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“American Psycho” in Frankfurt: brutaler Wahnsinn im “Tatort – Die Geschichte des bösen Friederich”

Nicholas Ofczarek als Alexander Nolte im neuen Frankfruter “Tatort” © HR/Bettina Müller
Nicholas Ofczarek als Alexander Nolte im neuen Frankfruter "Tatort" © HR/Bettina Müller

Ein Mörder wird nach fast 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen – nur um direkt die nächste brutale Tat zu verüben. Er manipuliert Ermittler und Therapeuten gleichermaßen und macht außerdem Jagd auf Hauptkommissarin Anna Janneke. "Tatort – Der böse Friederich" (So., 20.15 Uhr, ARD) erzählt die Geschichte des abgrundtief Bösen und erinnert dabei an Bret Easton Ellis' Klassiker "American Psycho".

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Die Story
Der verurteilte Mörder Alexander Nolte ist wieder auf freiem Fuß und versucht, Kontakt zu Hauptkommissarin Anna Janneke aufzunehmen. In ihrer Zeit als Polizeipsychologin hatte sie das Gutachten erstellt, das Nolte lebenslänglich ins Gefängnis brachte. Nach fast zwanzig Jahren hat er seine Strafe abgesessen, wurde entlassen und arbeitet nun im Dentallabor von Roland Burmeister. Betreut wird Alexander Nolte von der Psychologin Helene Kaufmann. In einer Hauseinfahrt wird der Obdachlose Martin Busche erstochen aufgefunden. Für die beiden Frankfurter Kommissare Paul Brix und Anna Janneke bleibt dieser Mord rätselhaft. Hinweise gibt es kaum, es findet sich kein Motiv, die Ermittlungen verlaufen zäh und führen schließlich ins Leere. Anna Janneke ist emotional sehr mitgenommen, da Alexander Nolte in ihr Leben eindringt. Dramatisch wird die Situation, als er ihr zu Hause auflauert und sich ihr schrecklicher Verdacht bestätigt. Im neuen Fall von Janneke und Brix liegen Wahrheit und Verführung dicht beieinander.

Die Story hinter der Story
1845 erschien die Urfassung des “Struwwelpeter” von Heinrich Hoffmann. Darin erhalten war auch “Die Geschichte vom bösen Friederich”, der Tiere und Menschen quält. Auf dieser Geschichte basiert der gleichnamige Frankfurter “Tatort” des Hessischen Rundfunks. Gegenüber der Bild erklärt die zuständige Redakteurin Liane Jessen: „Wir wollten die Geschichte des abgrundtief Bösen erzählen. Der Titel aus dem Struwwelpeter passt da sehr gut. Eine archaische Geschichte, die viele kennen.“ Alexander Nolte, der Protagonist, des “Tatorts” töte nicht aus Vorsatz, sondern brauche es, um sich lebendig zu fühlen.

Was taugt das Drehbuch?
Alexander Nolte aka “der böse Friederich” liegt wie ein Tier auf der Lauer; er wartet auf sein nächstes Opfer, um dann zuzuschlagen. Gleichzeitig manipuliert er jeden um sich herum – Arbeitskollegen und Bekannte gleichermaßen wie Therapeuten und Psychologen – und nimmt den Zuschauer mit in seine grausamen Phantasien. Der Film schafft eine Stimmung der permanenten Bedrohung und erinnert durch seine Musik und die Bildsprache vor allem zu Beginn an Krimi-Klassiker à la Alfred Hitchcock. Doch Hitchcock und der Struwwelpeter sind nicht die einzigen Filmzitate in dem Drehbuch: An vielen Stellen erinnert “Tatort – Die Geschichte des bösen Friederich” stark an Bret Easton Ellis’ “American Psycho”. Genau wie Patrick Bateman ist auch Alexander Nolte gefangen zwischen Sein und Schein, verstärkt diesen Zustand durch seinen Drogenkonsum und versucht, nach außen ein perfektes Bild seiner selbst zu bewahren. Ganz davon abgesehen, dass er in den ersten Minuten des Films ebenfalls einen Obdachlosen ohne erkennbaren Grund ersticht. Auf die Verfütterung einer Katze an einen Geldautomaten, haben die Macher des “Tatorts” dann aber doch verzichtet – auch wenn sowohl Katze als auch EC-Automat als Stilelemente mehrfach auftauchen.

“Tatort – Der böse Friederich” startet überaus stark: wahnsinnig, grausam und angsteinflößend. Leider kann das Erzähltempo, das in der ersten viertel Stunde des Films vorgelegt wird, im Mittelteil nicht ganz gehalten werden. Im letzten Drittel zieht es dann – zum Glück – wieder an, bleibt aber im Großen und Ganzen hinter dem mitreißenden, erschreckenden Anfang zurück.

Sind die Ermittler in Form?
Von der Vergangenheit eingeholt, gerät Hauptkommissarin Anna Janneke an ihre Grenzen und ist dem Psychoterror von Alexander Nolte beinah schutzlos ausgeliefert. Auf Geschichten aus dem Privatleben der beiden Ermittler wird in diesem “Tatort” konsequent verzichtet, was ihm sehr gut tut. Alexander Nolte, sein Wahnsinn, die Manipulation und die permanent lauernde Gefahr stehen im Vordergrund.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Der Friederich, der Friederich,
das war ein arger Wüterich!
Er fing die Fliegen in dem Haus
und riß ihnen die Flügel aus.
Er schlug die Stühl und Vögel tot,
die Katzen litten große Not.
Und höre nur, wie bös er war:
Er peitschte seine Gretchen gar!

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Am Brunnen stand ein großer Hund,
trank Wasser dort mit seinem Mund.
Da mit der Peitsch herzu sich schlich
der bitterböse Friederich;
und schlug den Hund, der heulte sehr,
und trat und schlug ihn immer mehr.
Da biß der Hund ihn in das Bein,
recht tief bis in das Blut hinein.
Der bitterböse Friederich,
der schrie und weinte bitterlich.
Jedoch nach Hause lief der Hund
und trug die Peitsche in dem Mund.

Ins Bett muß Friedrich nun hinein,
litt vielen Schmerz an seinem Bein;
und der Herr Doktor sitzt dabei
und gibt ihm bittre Arzenei.

Der Hund an Friedrichs Tischchen saß,
wo er den großen Kuchen aß;
aß auch die gute Leberwurst
und trank den Wein für seinen Durst.
Die Peitsche hat er mitgebracht
und nimmt sie sorglich sehr in acht.

Der Satz zum Mitreden
“Jeden Tag mit dem gewaltsamen Tod konfrontiert zu sein, müsste einen mitfühlenden Menschen kaputtmachen.”

Fazit
Mit “Tatort – Der böse Friederich” ist dem Hessischen Rundfunk ein außergewöhnlicher, tiefgängiger Film gelungen. Einschalten sollten alle, die auf Psychothriller stehen und die Abgründe der menschlichen Psyche erkunden wollen.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
8

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Alle Kommentare

  1. “Genau wie Jason Bateman ist auch Alexander Nolte gefangen zwischen Sein und Schein”
    Jason Bateman ist hier wohl nicht gemeint, denke ich.
    Jason Bateman=US Schauspieler, Patrick Bateman= American Psycho

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