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Protest beim ZDF: Mitarbeiter wollen Böhmermanns Schmähgedicht wieder in der Mediathek haben

Jan Böhmermann, Erdogan-Schmähkritik bei “Neo Magazin Royale”: Gericht verbietet Teile des Gedichts
Jan Böhmermann, Erdogan-Schmähkritik bei "Neo Magazin Royale": Gericht verbietet Teile des Gedichts

Die Böhmermann-Affäre sorgt für Protest am Lerchenberg: Wie Spiegel Online berichtet, fordern ZDF-Mitarbeiter in einem Schreiben, das derzeit durch den Sender geht, die Wiederaufnahme des Erdogan-Schmähgedichts in die Mediathek. Zudem seien die Programmmacher verunsichert, was die Qualitätsstandards des Senders betrifft und forderten eine Debatte.

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“Wir würden es begrüßen, wenn die ‘Schmähkritik’ vom Giftschrank wieder in die Mediathek gestellt wird. Als Dokument der Zeitgeschichte”, zitiert Spiegel Online aus dem Schreiben des Redakteursausschusses des ZDF, der damit indirekt die Entscheidung der Intendanz sowie des Programmdirektors kritisiert. Diese entschieden nach Ausstrahlung der Sendung, den Beitrag aus dem Netz zu entfernen, weil er nicht den Qualitätsansprüchen des ZDF entspreche. Wie es weiter heißt, würden auch andere Satiresendungen des ZDF regelmäßig Beiträge veröffentlichen, von denen sich Politiker beleidigt fühlen könnten.

Darüber hinaus merkt der Redakteursausschuss den Erfolg der Böhmermann-Satire an. “Eine ZDF-Sendung bewegt Regierungschefs und ersetzt ein juristisches Proseminar. Programmauftrag erfüllt.” Nun sei man allerdings verunsichert, was die Qualitätsstandards des ZDF angehe und frage sich, wie weit Satire im ZDF gehen dürfe. In ihrem Schreiben fordern die Mitarbeiter einen Austausch mit den “Verantwortlichen des Hauses”.

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Unterdessen machte die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag öffentlich, dass Jan Böhmermann die Unterlassungsaufforderung des türkischen Staatspräsidenten Erdogan, über den er sich mit seinem viel diskutierten Schmähgedicht lustig gemacht hatte, nicht unterzeichnen will. Erdogan hat offiziell ein Strafverlangen gegen den Satiriker eingefordert, das derzeit noch von der Bundesregierung geprüft wird. Kurz darauf stellte Erdogan auch über den deutschen Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger persönlich Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft in Mainz. Zu Beginn dieser Woche wurde bekannt, dass Böhmermann unter Polizeischutz steht, weil die Stimmung unter Anhängern des türkischen Staatspräsidenten so aufgeheizt sei, dass von ihnen eine Gefahr für ihn und seine Familie ausgehe. Böhmermanns Sendungen in TV und Radio sind für diese Woche abgesagt worden.

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Alle Kommentare

  1. Witzfiguren. Wer war in diesem Land nicht schon alles ein Volksverhetzer, weil er behauptet habe, dass Flüchtlinge stehen, grabschen, vergewaltigen und betrügen.
    Und jetzt wird auf einmal die Satire als Ausfluss der Meinungsfreiheit bei der massiven Beleidigung von Erdogan bemüht.
    Wie werden die Plakate in diesem Land wohl zukünftig aussehen, wenn das zulässig sein soll?
    Merkel und Kollägä werden sich wundern. Bei Spielzeuggalgen mit ihrem Namen oder mit Kopftuchabbildungen wird es dann sicher nicht mehr bleiben.
    Und “Rapefugees not welcome” wird wie ein Kindergag dagegen aussehen. Oder glaubt der ÖR er sei die einzige Stelle, die Satire verwenden darf.

  2. Das werden die ZDF-Häuptlinge nie um Leben machen.

    Denn egal, ob die Löschung aus der Mediathek nun tatsächlich auf Druck aus dem Kanzleramt zustande kam oder eigenem, vorauseilendem Gehorsam geschuldet ist – ein Rückgängigmachen der Entscheidung käme einem öffentlichen Eingeständnis eines Fehlers gleich.

    Und genau sowas scheut man dort nämlich wie der Teufel das Weihwasser.

  3. Solange die Ermittlungsverfahren laufen, wird das ZDF einen Teufel tun und etwas möglicherweise “Verbotenes” wieder in die Mediathek abrufbereit stellen. ´Zum Glück gibt es auch dort zwei oder drei gute Juristen mit Judiz und Verstand, deren Wahrnehmung nicht durch pathologische Hysterie getrübt ist. Ob dieselben Forderer auch ihr WLAN offen ließen, wenn sich der Nachbar aus dem Pornhimmel unerlaubt Filme streamed und nun gegen sie die Störerhaftung geltend gemacht wird? Oder würden sie solche “zeitgeschichtlichen” Forderungen erheben, um eine historisch bedeutsame Rede von Dr. Frauke Petry in der Mediathek zu belassen, die nach Auffassung der “Etablierten” trotz mehrheitlicher Publikumsforderungen sofort in den Giftschrank verbannt gehört? Es ist diese ungeheure durchtrieben unethische Maßlosigkeit doppelter Standards, die bei “normalen” Mediennutzern nur noch Abscheu erzeugt. Bei mir geht das soweit, dass ich nur noch BBC 2 Radio höre und um deutsche Fernsehsender einen Riesenbogen mache. Fehler gibt es auch dort, aber nicht diese deutsche Heuchelei! Auch ein “normaler” deutscher Mediennutzer weiß: Etwas Besseres als den Tod finden wir überall in der globalisierten Medienwelt.

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