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“Schrecklich, falsch, lächerlich”: die empörte Abrechnung von Bild-Digitalchef Reichelt mit den Jugend-Medienwächtern

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Bild-Kritik von Medienwächtern scheint derzeit en vogue. Nachdem in der vergangenen Woche beim Presserat gleich gegen zwei Bild-Storys Beschwerden eingingen, stellt die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) nun „einen Verstoß gegen die Menschenwürde fest“. Diesen Vorwurf will Bild.de-Chef Julian Reichelt allerdings keineswegs auf sich sitzen lassen. In harschen Worten nimmt er die Argumentation der KJM auseinander.

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Stein des Anstoßes ist ein Bericht über den Syrienkrieg, der die Folgen von Bombenangriffen des syrischen Präsidenten Assad auf die Zivilbevölkerung thematisiert. Auf den dazu veröffentlichten Fotos sind schwer verletzte und tote Babys zu sehen. Kinder werden ebenfalls gezeigt. Deren Gesichter seien – wie die BJM anmerkt – unverfremdet in Nahaufnahme zu sehen. So seien die Opfer identifizierbar.

Nach Ansicht der KJM verstoßen zwei der Darstellungen deshalb gegen die Bestimmungen zur Menschenwürde. In der veröffentlichten Begründung heißt es:

Das Leiden und Sterben der Kinder wird zur Schau gestellt und sie werden dadurch zu Objekten der Schaulust degradiert. Auch wenn es sich um ein tatsächliches Geschehen handelt, besteht nach Meinung des Gremiums kein berechtigtes Interesse an dieser Art der Darstellung, da eine Verpixelung der Bilder die Aussagekraft des Artikels nicht geschmälert hätte.

Nach den Richtlinien der Jugendschützer handelt es dann um einen Verstoß gegen die Bestimmung zur Menschenwürde, wenn Menschen leidend oder sterbend dargestellt werden würden und dabei zum Objekt herabgewürdigt werden. „Darüber hinaus muss die Darstellung ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt. Reine Geschmacksfragen spielen bei Prüfungen der KJM keine Rolle.“

In einem geharnischten Brief antwortet nun der Bild.de-Chef. „Um es gleich zu sagen: Die Entscheidung, die Sie getroffen haben, ist schrecklich und falsch“, kommt Reichelt direkt zur Sache. „Wir werden sie nicht akzeptieren, sie nicht hinnehmen und mit allen Mitteln – juristisch, journalistisch, politisch – dagegen vorgehen, bis Sie sich korrigieren oder korrigiert werden und anerkennen, dass Sie bei der Wahrnehmung des Ihnen erteilten Auftrags schlicht versagt haben.“

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Danach nimmt der Journalist, der selber viele Jahre aus und über Syrien berichtete, die Begründung der Jugendwächter auseinander. Vor allem zwei Formulierungen der Prüfgruppe ärgern ihn maßlos.

Erstens: Es heißt, wir würden „die abwertende Zuschreibung ‚Teufel‘ für den syrischen Machthaber Assad“ verwenden. Zweitens steht dort, dass wir „ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt.“

Reichelt kontert mit der Frage, wer ein höchst berechtigtes Interesse an dieser schonungslosen Darstellung habe. „All die Menschen in Syrien, die täglich dem Terror des Regimes ausgesetzt sind, ohne dass die Welt in fünf Jahren darauf eine angemessene Antwort gefunden hat.‎ Ohne die Medien und diese Form der Berichterstattung wäre dieser Krieg längst vergessen.“

Der Brief des Chefredakteurs endet mit dem Vorwurf: „Mich empört, was in Syrien geschieht. Sie hingegen empören mich nicht. Sie haben sich einfach nur lächerlich gemacht. Ihr Urteil wird nicht bestehen.“

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Alle Kommentare

  1. Da fühlt sich ja jemand mächtig auf die Füße getreten. Wer mit dem Leid anderer seine Auflagen erhöht, sollte sich mit Kritik über die Verletzung von Persönlichkeitsrechten der Notleidenden auseinander setzen.

    1. Absolut Richtig! Julian Reichelt hat für mich keinen Anstand!
      Mir fällt zu solchen Leuten einfach nix mehr ein! Es fällt mir schwer
      höflich zu bleiben!!!

  2. Wenn Politiker sagen, daß sie nur die BILD und das Fernsehen brauchen zum Regieren, dann stimmt etwas mit der BILD nicht. Mit dem Fernsehen sowieso nicht.

    Die BILD tritt chronisch auf der Menschenwürde herum. Kein Wunder, daß sich der Herr so aufregt. Er hat sich an die deutschen Grundrechte zu halten auch bei Menschen anderer Länder.

    Tote oder sterbende Menschen zu zeigen, ist selbstverständlich gegen die Menschenwürde gerichtet. Das Grundgesetz hält sie für unantastbar, etwas, das in der BILD nie eine Rolle gespielt hat. Solche Bilder führen zur Verrohung, und davon haben wir wahrlich genug.

  3. “Flüchtlingsabkommen zwischen EU und Türkei – UN kritisieren geplante Massenabschiebungen” Die Tagesschau ist natürlich ganz vorne mit einer Meldung dabei. Sie war nicht dabei, als die UN festgestellt hat “Kleinwaffen sind Massenvernichtungswaffen – Mit sogenannten Kleinwaffen wie zum Beispiel dem deutschen G3-Gewehr von Heckler & Koch aus dem Schwäbischen werden jedes Jahr 500.000 Menschen getötet. Das sind täglich 1440 oder stündlich 60 Menschen. 90 Prozent der Opfer sind Frauen und Kinder. Das hat eine UNO-Konferenz 2003 festgestellt.”

    Bis heute liefert die deutsche Rüstungsindustrie mit Zustimmung der Wirtschaftsminister Waffen in kritische Staaten und kann die Verbreitung überhaupt nicht kontrollieren. Die treten selbstverständlich an mit dem Versprechen, den Handel einzudämmen – wie auch Sigmar Gabriel. Die Heuchler sind unter uns!

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