Partner von:
Anzeige

Ein halbes Jahr nach dem Deutschland Start: die ernüchternde Blendle-Bilanz und was besser laufen könnte

Blendle-Team.jpg
Blendle-Gründer Alexander Klöpping und Marten Blankensteijn (v.l.n.r.)

Ein halbes Jahr lang ist das Online-Kiosk Blendle nun in Deutschland präsent und es ist über sein Nischen-Dasein für Journalisten bislang kaum hinausgekommen. Allenthalben werden die Technik und gute Bedienbarkeit gelobt. Dies allein reicht aber offenbar nicht, für den Durchbruch. Blendle sollte nicht nur Artikel, sondern auch sich selbst besser verkaufen.

Anzeige
Anzeige

Der Süddeutschen Zeitung sagte Michaël Jarjour, Redaktionsleiter von Blendle in Deutschland: “Blendle Deutschland wächst rasant, die besten Monate waren bis jetzt Januar und März mit jeweils mehr als 60 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vormonat.“ Konkrete Zahlen gibt es freilich nicht. Nur soviel, dass Blendle in den Niederlanden und Deutschland rund 650.000 Nutzer hat.

Auch die Verlage halten sich, was konkrete Abrufzahlen einzelner Artikel angeht, bedeckt. Durchgesickert ist, dass es in der Anfangszeit für eine meist verkaufte Blendle-Geschichte in einer Woche reichte, wenn knapp 1.000 Stück verkauft wurden, etwa von einer Spiegel-Titelstory. Das deckt sich mit Infos der SZ, dass Verkäufe zwischen 500 und 1.000 für eine Platzierung in der Blendle-Top Ten reichen. Für die Verlage ist das monetär betrachtet ein mageres Zubrot. Der SZ sagte Enrique Tarragona, Mitglied der Geschäftsführung bei Zeit Online, dass die Blendle-Verkäufe weniger als ein Prozent der Erlöse ausmachten. Bei Condé Nast heißt es, das Online-Kiosk sei „kein zentraler Bestandteil der digitalen Erlösstruktur”.

Derzeit befindet sich Blendle auf Tour durch deutsche Verlag, um sich als Dienstleister zu positionieren. In der Tat ist die Technik bei Blendle spitze. Kaum ein anderes Online-Bezahlsystem funktioniert so reibungslos und kundenfreundlich. Auch Abos lassen sich mit der Blendle-Technik aus Kundensicht auf sensationell einfache Weise abschließen und bedienen. Das Online-Abo des Mediendienstes Übermedien.de zeigt das.

Was aber könnte Blendle tun, damit auch der Verkauf von Artikeln besser läuft? Zwei Dingen könnten vielleicht helfen:

1. Blendle bekannter machen
Anzeige

Zwar wird gerne geschrieben, Blendle sei in Deutschland mit einem „riesigen Medienecho“ gestartet – mit PR oder klassischer Werbung ist Blendle aber noch nicht aufgefallen. Während in den Werbepausen der ProSiebenSat.1-Sender jede Reifenversender- und jede Online-Parfümerie-Klitsche bis zum Erbrechen beworben wird, ist es um Blendle rein werbemäßig ruhig is tot. Das hat natürlich auch den Grund, dass die ganzen Internet-Firmen in der TV-Werbung die Spots meist im Rahmen eines Media for Equity Modells de facto nicht bezahlen müssen. Aber trotzdem: Ein wenig klassische Werbung könnte Blendle helfen, jenseits der Medienblase bekannter zu werden. Aktuell, so zumindest der Eindruck, ist Blendle ein Ding, das in erster Linie und fast ausschließlich in Journalistenkreisen bekannt ist. Für einen Erfolg ist das natürlich zu wenig.

2. Blendle persönlicher machen

Der tägliche Newsletter, den die Blendle-Redaktion verschickt, ist zweifelsohne gut gemacht und regt oft zum Kaufen und Lesen an. Gäbe es aber zusätzlich die Möglichkeit, personalisierte Artikel-Empfehlungen zu bekommen, wäre dies womöglich ein Gewinn für die Leser und die Umsätze. Ein persönliches Beispiel: Als Fan des „Technik & Motor“-Ressorts der FAZ, wäre ich durchaus empfänglich, für regelmäßige Empfehlungen dieser Seiten. Jeden Dienstag selbst daran zu denken, dass ja wieder „Technik & Motor“-Tag ist und auf Blendle die FAZ-Gesamtausgabe zu suchen (mühsam!) und dann die Seiten durchzuschauen, ob sich ein Kauf lohnt, das sind schon gewisse Hürden. Genauso wäre vorstellbar, dass man sich regelmäßig die Seite-3-Stücke der Süddeutschen empfehlen lässt oder Artikel bestimmter Medien oder Autoren. Hypothetisches Beispiel: Ich hätte gerne regelmäßige Empfehlungen aus SZ, Economist und von der Brigitte. Und andere eben lieber nicht. Ein personalisierter Empfehlungsmechanismus könnte den allgemeinen Newsletter sinnvoll ergänzen. Genauso könnten die Blendle-Kuratoren über Newsletter präsenter gemacht werden.

Blendle ist ein sympathischer Dienst, dem fast jeder in der Branche Erfolg wünscht. Nur derzeit scheint es, als ob Blendle sich und seine Services noch zu zaghaft vermarktet. Der Verkäufer Blendle muss lernen, sich selbst besser zu verkaufen.

Korrektur: In einer früheren Version war ein Zitat Springer zugeschrieben, das eigentlich von Condé Nast stammt. Der Fehler wurde aus der SZ übernommen und inzwischen korrigiert.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. In einigen Verlagen wurde alle Mitarbeiter vom Arbeitgeber angemeldet – so keult man imposante Userzahlen – macht aber natürlich keinen Umsatz

  2. Blendle ist einfach zu teuer. Wenn ich für vier Artikel das Geld einer kompletten Tageszeitung ausgeben muss, entwickle ich Kaufhemmung.

    Mehr als 40 Cent sollte kein Artikel kosten.

    Liegt der hohe Preis an der Blendle-Provision oder sind es die Verlage, die die Artikel so teuer machen?

    1. Dann lass Dir nach dem Lesen den Preis als “zu teuer“ erstatten. Wenn das genügend tun, wird es in den Redaktionen auffallen.

      1. Geht das wirklich? Der Preis der Artikel ist definitiv ein Problem.
        Ich finde auch das die Artikel dort deutlich zu teuer sind…
        Ein Artikel sollte nicht mehr als 1-5 Cent kosten.

  3. Viele Artikelpreise sind so hoch, dass die Message an den Leser eindeutig ist: Fuck you, wir wollen nicht, dass du einzelne Artikel hier kaufst. Kauf gefälligst das ganze Heft!

    Zum Beispiel bei Spiegel-Artikeln: 1,99 Euro? Bei einem Heftpreis von 4,40 Euro? Mehr Verachtung und Hochnäsigkeit kann man seinen Lesern nicht entgegen bringen.

    Da muss man sich nicht wundern, wenn Blendle nicht fliegt.

  4. Zu teuer!!!

    Für einen Artikel deren Wert man ja vorher nicht kennt z.B. 60 Cent zahlen wenn die ganze Zeitung nur 1,20 kostet?

    Ein Artikel sollte nie mehr als 10 Cent kosten. Am besten deutlich weniger.

  5. Ich bin Blendle-Nutzer der ersten Stunde und halte Blendle als Zeitungsfan für die beste Internet-Erfindung der vergangenen 10 Jahre.

    Einfach phantastisch zum Beispiel, dass man in US-Wahlkampfzeiten Zugriff auf amerikanische Leitmedien hat und brillante Analysen lesen kann, die man in deutschen Medien vergebens sucht. Und das übrigens für 15 Cent pro Artikel.

    Hohe Preise? Klar, der SPIEGEL und auch die NZZ sind teilweise ziemlich dreist in der Preisgestaltung. Aber viele andere Beiträge aus führenden Tageszeitungen bekommt man für 25 oder 40 Cent. Das ist mir, ehrlich gesagt, guter Journalismus wert. Und man denke nur an die Titelgeschichten des Economist für 25 Cent! Am Kiosk kostet das Heft 6,50 Euro!

    Mit ihrem Preisgejammer sind die Deutschen wirklich einzigartig in der Welt. Nirgendwo sonst wird so gemeckert, wenn etwas etwas kostet.

    1. 25 oder 40 Cent für einen Artikel???
      Das finden Sie nicht teuer?

      Na ja, muss jeder selbst wissen wofür er sein Geld “verwendet”…

      Es gibt schon einen Grund warum wir Deutschen Preissensibel sind und warum dieses Portal bisher nur in einer kleinen Nische existiert.

  6. Solange ein einzelner Artikel fast soviel kostet wie die gedruckte Gesamtausgabe, ist das System “Blendle” entbehrlich. Insoweit schließe ich mich “Horst” an. Der Tagespass manches Presseorgans kostet geade mal 99 ct, aber ein Artikel wird für 1,20 € angeboten. Wo bleiben da die Relationen?

  7. Bei allem Respekt: Es gibt keinen Grund, weshalb die grossen Medienhäuser ihre Leistungen an einen Nebenmarktverwurster billiger machen sollten. Die Grossen haben Probleme mit dem Abschmieren ihrer Auflagen, und da kommt einer, der mit seinem Unternehmenskonzept noch ein wenig mehr dazu beiträgt. Sie lösen damit ihr Auflagenproblem nicht, aber ihre Leistungen den Verwertern hinterher zu werfen, die von Inhalten nur so viel verstehen, das “Content das neue Manna” ist, wäre ja noch dümmer.

    1. Das ist ein richtiges Argument. Aber niemand hätte die Großen daran gehindert, ein eigenes Blendle aufzubauen. Haben sie aber nicht, weil sie stur an ihrem Modell festgehalten haben. Und nun sind sie in der gleichen Position wie die Musikindustrie, als Apple mit itunes um die Ecke kam.

  8. Mein Eindruck ist: Ein paar spätpubertierende Praktikanten suchen die Themen aus, die regelmäßig einer ökosozialen Denksperre entspringen. Das ist schlicht zu einseitig und zu langweilig.

    1. Die Preise sind mir auch zu hoch. Das Problem liegt möglicherweise in der Quersubventionierung mit der Werbung. Müsste der Spiegel ohne Werbung auskommen, würde die Zeitschrift ein mehrfaches kosten. Bei Blendle bekomme ich keine Werbung und somit entfällt diese Quersubventionierung. Das kann die hohen Preise teileise erklären. Trotzdem: Mir wäre ein Flat-rate Abo am liebsten: 300€ pro Jahr und ich kann mich querbeet bei Blendle informieren.

  9. Vieles von dem, was hier zum Thema Preise geschrieben wird, ist doch “Milchmädchenrechnung”: Üblicherweise wähle ich aus dem vorgeschlagenen Blendle-Angebot eines Tages zwei oder drei Artikel aus, die mich wirklich interessieren. Dafür zahle ich dann dreimal meinetwegen 50 Ct., also € 1.50. Die drei Artikel stammen aus drei verschiedenen Publikationen. Um sie “ohne Blendle” lesen zu können, müsste ich drei komplette Hefte zu durchschnittlich (mindestens) 2 Euro, also rund 6 Euro kaufen. Und ungelesene, weil für mich uninteressante Artikel für mindestens € 4.50 wegwerfen. Was ist da günstiger? Und außerdem: Zunächst müsste ich mal alle in Frage kommenden Hefte durchblättern, um zu sehen, wo was Interessantes drin steht. Da such ich mir lieber die Highlights aus dem großen aufbereiteten Angebot raus – oder blättere bei Blendle gezielt nach bestimmten Beiträgen.

    1. Das ist ja alles richtig. Aber die wirklichen Premium-Artikel aus Zeit, Spiegel und Stern sind deutlich teurer als 50 Cent. Und im Verhältnis zur Gesamtausgabe auffällig hoch bepreist.
      Ich bin selbst Journalist und natürlich dafür, dass Journalismus bezahlt und zwar ordentlich bezahlt werden sollte. Aber man merkt den großen Verlagshäusern hier an, dass sie auf Blendle eigentlich überhaupt keinen Bock haben. Und an den Leser denken sie schon gar nicht. Und das in Zeiten, wo nach vielen Jahren der Kostenlos-Kultur die ersten endlich mal so zaghaft Paid-Modelle einführen. Da sollte man doch meinen, dass die Verlage vorsichtiger und umsichtiger agieren würden in ihrer Preisgestaltung.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia