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“Wie Lösegeld für Kidnapper”: Auch New York Times kritisiert Merkel in der Causa Böhmermann

Angela Merkel und Jan Böhmermann
Angela Merkel und Jan Böhmermann Anhaltendes Dilemma: Kanzlerin Merkel, Strafermittlungen gegen Böhmermann

Nach der Washington Post fallen nun auch in einem anderen amerikanischen Leitmedium deutliche Worte zur Haltung der Bundeskanzlerin im Fall Böhmermann: Die renommierte New York Times verurteilt die Strafverfolgung des ZDF-Satirikers als "falsches Signal an die Türkei". Merkel befinde sich im ähnlichen Dilemma wie bei einer Lösegeldforderung durch einen Kidnapper: Mit der Zulassung des Strafverfahrens habe die Kanzlerin einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen.

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Während Jan Böhmermann versucht, mit seiner Fernsehpause Abstand vom Wirbel um das Schmähgedicht zu bekommen, das zur veritablen Staatsaffäre ausgewachsen ist und nun im Strafverfahren gipfelt, machen sich Leitmedien jenseits des Atlantiks weiter Gedanken um die Haltung der Regierung Merkel in der Causa Böhmermann.

Nach der Washington Post, die Merkel in der vergangenen Woche für ihr “Geschwafel” kritisierte, haben sich nun auch die Herausgeber der New York Times zu Wort gemeldet. Und das mit ähnlich deutlichen Worten: “Das falsche Signal an die Türkei“, lautet der Leitartikel in der vermeintlich besten  Zeitung der Welt.

“Dilemma wie bei Forderung von Lösegeld durch Kidnapper”

“Das unmittelbare Problem ist gelöst, es schafft aber einen gefährlichen Präzedenzfall”, schreibt die New York Times und vergleicht Merkels Dilemma mit der Forderung von Lösegeld durch einen Kidnapper.

“Merkel musste sich entscheiden, ob sie Erdogans empörendem Verlangen nachgibt oder riskiert, einen Deal mit der Türkei zu verlieren droht, der etwas Erleichterung in der Flüchtlingskrise verspricht”, resümiert die “Grey Lady”.

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“Meinungsfreiheit ist mit Autokraten, Diktatoren und Tyrannen nicht verhandelbar”

Nach Auffassung der Herausgeber der NYT hat Merkel falsch entschieden: “Die Freiheit, politische Führer – oder Religionen wie im Falle von Charlie Hebdo – zu verhöhnen, ist eine der kritischen Unterschiede zwischen liberalen Demokratien und autoritären Staaten.”

“Meinungsfreiheit ist mit Autokraten, Diktatoren und Tyrannen nicht verhandelbar”, macht die meist respektierte amerikanische Tageszeitung deutlich und folgert: Merkel hätte Erdogan klarmachen müssen, dass westliche Werte nicht zur Behandlung stehen”.

 

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Alle Kommentare

  1. Die New York Times stammt doch, wie der Name schon sagt, aus den USA. Woher sollten die wissen, daß sich eine Kanzlerin an Gesetze halten muß?

  2. „Die Freiheit, politische Führer – oder Religionen wie im Falle von Charlie Hebdo – zu verhöhnen, ist eine der kritischen Unterschiede zwischen liberalen Demokratien und autoritären Staaten.“
    In diesem einen Satz der New York Times steht sehr viel Wahres. Wäre nicht schlecht gewesen, wenn Merkel Herrn Erdogan genau dies als Antwort gegeben hätte, statt das Schmähgedicht erst mal ungefragt als “bewusst verletzend” einzustufen. Aber gut, den Fehler hat sie wenigstens schon öffentlich zugegeben – das ist ja auch nicht alltäglich im Politbetrieb. Den Prozess auf Grundlage eines Paragraphen, der schon längst abgeschafft gehört hätte, wird es wohl dennoch geben – was für eine Verschwendung von Arbeitszeit und Steuergeld …

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