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Tarif-Einigung bei Zeit Online: Redakteure verdienen künftig mehr, aber weiter weniger als Print-Kollegen

Haben einem Tarifvertrag zugestimmt: Zeit-Online-Geschäftsführer Christian Röpke und Verlagschef Rainer Esser
Haben einem Tarifvertrag zugestimmt: Zeit-Online-Geschäftsführer Christian Röpke und Verlagschef Rainer Esser

Gewerkschaften und die Zeit Digital GmbH haben sich offensichtlich auf ein Tarifmodell geeinigt. Das gaben beide Verhandlungspartner am Dienstag. Der Haustarif für die Redakteure bei Zeit Online werde "grundsätzlich" denen der Zeitschriftenredakteure entsprechen, heißt es von Gewerkschaftsseite. Details sollen kommenden Montag erst der Belegschaft und dann der Öffentlichkeit mitgeteilt werden.

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Es werde “in wenigen tariflichen Regelungen” Anpassungen an die Bedingungen für Zeit Online geben, erklärt die Arbeitnehmerseite weiter. Gegenüber MEEDIA bestätigte eine Zeit-Sprecherin: “Einige Regelungen werden stufenweise über drei und vier Jahre eingeführt.” Andere Details seien im Tarifmodell noch gar nicht vorgesehen, weil man “die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Zeit Digital GmbH” abwarten wolle. Darunter fällt unter anderem eine Regelung zur Zahlung von Urlaubsgeld.

Das Ergebnis kommt für manche Beobachter überraschend schnell, nachdem man sich vor zwei Wochen offenbar gar ganz und gar nicht einig war und die Arbeitnehmer mit Streik drohten. Bei einer Einigung nahe des VDZ-Tarifs für Zeitschriftenredakteure wird von einer “Signalwirkung” gesprochen, weil branchenweit ein Großteil der Online-Redakteure nach wie vor schlechter bezahlt wird als beim verwandten Print-Titel. Die Arbeitgebervertreter hatten dies mit der wirtschaftlichen Situation des Digitalbereichs sowie hohen Aufwendungen für Innovationen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit begründet. Nach Gewerkschaftsangaben unterschieden sich die Brutto-Jahresgehälter der Angestellten von Zeit und Zeit Online um etwa 10.000 Euro.

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Die Gehaltsgefälle rühren insgesamt daher, dass vielerorts Print-Medien ihre Online-Ableger querfinanzieren. Nur wenige Online-Redaktionen, wie Spiegel Online, können sich selbst tragen. Auch dort wird seit Jahren eine ungerechte Bezahlung im Vergleich mit den Print-Kollegen kritisiert. Rentable Digital-Töchter sind wohl auch aufgrund der außertariflichen Konditionen in den schwarzen Zahlen. Es ist davon auszugehen, dass die Gewerkschaften nach dem Durchbruch in den Verhandlungen für die Mitarbeiter von Zeit Online die Forderung nach Angleichung der Gehälter nun auf weitere Medienhäuser “ausrollen” könnten.


(ms)

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Alle Kommentare

  1. Streng genommen müssten die Onliner sogar besser bezahlt werden als reine Printredakteure. Klar, momentan kommt die Kohle meist noch aus dem Gedruckten, aber wen man nur mal ein paar Jahre in die Zukunft denkt, ist doch völlig klar das Online viel wichtiger ist.

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