Partner von:
Anzeige

„Wir solidarisieren uns mit Jan Böhmermann“ : Künstler fordern Einstellung der Ermittlungen

Klaas Heufer-Umlauf, Jan Josef Liefers und Katja Riemann (v.l.) stellen sich hinter Jan Böhmermann (mitte)
Klaas Heufer-Umlauf, Jan Josef Liefers und Katja Riemann (v.l.) stellen sich hinter Jan Böhmermann (mitte)

Es ist das Medienthema der Woche: der Fall Jan Böhmermann. In der aktuellen Ausgabe der Zeit solidarisieren sich nun zahlreiche prominente Künstler, darunter Katja Riemann, Klaas Heufer-Umlauf und Jan Josef Liefers, mit dem "Neo Magazin Royale"-Moderator und fordern in einem offenen Brief die Staatsanwaltschaft Mainz auf, ihre Ermittlungen einzustellen.

Anzeige
Anzeige

„Diskussionen über und Kritik an Jan Böhmermanns Erdogan-Gedicht gehören in die Feuilletons des Landes und nicht in einen Mainzer Gerichtssaal“, heißt es in dem offenen Brief, den die Zeit in ihrer Ausgabe am morgigen Donnerstag veröffentlicht. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem Matthias Brandt, Thea Dorn, Klaas Heufer-Umlauf, Igor Levit, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer und Katja Riemann.

„Kunst kann nicht in einem Klima stattfinden, in dem sich Künstlerinnen und Künstler Gedanken darüber machen müssen, ob ihr Schaffen zur Strafanzeige führt, in dem sie beginnen, sich selber zu zensieren, oder zensiert zu werden“, heißt es weiter. Es sei die Aufgabe von Kunst und Satire, öffentliche Diskurse zu entfachen. Die Künstler fordern zudem, den Paragrafen 103 aus dem Strafgesetzbuch zu streichen, der ausländische Staatshäuptern einen Sonderstatus einräumt.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Satire darf nicht alles. Das Elaborat von Böhmermann ist wirklich strafwürdig, und ich hoffe, dass auch andere den Mut haben, Strafanzeige gegen diese Art von “Satire” einzureichen. Die Empörung der System-Künstler ist nichts als doppelte Moral, denn gegen Meinungen, die sie nicht teilen, sind sie alles andere als tolerant.

    1. Und was sagst du zur wiederholten Darstellung unserer Kanzlerin als Nazi mit Hakenkreuz am Ärmel in den türkischen Medien?

      1. Erdogan, hat mehr Zeit für solch einen Mist, regieren brauch er bei seinem System nicht, da ja sowieso bald Alles verboten ist. Die Türken in Deutschland wählen ihn ja, sitzen mit ihrem Hintern gut in unserer Demokratie und unterstützen Erdogan in der Türkei – das ist Einfach. wollt ihr “ihn” dann geht in die Türkei und werdet glücklich mit seinem System
        henry

  2. Haben Sie die Sendung überhaupt gesehen. Zauberwort “Kontext”. Der Beitrag von Böhmermann fand in einer satirischen Show mit verbaler satirischer Einleitung und satirischen (manchmal erklärenden) Zwischenbemerkungen statt. Und natürlich ist das Satire, da sehen Sie mal wie weit persönliche Meinungen auseinandergehen. Für mich ist die Empörung der Nichtseher ist doppelte Moral, weil ohne Differenzierung.

    Der von Ihnen verwendete Begriff “System-Künstler” sagt auch schon viel und macht (zumindest mir) klar, dass Sie mit Böhmermann schon in der Vergangenheit nicht viel anfangen konnten.

    1. Manfrd Nagel
      Viel könnten Kritik an den Äußerungen von Jan Böhmermann üben, aber nur nicht Herr Erdogan. Wer den Völkermord in den 1920 er Jahren leugnet, die Pressefreiheit stark einschränkt, Menschen Inhaftiert ohne Gerichtsurteile mit fingierten Beweisen der hat kein Recht sich als beleidigter hinzustellen. Auf Anweisung von Herrn Erdogan werden in diesem seinem Land die Menschenrechte mit Füßen getreten.
      Wenn es zu einer Anklage gegen Herrn Böhmermann, auf Grund des § 103 Strafgesetzbuch, der aus dem Jahr 1870 stammt, kommt dann sollten wir unsere Regierung zum Teufel jagen.

    2. Den Beitrag habe ich ganz gesehen. Ein Disclaimer nützt strafrechtlich in einem solchen Fall gar nichts, sondern beweist nur, dass die Straftat bewusst, also mit Vorsatz begangen wird. Ausserdem ist das nicht die einzige Satiresendung, mit der Personen beleidigt werden. Eine Satire kann sachlich analysieren, oft erklären Satiriker Wirtschaftsvorgänge besser als Professoren. Aber Beleidigungen unter der Gürtellinie sind für eine Kritik absolut nicht notwendig.

  3. Ob man Böhmermanns Satiren für gut oder schlecht, geschmackvoll oder geschmacklos, zutreffend oder falsch findet, ist eine Sache.
    Dass man allerdings in Deutschland (der Schreiber ist Ösi) soweit sinkt, die Freiheit der Kunst und Meinung gleich dreifach vor den Kadi zu zerren, ist nicht nur beschämend, sondern auch ein Warnsignal für Demokratie und Freiheit, das mir ebenso laut erscheint wie das Bombengrollen der Islamisten.

    Damit ist es mit der Unterwerfung unter andere Wertvorstellung eindeutig zu weit getrieben und ich hoffe, dass die Richter den Mut haben die Klagen abzuweisen. Denn mit der Anbiederung an das absolutistische Verhalten eines, wenn auch demokratisch gewählten, Staatschefs beginnt man ein Problem zu züchten, das man mit all seinen langfristigen Folgen aus der Vergangenheit – Rezah Shah Pahlavi, Ben Ali, Saddam Hussein, Baschar al-Assad und noch viele andere – nur zu gut kennen sollte.

  4. Hat Frau Merkel schon mal etwas von der UN-Charta gehört?

    Grundsätzlich ist das Eingreifen in die inneren Angelegenheiten eines Staates nach Art. 2 Ziff. 7 der UN-Charta unzulässig, da jeder Staat das Recht hat, sein politisches, wirtschaftliches, soziales und kulturelles System frei zu wählen

  5. Ich stimme “Regula” in vollem Umfang zu. Auch Satire hat Grenzen, wenn auch weit gezogene. Wenn von einem deutschen Gericht in diesem Zusammenhang der Vorwurf der “Beleidigung”, ein Straftatbestand, geprüft wird, dann hat das nichts mit Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun. Das ist ein alltäglicher Vorgang. Dass auf der anderen Seite Erdogan steht, darf in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen .
    Also, chillt mal. Alles wird gut!

  6. Offenbar haben doch zahlreiche Menschen in diesem Land noch einen Nachhilfekurs in Sachen Rechtsstaat nötig.

    1. Es gibt eine Kunst-, eine Presse- und generell eine Meinungsfreiheit. Die kann aber da ihre Grenzen finden, wo die Würde eines anderen Menschen verletzt wird. Siehe auch GG Art. 5, 2. Der Gedanke, dass Satire quasi im rechtsfreien Raum ist und sich niemals juristisch verantworten muss, ist völlig absurd. Denn wer bitte legt fest, was ein Satiriker ist? Es gibt also keine Freibriefe für Böhmermann und Co.

    2. Diese Grundrechte gelten nicht nur für Deutsche. Wird ein Ausländer von einem Deutschen beleidigt, hat er selbstverständlich das Recht zur Klage.

    3. Das Grundgesetz unterscheidet nicht zwischen netten und fiesen Menschen. Selbst Mörder haben Grundrechte. Insofern kann ein Erdogan selbstverständlich klagen.

    4. Der Paragraph 103 im Strafgesetzbuch ist Unsinn und gehört abgeschafft. Das aber kann nicht Frau Merkel erledigen, das ist Sache des Parlamentes. Sie kann auch nicht sagen, sie würde dieses Recht – solange es gilt – ignorieren.

    5. Hätte Merkel Erdogans Antrag abgelehnt, hätte sie dadurch Böhmermann vor der Justiz verschont. DAS wäre eine politische Justiz gewesen. Jetzt spielt die Sache allein und nur bei der Justiz, und so gehört sich das auch.

    1. Dem kann ich nur beipflichten. Ich mag Herrn Erdogan auch nicht und halte ihn für einen undemokratischen, machthungrigen Diktator. Trotzdem – das “Gedicht” war diskriminierend und rassistisch. Hätte irgendjemand ähnlich rassistisches über einen Juden, einen Moslem, einen Angehörigen der Roma geschrieben, womöglich jemand aus dem rechten Lager, wäre der Aufschrei der Künstler, die sich hier mit Herrn Böhmermann solidarisieren, sicher groß gewesen. Ich finde, Herr Böhmermann sollte nicht strafrechtlich verfolgt werden, aber er sollte die Größe haben, einen Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen.

  7. Welche Ermittlungen? Im §103 steht explizit, dass es sich um Beleidigungen von Staatsoberhäuptern im Inland handelt. Erdogan war nicht in Deutschland als er “angeblich” beleidigt wurde. Ergo greift dieser §103 überhaupt nicht! Thema durch!

    1. Ingo Trost:

      Seit Tagen wird im Grunde genommen auf jeder Internetseite darüber berichtet, dass sich der Zusatz “im Inland” nur auf Regierungsmitglieder beschränkt. Für Staatsoberhäupter gilt das nicht.

      1. Das ist für mich nur aus dem §103 allerdings so nicht ersichtlich! Sind es wieder irgendwo zu findende Zusatzartikel die das so verdeutlichen? Ach, ich werde morgen dazu mal Google quälen. Juristengeschreibsel ist nicht so mein Ding. Das zu verstehen ist wohl eine andere Welt!

  8. Das höchste gut der freiheit in der kunst, so auch sarire ist das es aufrütteln kann, manchmal über grenzen gehen. Es zeigt sich das derjenige der selber einiges zu verantworten hat, sich meldet und einmischt in der pressefreiheit die er selber bestreitet in sein land. Es ist eine schande das frau merkel sich nicht schützend auftritt und ihre landsleute nicht auflaufen lässt bei der justiz. Jede künstler sollte sich sollidarische aufstellen, denn an der schraube werd gedreht, wer ist der nächste.

  9. Was ist das für ein Verständnis vom Rechtsstaat, wenn Künstler die Staatsanwaltschaft auffordern, Ermittlungen einzustellen?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia