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Conflict Zone: AfD-Chefin Frauke Petry wird im Deutsche Welle-Interview gegrillt

AfD-Chefin Frauke Petry will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch einen abgespeckten Bürgerfunk ersetzen. Reine Unterhaltungsprogramme sollten den Privatsendern überlassen werden

Es war das Lieblingsthema der Netz-Gemeinde über die Osterfeiertage: Der denkwürdige Interview-Auftritt von Frauke Petry bei der Deutschen Welle. In der Sendung „Conflict Zone“, in der der britische Reporterveteran Tim Sebastian seine Gäste stets mit harten Bandagen angeht, sah sich die AfD-Chefin eine halbe Stunde lang mit so unangenehmen Fragen konfrontiert wie bisher in keinem deutschen Interview. Das Netz sieht Petry – mit wenigen Ausnahmen – als klare Verliererin: Die AfD-Chefin sei „demontiert, auseinandergenommen und entlarvt“ worden.

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Damit hatte Frauke Petry wahrscheinlich nicht gerechnet: mit einem Interview wie auf der Anklagebank. Dabei hätte die AfD-Chefin gewarnt sein müssen: Tim Sebastian, der Petry in seinem Talk-Format „Conflict Zone“ bei der Deutschen Welle knapp dreißig Minuten grillte, hat sich im Laufe seiner schillernden Reporterkarriere den Ruf erworben, die ganz harten Fragen zu stellen.

Der frühere Europa-Korrespondent der BBC, der in seiner vierzigjährigen Laufbahn u.a. die US-Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter und Erzbischof Desmond Tutu interviewte, geht Petry frontal an.

Schnell wird klar: Dies Interview läuft so ganz anders als die Wohlfühl-Gespräche mit Samthandschuhen, die ARD und ZDF mit dem Politikbetrieb  in Berlin so oft führen – Sebastian attackiert Petry brachial.

Gleich die erste Frage ist Provokation pur: „Sie haben als einzige führende deutsche Politikerin erklärt, auch der Einsatz von Schusswaffen an der Grenze gegen Flüchtlinge wäre eine letzte Option. Sind Sie stolz darauf?“

Petry kontert sofort, dass sie das kontrovers diskutierte Zitat vom Waffengebrauch zur Sicherung der deutschen Grenze, das im Interview mit dem Mannheimer Morgen am 30. Januar entstanden ist, so nie gebraucht habe. Minutenlang bearbeitet Sebastian Petry zum möglichen Waffengebrauch und wirft der AfD-Chefin vor, dass sie in einer aufgeheizten Atmosphäre mit ihrem Zitat gezündelt habe.

„Sind Sie also nicht verantwortlich dafür, was Sie sagen?“

Petry rudert halb zurück und schanzt den Schwarzen Peter der Presse zu, die die Aussagen der AfD-Chefin im falschen Kontext zitieren würde. „Sind Sie also nicht verantwortlich dafür, was Sie sagen?“ landet Sebastian den ersten Wirkungstreffer.

In der Form geht es 25 Minuten lang weiter: Der 64-jährige Reporter fährt Petry immer wieder mit verkürzten provokativen Unterbrechungen über den Mund, während sich die AfD-Chefin immer wieder in der Rechtfertigsschleife in englischer Sprache verheddert. Petry wirkt dabei zunehmend genervter und verlässt am Ende ohne obligatorischen Handshake das Interview.

Twitter: Petry demontiert, auseinandergenommen und selbst entlarvt

Der Fairness halber muss gesagt werden: Gemessen an den bis heute nicht gerade exzellenten Englischkenntnissen vieler deutscher Politiker, formuliert Petry sauber und fehlerfrei – trotzdem fehlt natürlich die Souveränität und Schlagfertigkeit der Muttersprache, die Medienprofi  Tim Sebastian entsprechend gnadenlos ausnutzt. („Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte, denn das ist, was eine freie Presse tut.“)

Für Nutzer in den sozialen Medien ist das Petry-Interview entsprechend ein gefundenes Fressen. Der Konsens ist klar: Die AfD-Chefin, die vor zwei Wochen schon für ihre wiederholten Absagen beim ZDF Morgenmagazin verspottet und nach ihrer Attacke gegen Moderatorin Dunja Hayali scharf kritisiert wurde,  wurde nach Meinung der meisten Twitterer demontiert, auseinandergenommen und selbst entlarvt:

Anderer Meinung war dagegen der frühere Spiegel-Redakteur und Ex-Welt-Autor Matthias Matussek, der findet, die AfD-Chefin habe „Sebastian mit seinen vorbereiteten Gehässigkeiten komplett in die Leere laufen lassen“ 

Hier Tim Sebastian im Interview mit Frauke Petry. Tim Sebastian war der schärfste Hund in der BBC, ich hab ihn mal…

Posted by Matthias Matussek on Saturday, March 26, 2016

Auch der Kommunikationsberater Mirko Lange bescheinigt Petry einen guten Auftritt: „Sie ist argumentativ und rhetorisch sehr, sehr stark.“

Also ich halte von den politischen Positionen der AfD gar nichts. Aber vor allem aus professioneller Sicht (als…

Posted by Mirko Lange on Friday, March 25, 2016

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