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Uplink-Deal: Helmut Markworts ehrgeizige Pläne im Radiogeschäft

Focus-Gründer Helmut Markwort
Focus-Gründer Helmut Markwort

Einst hat Helmut Markwort den Focus gegründet, um das publizistische Monopol des Spiegel im Segment der Nachrichtenmagazine zu knacken. Nun ist er beim Sendenetzbetreiber Uplink eingestiegen, um das noch herrschende Quasi-Monopol des Kölner Konkurrenten Media Broadcast in Bayern zu Fall zu bringen.

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Von Gregory Lipinski

Die Bayerische Landeszentrale BLM, eine von 14 Landesmedienanstalten, setzt trotz der Liberalisierung des Marktes für den Sendebetrieb weiterhin auf die Kölner. Doch von einem Anbieterwechsel zu Uplink könnte der Radiosender Antenne Bayern profitieren, an dem Markwort einen Anteil von sieben Prozent hält. Zudem denkt der Focus-Gründer darüber nach, sich an weiteren Radiostationen zu engagieren.

Herr Markwort, Sie sind als Gründer und ehemaliger Chefredakteur des Burda-Magazins Focus im Mediengeschäft bekannt. Jenseits davon haben Sie sich fast unbemerkt ein kleines Reich an Radioengagements aufgebaut. Wissen Sie, wie viele direkte und indirekte Beteiligungen Sie überhaupt aktuell halten?
Direkt über meine Medienpool GmbH und indirekt über Studio Gong bin ich derzeit an etwa 35 privaten Radiosendern beteiligt.

Wie kamen es dazu, dass Sie ins Radiogeschäft eingestiegen sind?
Als in den 80er Jahren die Gesetze in den einzelnen Ländern die Gründung von privaten Sendern erlauben, habe ich für den Gong Verlag die Studio Gong gegründet und im Markt platziert. Im Laufe von Vertragsverhandlungen habe ich vereinbart, dass ich mich mit meiner Firma Medienpool GmbH auch als selbstständiger Unternehmer in der Radiobranche engagieren durfte.

Was würden Sie derzeit als Ihre wertvollste Radiobeteiligung ansehen?
Besonders stolz bin ich auf meine 7-prozentige Beteiligung an Antenne Bayern, seit sieben Jahren der erfolgreichste Radiosender in Deutschland. Dieses Unternehmen habe ich vor 30 Jahren als Gründungsgeschäftsführer aufgebaut und konnte in dieser Zeit schon wichtige Weichen stellen.

Das Radiogeschäft galt in der Vergangenheit als hochprofitabel. Sind immer noch zweistellige Renditen möglich, obwohl hier das Werbegeschäft immer starker durch andere Gattungen wie TV und das Web unter Druck gerät?
Wie objektiv die Mediaanalyse nachweist und wie subjektiv unsere Hörer sich mit den Programmen verbunden zeigen, bin ich voller Optimismus für die Erfolgsgattung Radio.

Spielt bei der Wahl ihrer Radioengagements nur die Rendite eine Rolle?
Natürlich will ich als Unternehmer Geld verdienen, aber eines meiner Hauptmotive war immer der journalistische Inhalt, die Qualität der Nachrichten und die Lebenshilfe für den Hörer.

Bringen Sie auch operativ bei Radiostationen ein, an denen Sie engagiert sind?
Zu den vergangenen Wahlen im Bund und in Bayern habe ich viele einstündige Interviews mit wichtigen Politikern geführt. Darunter Angela Merkel, Horst Seehofer, Peer Steinbrück, Rainer Brüderle, Claudia Roth und Ilse Aigner.

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Wie wollen Sie Ihr Radiogeschäft weiter ausbauen?
Ich beobachte die Szene in Deutschland genau und versuche, mein Engagement zu erweitern. Ein Beispiel: Jedes Mal, wenn ein Gesellschafter von Radio FFH, Marktführer in Hessen, Anteile angeboten hat, habe ich von meinem Vorverkaufsrecht Gebrauch gemacht. So konnte ich auch Anteile der FAZ erwerben.

Der Sendebetrieb stellt einen großen Kostenblock dar. Bislang bietet vor allem den Quasi-Monopolist Media Broadcast den Radiostationen die Dienstleistung an. Seit Anfang des Jahres können durch eine Liberalisierung des Marktes Wettbewerber wie Uplink Networks auf dem Markt aktiv werden. Haben Sie sich deshalb an der Gesellschaft beteiligt?
Der Einsatz für einen freien Markt, für mehr Wettbewerb und gegen Monopole hat mein Engagement bestimmt. Deshalb habe ich den Focus gegründet und mich an privaten Radiostationen beteiligt. Deshalb unterstütze ich, dass auch auf dem Markt der Technik Wettbewerber aktiv werden können.

Wie viele Anteile halten Sie an Uplink und wollen Sie diese weiter aufstocken?
Ich bin gerade mit einem kleinen Prozentsatz eingestiegen und sehe einer weiteren Entwicklung hoffnungsvoll entgegen.

In Bayern gilt Media Broadcast weiterhin als unangefochtener Platzhirsch, da das Unternehmen durch eine medienrechtliche Besonderheit des Landes geschützt ist. So können dortige Radiosender nicht zu preiswerteren Anbietern wechseln, da der Einkauf dieser Dienstleistung über die staatliche Bayerische Medien Technik GmbH (bmt), einer Tochter des Bayerischen Rundfunks (BR) und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), erfolgt. Ärgert sie das?
In Bayern gehen auch in dieser Hinsicht die Uhren anders. Der Markt ist strenger reguliert als in anderen Ländern. Das wusste ich, als ich angetreten bin.

Was werden Sie dagegen zu tun?
Die Bayerische Landeszentrale, die dazu beitragen könnte, dass die Radiosender ihre Technik von preiswerten Anbietern kaufen können, ist sich der Situation bewusst. Ich habe Hinweise darauf, dass die Bayerische Medientechnik über eine Ausschreibung nachdenkt. An der wird sich selbstverständlich Uplink beteiligen.

Gibt es noch in anderen Bundesländern solche medienrechtlichen Besonderheiten?
In jedem Bundesland gilt ein anderes Medienrecht, aber was die Technik angeht, sind mir keine Besonderheiten bekannt.

Sie sind bei Uplink Mitglied des Unternehmensbeirats, der vom ehemaligen Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling geleitet wird. Wie wollen Sie sich in das Unternehmen einbringen?
Soviel ich von den Mitgesellschaftern weiß, haben sie mich in den Unternehmensbeirat gewählt, weil ich mich seit 30 Jahren bei Privatradios in Deutschland auskenne. Diesem Vertrauen will ich gerecht werden

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Alle Kommentare

  1. Nun hat auch COOL- Radio JAZZ aus BAY aufgegeben..worden.. müssen. Bleiben nur noch “Feindsender”. Aber, da ohne den Kapitalistenfreund Markwort= Freund+Freusender.
    Wie Dänemark8, KJazz, Ö1 (hehe, die Jazznacht darf man also aus dem kleinen kotelettförmigen Lande hören, da der dt. Rundfunk wohl alles in die Pensionssicherung steckt, man ist sich ja zu fein für die Rentenkasse, erbärmlichste Abzockerei)

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