaweit auf neuem Niveau Energie-Themen diskutieren. Allein deshalb habe Böhmermann gefackelt.

Dieses von einigen Kommenatoren retrospektiv aufgeladene Bild eines Jan Böhmermann als quasi Friedensnobelpreis-verdächtigem Märtyrer, als Quasi-Impulsgeber europäischer Landeschefs und ihrer Gesetze, bildet die eigentliche Satire der Causa des hohlwangigen, jungen Mannes, der sich selbst Satiriker nennt.

Der fleißige, rastlose, fast getrieben wirkende Vielarbeiter Böhmermann, ewiges Talent, Liebling von TV-Kritikern und Fanboys und doch eher ein Oliver Pocher der Satire, betonte häufig Extreme. Extreme zu betonen ist zentraler Teil seines Geschäftsmodells. Und mit jedem Extrem zeigt Böhmermann Böhmermann. Auch dies ist sein Motor. Manchmal scheint es, als böten Anlässe und Protagonisten exakt hierfür die Bühne: Mailand oder Madrid, die Polizei, Flüchtlinge, Schweiger oder Erdogan – beliebige Spielfelder. Vehikel für Böhmermann, um Böhmermann zu zeigen.

Das ist grundsätzlich auch in Ordnung: Kunst im öffentlichen Raum ist daraus gebaut, dass Künstler Bühnen betreten, um sich zu zeigen. Nachdenkenswert allerdings wird es, wenn in der öffentlichen Diskussion dieser innere Motor, der Böhmermann vielleicht mehr getrieben haben mag als andere, zugunsten pseudo-ethischer Deutungs- und Projektionsimpulse verschwindet und ignoriert wird. Wenn Diskussionen und Deutungen von Motiven denjenigen verschwinden lassen, der sie ausgelöst hat, werden sie abgehoben, unwirklich und schief.

Ginge man von der Annahme aus, Satiriker seien Menschen, die alleine deshalb in hohem Maße Fähigkeiten von Klugheit und Empathie aufweisen müssen, weil sie Stil, Intensität, Effekt ihrer Pfeile und die innere Situation ihrer Zielscheiben vor Produktion eines satirischen Produktes auf einen möglichen Erfolg hin überprüfen und erspüren müssen, fände man beim aktuell diskutierten Böhmermann-Schmähgedicht keine dieser Fähigkeiten. Böhmermann hätte wissen können, welche Minenfelder er mit seiner Tretmine bewarf. Mehr noch: Er hätte es wissen müssen.

Hat er es nicht gewusst, stimmen die Bilder von ihm als genialem Satiriker nicht.

Hat er es gewusst, müsste man in der Bewertung nicht nur über Dummheit oder Selbstverliebtheit, sondern über geplante Ignoranz und Aggressivität nachdenken.

Innere Situation der Zielscheiben: Zielscheibe Erdogan
Niemand widerspräche, behauptete man, Erdogan habe an Satire, Ironie, an Sarkasmus und Zynismus alles verdient, was aktuell im künstlerischen Portfolio von Satirikern und Kabarettisten vorhanden sei. Darüber hinaus böte der Pschyrembel optional weitere Erklärungsmodelle der Persönlichkeit des Türken, dem offensichtlich nicht in jeder Sekunde des Tages das breite Spektrum sozialer Fähigkeiten vollumfänglich zur Verfügung steht.

Dass Böhmermann auf den fahrenden Extra 3- Zug aufsprang und aggressiv einen Raum betrat, dessen Tür nicht von ihm sondern von anderen geöffnet wurde, hinterlässt nicht ganz den schalen, peinlichen Nachgeschmack der Hallervorden-Trittbrettfahrerei, ist im Kern aber dicht dran. Menschen, die mit brachialer Vehemenz durch eine Tür stürmen, die von anderen einen Spalt geöffnet wurde, werden als die wahren Besetzer des Raumes wahrgenommen.

Böhmermann ist sehr bewusst auf die Erdogan-Mine getreten und wird prognostisch kaum etwaige Erdogan-Reaktionen mit denen eines vernunftbegabten, erwachsenen Mitteleuropäers verwechselt haben. Böhmermann hat Reaktionen nicht fehlprognostiziert: Er hat sie gar nicht prognostiziert, er hat sie – wie die anderen Minenfelder – nicht einmal betrachtet.

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Aus dem beschaulichen ZDFneo-Late-Night-Elfenbeinturm ein Ansatz, der royal um sich selbst dreht. Ein Ansatz, mit dem Kinder ihre Welten bauen.

Zielscheibe Merkel
Natürlich ist Merkels Flüchtlings-Erdogan-Deal lausig. Aber ebenso ist er Ausdruck großer Hilflosigkeit einer Kanzlerin, die – wahrscheinlich gegen ihre persönliche Haltung zu Erdogan – aus Hilflosigkeit und europaweiter Überforderung eine Not-Allianz schließen musste, um zumindest in Ansätzen Steuerungsfähigkeiten zurückzugewinnen.

Merkel hat wahrscheinlich eine Kette korrespondierender Fehler gemacht: Sie begannen vielleicht mit der Überschätzung tragfähiger Bindung Europas, setzen sich fort mit der Unterschätzung der Flüchtlingswellen, innerhalb derer Menschen mit tragischen Schicksalen verzweifelt Sicherheit suchten, und denen sie in einem ethisch wunderbar natürlichen, humanistischen Impuls ein Willkommen anbot. Ihre Äußerung innerhalb eines Telefonates mit dem türkischen Ministerpräsidenten, das Böhmermann-Stück sei “bewusst verletzend” gewesen, war als Beleg innerer Überlastung ein offensichtlicher, strategischer Fehler der sonst so rationalen, distanzierten Kanzlerin. Eine Frau in zentraler, europäischer Steuerungsrolle, der außen spätestens seit der Griechenland-Krise zunehmend Europa wegzubrechen drohte und an der innen rechtes Wählerpotential großvolumig zur AfD zog.

Eine Frau an offensichtlichen Belastungsgrenzen. Jeder konnte das sehen – egal, ob Satiriker oder nicht. Machen vor diesem offensichtlichen Hintergrund weitere Beschädigungen Sinn? Ja? Warum genau? Wozu?

Hätte Böhmermann auch nur ansatzweise die ihm von einigen zugeschriebenen Fähigkeiten, er hätte sich bewusst dazu entschieden, über alle Grenzen hinweg seine Bombe zu werfen. Ein bodenlos aggressives Bild.

Zielscheibe ZDF
Dass das ZDF als öffentlich-rechtliches Senderschiff weder eine mexikanische Würfelbude noch ein Privatsender ist, bildet auch für Satiriker keine hochinnovative Information. Das Gremium des ZDF-Fernsehrates sieht eine Fülle prominenter CDU-/CSU-Vertreter, Vertreter anderer Parteien, Vertreter von Bund, Ländern, Kirchen und Glaubensgemeinschaften vor: Jeder, der zuhause nicht gerade seine Fenster mit einem Vorschlaghammer putzt, weiß: Mit jeder konfrontativen Aktivität, jeder künstlerisch gewollten Provokation ist ein unüberschaubares Bündel an Interessen, Koalitionen und subjektiven Empfindlichkeiten berührt. Alle Politiker haben im Kerngeschäft über ihre ZDF-Nebenrolle hinaus die ernsten und hochsensiblen Themenfelder Deutschlands und Europas zu bewältigen. Und alle stehen für jeden offensichtlich dabei wieder und wieder mit ihren Rücken an immer neuen Wänden, ringen um Lösungen in Themenfeldern, die keine einfachen Lösungen ermöglichen.

Jeder weiß das. Und jeder sieht das, Tag für Tag.

Selbstverständlich dürfen Kunst und Kreativität sich nicht an Einschränkungen und Machtverhältnissen orientieren. Dieses Argument allerdings darf nicht bedeuten, dass man Sensibilitäten und Besonderheiten der eigenen Homebase in einer Weise ignoriert und übergeht, die Verantwortliche dieser Homebase in ernste und überflüssige Schwierigkeiten bringt.

Wozu genau mittelbar jenen Ärger machen, die einen selbst getragen haben? Ein reflektorischer Verweis auf generelle Themen der Meinungsfreiheit verschöbe diese Perspektive der Konflikte um das Schmähgedicht und verschöbe auch an der ZDF-Schnittstelle die Antwort auf die Frage, wozu Böhmermann die eigene Basis beschädigte: Der Verweis auf den Aspekt der Meinungsfreiheit wäre aufgrund seiner Reduzierung komplexer Wirklichkeiten dumm und ignorant.

Dass Bellut als Intendant nach außen hin zu Böhmermann stand und steht, ist in der Außenkommunikation selbstverständlich und alternativlos. Bellut ist zu klug, um Böhmermanns Fehler zu reproduzieren. Ideen darüber zu entwickeln, welchem politischen Druck, welchen Nachfragen, welchem Ärger sich der Senderchef intern hat stellen müssen, setzt kaum Fantasie voraus. Dass sich ZDF-Redakteure offiziell mit Böhmermann solidarisierten, ist oberflächlich betrachtet eine Geste mit Haltung. Unterhalb dieser Oberfläche ist es möglicherweise auch Pfeifen im Wald und Flucht nach vorn:

Hatten nicht die verantwortlichen ZDF-Redakteure die Ohrfeige des offiziellen Bellut-Statements einstecken müssen, das Böhmermann-Erdogan-Stück entspräche nicht den qualitativen Grundsätzen des ZDF? Und wer, wenn nicht die verantwortlichen Redakteure, wird dafür bezahlt, im Rahmen seiner Profession und Verantwortung diese Prüfung vor Freigabe eines Formates vorzunehmen? Geohrfeigte solidarisieren sich leichter, wenn die Solidarisierung den Fokus auf Entferntes, Grundsätzliches verschiebt.

Und nun?
Juristisch wird man klären, was zu klären ist. Vielleicht wird klarer, was Beleidigung von Satire trennen mag und unter welchen Bedingungen das theoretische Dach der Satire Freifahrtscheine bietet. Vielleicht darf man nach juristischer Klärung sogar auf der Straße Kinder ohrfeigen, wenn man vorher erklärt, dieser Übergriff solle in satirischer Überzeichnung auf die weltweite Gewalt gegen Kinder hinweisen.

Auch Jan Böhmermann selbst hat seine Aktion zugesetzt: Es hat wehgetan. Das muss so sein, das ist richtig und auch gut so: Gut für seine Entwicklung als Künstler, gut für die Entwicklung in Richtung eines erwachsenen Menschen: Menschen, die durch Fehler und Krisen gehen, werden kompletter, auch, wenn es weh tut. Vielleicht verliert Böhmermann die eindimensionale Redundanz der Betonung von Extremen. Aber, er wird in der Breite seines künstlerischen Spektrums durch diese Erfahrung vieles gewinnen können. Wenn er klug ist und beginnt zu verstehen.

Vielleicht hätte Harald Schmidt in einer ähnlichen Situation sein TV-Team eingepackt, wäre in die Türkei geflogen, hätte sich selbstironisch entschuldigt und wäre danach zur Grimme-Preis-Verleihung gegangen. Da kann Böhmermann hinkommen, und es wird interessant, diese Entwicklung zu betrachten. Er müsste bereit sein, sich ernst und eigenverantwortlich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Dieser Weg böte künftig auch Kommentatoren in Medien die Chance, Jan Böhmermann wie einen verantwortlichen, vernünftigen Erwachsenen zu beschreiben und zu verstehen, dass nachträgliches, grundsätzliches „Aufblasen“ von Motiven und Person Menschen nicht größer, sondern kleiner macht.

 

Mehr über den Autor unter www.leadership-academy de. 

 

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Alle Kommentare

  1. Gerade das hypothetische Beispiel Harald Schmidt ist genau der Punkt, der mir große Angst bereitet. Nach 9/11 kommentierte Harald Schmidt die Ereignisse wie gewohnt in satirischer Form. Und schon wenige Tage nach dieser Geschichte war bei ihm “plötzlich” die Luft raus bzw. waren seine Kommentare nur noch gewollt komisch, aber nicht mehr so bissig. Was hinter den Kulissen passiert war, kann man sich wohl gut vorstellen.

    Wollen wir der Satire die Zähne ziehen, damit sich Erpresser nicht in ihrer Ehre oder was sie als solche betrachten, gekränkt fühlen. Wollen wir von einer Kanzlerin regiert werden, die auch dann klein bei gibt, wenn Grundwerte auf dem Spiel stehen (§ 1631d BGB, Artikel 5 GG).

    Was wir gerade erleben ist eine Realsatire und die Lachnummer sind wir selbst und nicht ein Autokrat, der nur die von Böhmermann zugeteilte Rolle als Statist ausfüllt.

    1. Exzellent, Mr. Lesko!! Eine Wonne (darf’s das sein in diesem regierungsaufwühlenden Kontext?!?), Ihren Text zu lesen.

  2. Mein Gott, wenn das bei Ihnen “Gedanken aus der Distanz” sind, dann möchte ich nicht lesen, was bei Ihnen aus der Nähe heraus bricht. Was zu Böhmermann, Merkel, Erdogan zu sagen ist, haben NYT, WP und John Olivier auf den Punkt gebracht. That’s it.

    1. ghsa – kann keine andere meinung gelten lassen, als seine. Böhmerjahn hat nicht eine “verletzende” Zeile gegen Erdowahn geschrieben, es waren drei komplette Ekelgedichte, bewusste Beleidigungen. Thats it.

  3. Viel geschnacke um des Kaisers Bart,Herr Lesko!

    Aber viele Worte verschleiern den Sinn.Nicht Bøhmermann ist das Problem,sondern das Gespann Merkel/Erdogan.Dieser osmanische møchtegern
    Sultan ist, ganz nuechtern bertachtet, ein ausgewachsener 3/4 Diktator.Sich diesem Typen an den Hals zu werfen,aus welchen Gruenden auch immer, ist nicht nur dumm sondern auch gefæhrlich!Frau Merkel hat offenbar ein ,Problem mit der Logik und der Fæhigkeit die Konsequenzen des eigenen handelns abzuschætzen.Sie tappt von der einen Falle in die næchste und immer auf Kosten Deutschlands und Europas.Noch so viele Worte kønnen nicht darueber hinwegtæuschen,sie hat einen schweren Fehler gemacht,sich nicht uneingeschrænkt hinter Bøhmermann zu stellen.Sie muss ja nicht mit dieser Satiere einverstanden sein aber es ist ihre Pflicht die Meinungsfreiheit zu verteidigen.Auch wenns dem Einen oder Anderen nicht passt und weh tut.

    Von aussen betrachtet hat die deutsche Demokratie arg viele Risse,nicht erst
    seit dem Einmischen der Kanzlerin in eine Sache die eigentlich nur Bøhmermann und Erdogan etwas angeht.Hætte sie ihren Mund gehalten ,
    kein Mensch wuerde sich noch darum kuemmern.—Ausser vielleicht ein paar Juristen.

    1. Ulv Jakobi Hjort trifft es genau, dem ist nichts zuzufügen. Eine genaue Analyse müsste eigentlich in einem Rücktrittsangebot enden. Das wäre Charakter.

  4. “Einem Niveau, das Abhängigkeiten und Gegenabhängigkeiten komplexer Kontexte zugunsten einer rein symptomatischen Betrachtung ignoriert.”
    “Der Verweis auf den Aspekt der Meinungsfreiheit wäre aufgrund seiner Reduzierung komplexer Wirklichkeiten dumm und ignorant.”
    “Vielleicht verliert Böhmermann die eindimensionale Redundanz der Betonung von Extremen.”
    Welch’ ein Gespreize und Gestelze! Es würde mich nicht wundern, wenn Böhmermann einst mal abgelehnt hat, Leskos leadership akademy in Berlin zu durchlaufen und ihm nun hiermit die Retourkutsche ans Bein gefahren wird.

  5. “Eindimensionale Redundanz der Betonung von Extremen” – bitte was? Will der Autor, dass man ihn versteht oder will er nur mit einer vermeintlichen Sprachgewandtheit prahlen?

  6. Kleiner Exkurs zum Thema: “Text & Kontext”:
    Anfang 2016 erschien eine Neuauflage von Hitlers “Mein Kampf”.
    Es steht wohl außer Frage, dass dieses abscheuliche Werk getrost als rassistisches, volksverhetzendes Pamphlet zu betrachten ist; die erneute Veröffentlichung war alles andere als unumstritten.
    Das Institut für Zeitgeschichte hat sich dennoch entschieden, den Text, mit Anmerkungen versehen, herauszubringen. Es galt abzuwägen, inwieweit, für Hitlers Text, der ohne Zweifel den Straftatbestand gemäß §130 (Volksverhetzung) erfüllt, durch Anmerkungen und Begleittexte eine Veröffentlichung ermöglicht werden kann, die durch §5 GG (Meinungsfreiheit) geschützt ist.
    Nun kann die klügste Anmerkung und der beste Kommentar Hitlers Worten nicht ihren rassistischen, volksverhetzenden Charakter nehmen oder ihre hasssäende und verletzende Absicht lindern. Ebensowenig kann das Institut für Zeitgeschichte dafür garantieren, dass das Buch nur kritisch und besonnen als Dokument der Zeitgeschichte gelesen und rezipiert und nicht erneut als Mittel der Verbreitung von menschenverachtendem Gedankengut missbraucht werden wird. Ist die Neuauflage also im Grunde doch “Verbreitung von volksverhetzendem Material mit Ansage”?
    In den zahllosen Besprechungen der Neuauflage wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass es unerlässlich ist, Text und erläuternden Kontext gemeinsam zu betrachten. Dies ist mittlerweile wohl auch der allgemeine gesellschaftliche, juristische, politische u.s.w. Konsens.
    Um es klar zu sagen: ich beabsichtige nicht, Hitlers “Mein Kampf” mit Böhmermanns Schmähgedicht auf Erdogan zu vergleichen.
    Worauf ich hinaus will, ist, dass es auch in Böhmermanns Beitrag einen wichtigen erläuternden Kontext gibt, der jedoch hinter der Echauffierung über einige indiskutable Vokabeln total in den Hintergrund getreten ist.
    Ob Böhmermanns Erläuterungen ausreichend waren, um das Schmähgedicht in seiner ursprünglichen Intention, nämlich als einen Baustein in einem satirischen Beitrag, der die Grenzen der Satirefreiheit auslotet, zu werten, oder ob es tatsächlich nur eine “strafbare Beleidigung mit Ansage” war, wird die Justiz entscheiden.
    Zu welcher Bewertung die zuständigen Juristen schließlich auch kommen mögen, es bleibt zu hoffen, dass sie tatsächlich den Kontext und nicht einzelne herausgelöste Begrifflichkeiten, betrachten – nicht zum Wohle von Jan Böhmermann sondern zum Wohle der Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit.

  7. Wirklich erschreckend, welche Bedeutung die deutschen Meinungs- und Medienmacher Böhmermanns verbalen Ausfällen einräumen – anstatt einfach mal zu hinterfragen, ob schlechtes Benehmen wirklich salonfähig werden sollte.

    Ob stumpfsinniges und wahlloses Beleidigen wirklich ein demokratisches Grundrecht ist, wage ich zu bezweifeln.

    Der kleine Mann trägt mit seinem Gewinsel und Gebelle einen gewichtigen Teil zur Verrohung der Sitten bei.
    Und ist doch ein armseliger Tropf von trauriger Gestalt.

    Fällt eigentlich nur mir die Ähnlichkeit zu Heiko Maas auf?

  8. Gefällt !!!

    Vor allem dieser Satz : “ Vielleicht darf man nach juristischer Klärung sogar auf der Straße Kinder ohrfeigen, wenn man vorher erklärt, dieser Übergriff solle in satirischer Überzeichnung auf die weltweite Gewalt gegen Kinder hinweisen. “

    1. Ich bin überzeugt davon, daß das der größte Wunsch vieler dieser grölenden
      ” Meinungsfreiheits – Kämpfer ” ist !!!

  9. Ihr Kommentar…Gerade der Vergleich mit dem satirischen Kinderschlagen zeigt, wie unrealistisch schlechtmachend es gegenüber Böhmermann ist. Erdogan ist nicht das Kind, sondern auf der anderen Seite… Opfer und Täter nicht verwechseln, bitte. Was soll denn angemessen effektive Zivil-Courage sein gegenüber Tätern? Ist Satire da nicht noch was relativ Sanftes? – Wann werden geschlagene Kinder wie sehr dankbar sein? Bitte mal echt bedenken…

  10. Bin mir sicher, dass Herr Lesko die Kanzlerin stark unterschätzt. Es passt wohl eher das Bild “was schert es die Eiche, wenn die Sau sich dran kratzt”.

  11. Ich habe das Gefühl, der Autor möchte nur mit seiner Sprachgewandtheit prahlen. Es war fast eine Zumutung den Text zu lesen !!!

    1. > Es war fast eine Zumutung den Text zu lesen !!!

      fast?

      es tut immer weh, wenn ein trittbrettfahrer sich spreizt, damit er auch was abbekommt von der aufmerksamkeit. lesko hat jetzt seinen teil, auf zur nächsten welle, die andere machen und er dann reiten darf …

  12. Und das Verständnis-Geheische für die Politiker… Wie läuft denn da der Laden, aufs Ganze gesehen? — Ich meine, wir brauchen dringend eine grundlegende Reife- (siehe 3. Level von Lawrence Kohlberg) und Demokratie-Revolution (siehe “Beutelsbacher Konsens” etc.)! Regierende herrschen über Beherrschte ‘in deren Namen’, ohne sie vorher gefragt zu haben… Keinem von uns wurde ein “Gesellschafts-Vertrag” vorgelegt, und keine/r hat unterzeichnet… Und ohne Druck von der Straße würden die Politiker hemmungslos TTIPs machen, und Werte-Ausverkauf-Deals mit Erdogans, Saudi-Arabien usw., und bei Klima-Konferenzen die Welt noch mehr vor die Hunde gehen lassen, als es so schon geschieht… — Und was müsste in einem akzeptablen Gesellschafts-Vertrag stehen, wenn nicht: “Konsens-Gemeinschaften globalen Teilens” als Weg zu ausreichend “globaler Konsens-Demokratie”…? Und wer kümmert sich um sowas in angemessenem Maße? Unsere Politiker? — Wieviele ‘Böhmermann-Effekte’ wird es brauchen, um da ausreichend was ‘zum Knacken zu bringen im Karton’?

  13. Es ist nicht wirklich wichtig, die Qualität des Schmähgedichts oder gar die Person Böhmermann (positiv?) zu beurteilen. Viel bedeutender scheint doch der so wohl kaum beabsichtigte Kolateralnutzen, Merkels intellektuelle Überforderung zu entarnen: Sie hat linkspopulistisch getrieben geltendes Recht gebrochen, falsche Signale ausgesandt, versucht europäische Partner zu nötigen und sich dann ohne jede Not in den Würgegriff eines hinteranatolischen Despoten hineinmanövriert.

  14. Fehler auf beiden Seiten hin oder her. Tatsache ist doch, das öffentliche Interesse wurde geweckt durch die Reaktion Erdogans. Im Mittelpunkt stand plötzlich die Frage der Meinungsfreiheit. Erdogan hat es geschafft, durch seinen Deal mit Merkel diese in Frage zu stellen. Und das finde ich schlimm. Das Einknicken vor einem menschenverachtenden Despoten geschah auf der Grundlage des Deals, kann aber dadurch keineswegs gerechtfertigt werden. Dieser Deal hat bewirkt, daß der Flüchtlingsstrom nachgelassen hat, aber auch, dass nun nach anderen Flüchtligsrouten gesucht wird, die wieder weitaus gefährlicher sind. Ist das Ertrinken der 400 Flüchtlinge, die von Ägypten aus mit Booten gestartet sind, eine Folge des Deals? Wenn ja, wäre es verheerend. Gerettete Flüchtlinge von Baywatch, die in Griechenland landen, werden in die Türkei zurückgeschickt. Weiß man was über deren Behandlung dort und über ihr weiteres Schicksal?
    Eine gerichtliche Verhandlung, durch Erdogan angestrengt, ist Ausdruck unserer Demokratie. Eine zusätzliche Ermächtigung durch Merkel auf der Grundlage des Paragraphen 103 wegen Majestätsbeleidigung war überflüssig. Eine gleichzeitiges Vorhaben der Regierung über dessen Abschaffung ist eine Groteske.
    Es ist verwunderlich, daß auf einer Skala von 1-160 bezüglich der Meinungs-u. Pressefreiheit Deutschland international auf den 16. Platz abgerutscht ist. Die Türkei rangiert auf Platz 146, kurz vor Nordkorea..
    Platz 1 und 2 werden von Finnland und Niederlande belegt.
    Warten wir die Entscheidung der Gerichte ab. Ich hoffe, daß das Recht auf freie Meinungsäußerung siegen wird. Sonst kann sich Erdogan getrost ins Fäustchen lachen, deutsche Politik mitbestimmt zu haben, und Deutschland dürfte weiter auff der Skala in den Keller rutschen.

  15. Ich habe den Text nun schon guten Gewissens und freudig mehrfach weiterempfohlen. Nicht zuletzt auch wegen einer endlich mal unpolemischen Sicht auf eine Kanzlerin, deren Getriebenheit die Folge einer Welt ist, die einfach schlechter ist als ihre Erwartungen an sie. Und man hofft inständig, wenigstens Herr Böhmermann kriegte diese Gedanken zugespielt. Denn tröstlich: in allem flackert eine Hoffnung zwischen den Zeilen, dass tatsächlich im derzeit krachenden Scheitern durchaus eine Chance liegen kann.
    Abgesehen davon halte ich Sprachgewandheit nicht für das Schlimmste bei Schreibenden – oder will man einen Klempner, der nicht mit der Rohrzange umgehen kann?

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