Be Deutsch: Jan Böhmermann sprengt das Internet mit Rammstein-Parodie zur Flüchtlingskrise

Es ist der Song zur Lage der Nation anno 2016: „Be Deutsch“ von Jan Böhmermann. Der ZDF-Comedian hält der aufgeregten Republik in typischer Manier in einem vierminütigen Videoclip den Spiegel vor: In der Flüchtlingskrise zeigt der vermeintlich so liberale Deutsche plötzlich eine hässliche Fratze. Mit „Be Deutsch“ gelingt Böhmermann im Rammstein-Sound eine zeitgeistige Satire, die sofort viral geht.

Was ist eigentlich deutsch? 10 Millionen Fahrradhelme, Jack Wolfskin-Jacken, Birkenstock Sandalen und Müsli? Vor neun Monaten wäre die Auswahl an Schlagworten möglicherweise so ausgefallen.  Tolerant, aber detailverliebt. Weltoffen, aber bis in die verschrobensten Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches korrekt. Warum einfach, wenn es auch schwer geht? Es gibt unzählige Charakteristika, die den Deutschen im 21. Jahrhundert beschreiben.

Doch seit der Flüchtlingskrise ist bekanntlich alles anders. Die Willkommenskultur kippte, Deutschland zeigte plötzlich ein sehr unfreundliches Gesicht: Der rasende Mob vor dem Bus voller Flüchtlinge im sächsischen Clausnitz steht stellvertretend für die hässliche Fratze des anderen Deutschlands anno 2016.

ZDF Comedian Jan Böhmermann hat sich diesen neuen Deutschen genauer angesehen und nach „Ich hab Polizei“ den nächsten Viral-Hit produziert – den Vierminüter „Be Deutsch“, der heute debütierte und auch als Single auf iTunes erhältlich ist.

„Achtung, Germans on the Rise!“, warnt Böhmermann gleich zu Beginn musikalisch und optisch unverwechselbar im Rammstein-Stil. Gesungen wird in englischer Sprache durchsetzt mit typisch deutschen Begriffen wie Grundgesetz und Dosenpfand.

An Botschaften spart der 35-Jährige nicht: „Ihr seid nicht das Volk, Ihr seid die Vergangenheit“, gibt Böhmermann Pegida-Anhängern mit auf den Weg. „Guten Tag, the true Germans are here, we are Xenophobics biggest fear. You call for strong leaders, for fences and walls. But being like us takes bigger balls“, stimmt Böhmermann seine Hymne gegen Fremdenfeindlichkeit an.

Zeitgeschichtliches Name-Dropping von Frauke Petry bis Donald Trump

Übersetzt lautet sie in etwa so: „Die wahren Deutschen sind hier, wir sind die größte Angst der Fremdenfeinde. Ihr ruft nach starken politischen Führern, nach Zäunen und Mauern. Aber um so zu sein wie wir, braucht es dickere Eier.“

Ganz nebenbei betreibt „Be Deutsch“ zeitgeschichtliches Name-Dropping in Stile von Billy Joels „We didn’t start the fire“: Frauke Petry findet als „nationalistischer Depp“ ebenso ihre Verewigung wie US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, die polnische Ministerpräsidentin Beate Szydło oder der türkische Präsident Erdogan.

300.000 Abrufe bei YouTube in 12 Stunden

Und was ist nun deutsch? „Proud not to be proud“: Stolz, nicht stolz zu sein. Oder noch konkreter: „Deutsch – nice. Deutsch – liberal. Deutsch – compassionate. Deutsch – considerate. Deutsch – reasonable. Deutsch – social. Deutsch – temperate. Deutsch – peaceful.“ Nett, liberal, mitfühlend, rücksichtsvoll, vernünftig, sozial, maßvoll und friedlich soll der neue Deutsche also sein.

Dem Netz gefällt Jan Böhmermanns unorthodoxer Aufruf zu einem besseren Miteinander in aufgeregten Zeiten: Mehr als 300.000 Mal wurde das Video bei YouTube in den ersten 12 Stunden abgerufen und mehr als 10.000 Mal kommentiert. Auch in den sozialen Netzwerken fällt das Echo auf „Be Deutsch“ entsprechend positiv aus: