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Die große Gender-Verwirrung bei Bento und ein BamS-Interview, das es nie gab

Gestatten, Gul Rouhani, Sex-Kolumn* bei der/die/das
Bento. Keine Angst: Böhmi und Diekmann sind natürlich auch dabei
Gestatten, Gul Rouhani, Sex-Kolumn* bei der/die/das Bento. Keine Angst: Böhmi und Diekmann sind natürlich auch dabei

Das Fake-Interview, das Kai Diekmann mit Jan Böhmermann erdichtete, war nicht das einzige Bild-Interview, das so nie geführt wurde. Die chefigen Springer-Redakteure trafen sich in Brüssel zum Plausch mit Alexis Tsipras. Und Bento hat eine neue Sex-Kolumnen-Dingsbums. Der MEEDIA-Wochenrückblick mit nur dem allernötigsten Böhmi-Content. Versprochen.

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Mit Interviews, die keine sind, kennt sich Bild-Chef-Satiriker Kai Diekmann ja aus. Nein, nein, nicht das, was Sie jetzt denken! Hier geht es um ganz was anderes: Am 3. April erschien in der Bild am Sonntag ein Interview mit Daimler-Vertriebschef Ola Källenius, dem “Kronprinzen” des Konzerns, der als Nachfolger von Dieter Zetzsche gehandelt wird. Problem: Das Interview hat nie stattgefunden. Zumindest nicht als Interview. Fragen und Aussagen stammten aus einem Round-Table-Gespräch, an dem mehrere Journalisten teilgenommen hatten. Der BamS-Autor hat das dann einfach zu einem Interview zusammengeschustert. Eine zumindest unkonventionelle Vorgehensweise. Auch beim Daimler guckten sie komisch, als sie die BamS aufschlugen und griffen zum Telefonhörer. Springer erklärt dazu gegenüber MEEDIA: “Die Aussagen in Bild am Sonntag sind in diesem Gespräch gefallen und werden von der Daimler AG nicht bestritten.” Doch der Abdruck als Interview sei “nicht korrekt” gewesen. Beide Parteien haben sich laut Daimler “einvernehmlich und ohne juristische Beteiligung geeinigt”, das auch online erschienene Interview aus dem Netz zu nehmen. Ohne juristische Beteiligung. Das ist doch auch mal schön.

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Kai Diekmann hatte diese Woche viel zu tun. Nicht nur, weil er an seiner Zweit-Karriere als Comedy-Star gebastelt hat, sondern weil er auch als Leserreporter unterwegs war, und zwar für die Gazet van Antwerpen. Springer lud dieses Jahr zum Editor Summit ins Grand Café Den Grooten Wolsack nach Brüssel. Als Überraschungsgast schneite Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras herein und parlierte lockerflockig mit den Springers. Diekmann hatte wie stets sein Smartphone scharf geschaltet und twitterte Schnappschüsse vom Meeting. Die Tageszeitung Gazet van Antwerpen nutzte eines der von Diekmann getwitterten Fotos gleich zur Illustration des Hammer-Artikels „Griechischer Premier diniert im Grooten Wolsack“.

Wo bleibt denn da der Leistungsschutz? Bzw. das gute alte Urheberrecht?

A propos Recht. So verfolgten die Alpha-Editors von Springer die Merkel-Entscheidung zum Strafverlangen der Türkei in Sachen Böhmermann. Fast wie anno dunnemals vorm Dampfradio.

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Die einen Kollegen lauschen der Kanzlerin. Die anderen Kollegen stehen außenrum und knipsen.

Bei genauerem Nachdenken kann ich an der Entscheidung der Regierung übrigens nichts Falsches finden. Ich denke, das Böhmermann-Gedicht war OK. Nun müssen sich die Juristen darüberbeugen. Die Vorstellung, dass Erdogan als Zeuge nach Mainz geladen wird, hat ja auch einen gewissen Reiz.

Was ist denn da bei Bento los? Das unfassbar erfolgreiche Hipster-Jugendportal-Dings vom Spiegel hat die bewährte Sex-Schreibkraft Nea Nyström („Lilli weiß jetzt, dass sie gute Blowjobs gibt“) neulich ausgewechselt gegen eine gewisse Gul Rouhani. Oder, es muss vermutlich heißen: gegen ein gewisses. Gul Rouhani ist nach Angaben des Bento-Autorenkästchens nämlich „Mittzwanzigerin, Großstädterin und gender/queer. Das heißt: Gul identifiziert sich jenseits binärer Geschlechteridentitäten – und steht auf fast alle Gender (außer Cistypen, also Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können).“

Moment mal! wenn das gute Gul gender/queer ist und Sex auf alle Gender außer Cistypen „steht“, ist dann die Bezeichnung von Gul Rouhani als „Mittzwanzigerin“ und „Kolumnistin“ nicht geradezu binär, schubladenhaft und anstößig? Aufschrei!

Die ersten beiden Untenrum-Kolumnen von der/die/das Gul Rouhani heißen „Lesben und Queere verhüten mit ‚Lecktüchern‘. Das musste ich erst mal lernen“ sowie „Warum auch dicke Menschen guten Sex haben“ und sind absolute Knallertexte. Zitat aus dem „Lecktücher“-Stück:

Es war nicht die ungewollte Schwangerschaft, vor der ich Angst hatte, als ich meine damalige Affäre auf das Thema Verhütung ansprach. Er, Transmann mit Vulva – und ich, als genderqueere Person ebenfalls mit Vulva, hätten kein Kind bekommen können. Vielmehr waren es die vielen Krankheiten, mit denen wir uns vielleicht hätten anstecken können: HIV, Hepatitis, Syphilis, Feigwarzen, Herpes, Pilze.

Und was macht man da, wenn man nicht will, dass einem der Transmann mit seiner verseuchten Feigwarzen-Vulva ansteckt? Logo, man geht in die nächste Apotheke und besorgt sich ein gepflegtes Lecktuch. Ist aber gar nicht so einfach, wie man vielleicht denkt:

“Lecktücher” hingegen machen den Oralverkehr sicherer: Die transparenten Folien, die über die Stelle gelegt werden, die geleckt wird, schützen ebenfalls. Die Tücher bringen allerdings einen Nachteil mit sich: Sie sind nicht nur teuer, sondern auch schwer zu bekommen. Während jede Drogerie Kondome verkauft, gibt es die Tücher nur online oder in einem gut sortierten Sex-Shop. Manche benutzen deswegen auch einfach Frischhaltefolie oder aufgeschnittene Kondome zur Verhütung.

Oder halt Esspapier. Praxistipps ohne Ende. Wieder was gelernt. Danke, Bento! Danke, Gul Rouhani! Bleibt nur noch eine Frage: Muss man wie eine Marvel-Comicfigur heißen, um bei Bento eine Sexkolumne zu bekommen?

Leckeres Wochenende! Und immer dran denken: alles kann, nichts muss.

Mitarbeit: Marvin Schade

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Alle Kommentare

  1. “Sex sells!” – Funktioniert vielleicht bei Bento, zieht bei Meedia aber garnicht, was wohl sicher auch am Altersdurchschnitt der jeweiligen Zielgruppe liegt.

    Trotz des überlauten Schweigens hier, behaupte ich aber einfach mal, das bestimmte Passagen des Artikels hier vielleicht sogar viel gründlicher gelesen wurden, als auf Bento. 🙂

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