Anzeige

„Debatte in ihrer Vielfalt abbilden“: Warum Bild trotz Refugees Welcome-Aktion Sarrazin eine Bühne gibt

Beobachter, die bislang davon überzeugt waren, dass Springers Boulevard-Zeitung aufgrund der im Herbst gestarteten „Refugees welcome“-Initiative in der Zuwanderungsdebatte voreingenommen berichten würde, blickten heute Morgen wohl eher verwundert auf den aktuellen Titel. In großen Lettern wettert Thilo Sarrazin gegen die Flüchtlingspolitik. Für Chefredakteurin Tanit Koch ist das kein Widerspruch.

Anzeige

Thilo Sarrazin und die Bild sind alte Bekannte und bildeten bereits sehr erfolgreich eine enge „Partnerschaft“ beim ersten Bestseller des ehemaligen Bundesbank-Vorstandes und SPD-Politikers. Auch dank der publizistischen Unterstützung durch die Boulevard-Zeitung beherrschte „Deutschland schafft sich ab“ vor sechs Jahren wochenlang die politische Debatte.

Jetzt präsentiert die Bild den nächsten Vorabdruck. Diesmal geht es um das Buch „Wunschdenken: Europa, Währung, Bildung, Einwanderung – warum Politik so oft scheitert“. Zum Start haut die Redaktion erst einmal richtig auf die Pauke und titelt in dicken Lettern: „Flüchtlingspolitik: Sarrazin rechnet ab!“ So nennt der umstrittene Autor u.a. Kanzlerin Merkel als „die schlimmste Gegnerin einer vernünftigen Integration“ und erklärt: „Wir täten gut daran, auch offiziell deutlich zu machen, dass wir mit diesem Zustrom von Flüchtlingen nicht fertig werden.“ Oder auch: „Die Rückgewinnung der Kontrolle über unsere Grenzen (…) wird zur Existenzfrage für unsere Kultur und das Überleben unserer Gesellschaft.“

Es ist aber nicht so, dass die Berliner damit auch ihre grundsätzliche Meinung in zentralen Punkten der Flüchtlingsfrage ändern. Auf eine entsprechende MEEDIA-Anfrage antwortete Chefredakteurin Tanit Koch: „Unabhängig von unserer eigenen Haltung zur Flüchtlingskrise legen wir Wert darauf, die Debatte darüber in ihrer Vielfalt abzubilden. Dazu zählen Stimmen von ehrenamtlichen Helfern, von Bundesministern wie Sigmar Gabriel ebenso wie die von Viktor Orbán, Beata Szydlo oder Thilo Sarrazin.“

Anzeige