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„Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Kölner Stadt-Anzeiger will Feste und Freie künftig räumlich trennen

In der Redaktion von Chefredakteur Peter Pauls werden zukünftig feste von freien Mitarbeitern getrennt

Während die Medien der DuMont Mediengruppe integrierte Redaktionen bauen, um die Gräben zwischen Print und Online zu schließen, reißt ein anderer Graben offenbar weiter auf. Angesichts der Schwierigkeiten mit Scheinselbstständigkeiten sollen beim Kölner Stadt-Anzeiger freie Mitarbeiter von Festangestellten räumlich getrennt werden. Entsprechende Pläne wurden der Redaktion bereits präsentiert.

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Im vergangenen September stellte die Mediengruppe DuMont ihren weiteren Fahrplan für die „digitale Transformation“ vor. Nachdem das Unternehmen zwei Jahre zuvor die Online- und Printaktivitäten voneinander getrennt hatte, laufen sie seit vergangenem Herbst zumindest organisatorisch wieder zusammen. Wie zuerst beim Kölner Express sowie der Mitteldeutschen Zeitung sollen auch bei allen anderen Titeln (Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Hamburger Morgenpost, Kölner Stadt-Anzeiger) integrierte Redaktionen eingeführt werden. Das Konzept sieht vor, Print und Online gleichberechtigt zu bedienen. Im Vordergrund stehen soll die Geschichte, nicht der Vertriebskanal. Integrierte Redaktionen sollen den Graben zwischen den verschiedenen Mediengattungen schließen.

Doch das neue Credo der Integration bezieht sich nicht auf alles und jeden bei DuMont. Wie MEEDIA aus Redaktionskreisen erfuhr, soll innerhalb der Redaktion des Kölner Stadt-Anzeigers (Ksta) zukünftig noch strenger getrennt werden. Nämlich zwischen festen und freien Mitarbeitern. In der Lokalredaktion Köln sollen künftig die freien Journalisten nicht mehr mit dem Rest der Redaktion in einem gemeinsamen Raum, sondern in einem eigenen Büro arbeiten, heißt es. Von mehr als 20 Freien ist die Rede. Zahlen will DuMont nicht nennen. Ein Sprecher erklärt: „Bei räumlichen Veränderungen innerhalb der Redaktionen handelt es sich um einen internen Vorgang, der mehrere Aspekte beinhaltet, unter anderem auch thematische und infrastrukturelle. Schon bisher arbeiten freie Mitarbeiter von zu Hause aus und von unterwegs. Multifunktionale Bereiche können künftig besser von freien Mitarbeitern genutzt werden.“

Hintergrund der räumlichen Trennung dürften die anstehenden Reformen des Bundesarbeitsministeriums sein, das die Kriterien zur Feststellung von Scheinselbstständigkeiten verschärfen will. Wie zahlreiche andere Medien, arbeiten auch die Redaktionen der DuMont Mediengruppe mit freien Mitarbeitern und so genannten Pauschalisten oder „festen Freien“ zusammen, die mit großer Wahrscheinlichkeit in einer Festanstellung ähnlichen Verhältnissen arbeiten. Das Kölner Verlagshaus rückte vergangenes Jahr besonders in den Fokus der Öffentlichkeit, weil Zollbehörde und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf systematische Beschäftigung Scheinselbstständiger Ermittlungen gegen DuMont einleiteten.

DuMont unternahm daraufhin einige Maßnahmen, um die über Jahre gewachsenen Strukturen zu ordnen. Zuletzt unterbreitete das Haus seinen Pauschalisten Übernahmeangebote für Festanstellungen, die Teile der Belegschaft allerdings nicht zufrieden stellten. Wie es dem Vernehmen nach heißt, war der Versuch nur mittelmäßig erfolgreich – auch, weil einige Freie gar keine Festanstellung wollen. Mit den Übernahmeangeboten und auch diesem neuen Plan der räumlichen Trennung will DuMont die Beschäftigung der festen Freien „rechtssicher“ machen. Für die Freien bedeutet das also offenbar, dass sie vom Rest der Redaktion getrennt werden – um bei einer möglichen Prüfung den Eindruck zu verhindern, sie seien womöglich in feste, redaktionelle Arbeitsabläufe integriert, heißt es aus Redaktionskreisen. Das wäre nämlich ein Indiz für ein festangestelltenähnliches Verhältnis. Die Pläne stoßen nicht unbedingt auf Begeisterung bei den Betroffenen. Es werde das Gefühl einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ verstärkt, lautet die Kritik.

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