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Causa Böhmermann: Washington Post kritisiert Kanzlerin Merkel für „Geschwafel“

Angela Merkel und Jan Böhmermann Anhaltendes Dilemma: Kanzlerin Merkel, Strafermittlungen gegen Böhmermann

Das Schmähgedicht von Jan Böhmermann zieht seine Kreise bis in die USA. Die Washington Post hat sich vor allem mit dem Umgang der Regierung Merkel mit dem Satire-Beitrag auseinandergesetzt. Und das recht kritisch: Die amerikanische Traditionszeitung, die seit 2013 zum Internet-Riesen Amazon gehört, wirft der Bundeskanzlerin vor, mit ihrem „Geschwafel“ Erdogan und andere Regime, die kritische Äußerungen unterdrücken wollen, zu ermutigen.

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Bundeskanzlerin Merkel bläst der Wind nach ihren Äußerungen zum Schmähgedicht von Jan Böhmermann immer kälter ins Gesicht. Nachdem Angela Merkel Böhmermanns Beitrag aus der Neo Royale Sendung vom 31. März als „bewusst verletzend“ gebrandmarkt hatte, erntete die Kanzlerin schnell Kritik für ihre Bewertung – vom Satiriker und Europa-Abgeordneten Martin Sonneborn (Die PARTEI) bis zu den Blattmachern der Republik.

Doch damit nicht genug: Auf von jenseits des Atlantiks bekommt Angela Merkel nun Gegenwind. Die Herausgeber der traditionsreichen Washington Post bezogen heute in einem Editorial  zur Causa Böhmermann deutlich Stellung – gegen die Kanzlerin.

In dem Artikel mit dem Titel „Wird Frau Merkel die Meinungsfreiheit verteidigen?“ gehen die US-Journalisten nicht gerade zimperlich mit der Kanzlerin um: „Merkels Geschwafel dürfte Erdogan und andere Regime – etwa China –, die versuchen, kritische Äußerungen innerhalb als auch außerhalb ihrer Grenzen zu unterdrücken, ermutigen“, schreibt die Washington Post.

Stattdessen hätte es die Kanzlerin wie Regierungssprecher Seibert machen müssen, der vor drei Tagen in einer Presseerklärung klarstellte: „Die Grundwerte des Grundgesetzes – vor allem die freie Meinungsäußerung – sind nicht verhandelbar.“

Dass Merkel Böhmermanns Gedicht, das „als schallendes Gelächter über den Größenwahn Erdogans“ gemacht war, ernst genommen habe, bezeichnete die Washington Post als „alarmierend“.  Der eigentliche Grund liege vielmehr darin, dass Merkel die Türkei als wichtigen Partner in der Flüchtlingskrise nicht verprellen wollte, folgert das US-Medium. Der Ansatz sei aber fatal, weil er die Meinungsfreiheit in Deutschland aufs Spiele setze, folgert die Washington Post.

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