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So gut ist “House of Cards” 4: US-Wahljahr vorweggenommen, Phänomen Donald Trump verpasst

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Frank Underwood ist zurück: Seit Freitag ist die vierte Staffel der US-Kultserie House of Cards zu sehen. Ohne zu viel zu verraten, steht nach knapp 13 Stunden Binge Watching fest: Kevin Spacey als skrupelloser US-Präsident ist ebenso weiter in Hochform wie seine immer wichtigere Gattin Claire, gespielt von Robin Wright. Nach einer Donald Trump-Figur sucht man indes vergeblich. Achtung: Spoiler-Warnung.

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Ganz große Showtime für Netflix’ Kultserie House of Cards, die das vierte Jahr in Folge wegen der gesonderten Rechtevergabe in Deutschland nicht auf einen Schlag beim Streaming-Riesen zu sehen ist, sondern bei Sky, Amazon Prime Video – oder im US-Original als komplette Staffel in Apples iTunes Store.

Seit drei Jahren spitzen David Fincher (“The Social Network”, “Der seltsame Fall des Benjamin Button”) und Beau Willimon “House of Cards” als fiktionales Abbild der US-Politik zu, dem niemand Geringerer als Ex-Präsident Bill Clinton bescheinigte, “zu 99 Prozent” real zu sein.

Vorwegnahme des US-Wahljahres

Entsprechend lief der Plot in den vergangenen Jahren auf das große Event des US-Wahljahres 2016 zu: Der machthungrige Kongressabgeordnete Frank Underwood aus South Carolina, seit jeher meisterhaft gespielt von Kevin Spacey, stieg in der ersten Staffel durch Intrigen zum Vizepräsidenten auf, brachte es in der zweiten Staffel durch noch skrupellosere Manöver zur Präsidentschaft und sah sich in der dritten Staffel im vergangenen Jahr von Feinden umzingelt in der Defensive, nur um sich erneut um die Präsidentschaft zu bewerben.

Das ist die Ausgangsbasis, auf die die House of Cards-Macher offenkundig die ganze Zeit hingearbeitet haben: im US-Wahljahr 2016 fast in Echtzeit die kommenden Monate vorwegzunehmen. Tatsächlich gleicht die gesamte vierte Staffel mit der Inszenierung der Vorwahlen dem Washingtoner Politikbetrieb zum Verwechseln – authentische CNN-Wahlberichterstattung mit Wolf Blitzer inklusive. 

Es beginnt mit den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire, gefolgt vom Super Tuesday, der tatsächlich erst vergangene Woche stattgefunden hat, um sich dann in die Zukunft des Wahljahres 2016 zu bewegen – den Nominierungsparteitag der Demokraten, der eine überraschende Wendung nimmt, wie ihn einige politische Beobachter auch bei der möglichen Kandidatenkür von Donald Trump im Sommer bei den Republikanern prophezeien.

Robin Wright als heimliche Heldin

Der filmische Brückenschlag zur US-Politik der Gegenwart liegt seit der ersten Folge auf der Hand: Frank Underwoods Gattin Claire, ikonisch inszeniert von Robin Wright, hat so viel mehr als Ambitionen als nur First Lady zu sein – genau wie Hillary Clinton, die ihre eigene politische Karriere just in dem Moment startete, als ihr Mann aus dem Weißen Haus ausschied.

Wenig überraschend gewinnt Claire im Powerpaar Underwood/Underwood in der vierten Staffel noch mehr Gewicht und avanciert zur eigentlichen Heldin. Es braucht inzwischen nicht mehr viel Fantasie, um sich eine Präsidentin Claire Underwood in der bereits angekündigten fünften Staffel vorzustellen.

Donald Trump-Wiedergänger – schmerzlich vermisst

Entscheidenden Anteil daran dürfte nicht zuletzt Donald Trump haben, dem allerdings keine Entsprechung in der neuen Staffel von “House of Cards” gewidmet wurde, so wie ihn Wladmir Putin mit seinem wenig dechiffrierten Counterpart als russischer Präsident in Viktor Petrov findet.

Es scheint vielmehr, als wäre das Phänomen Trump von Fincher/Willimon ebenso unterschätzt worden wie vom politischen Mainstream. Die Dreharbeiten zur vierten Staffel begannen am 16. Juni 2015 – genau an jenem Tag, als Donald Trump seine Nominierung bekannt gegeben hat, die vor neun Monaten noch wie eine Clownerei aussah.

Republikanischer Kandidat wie ein Trudeau/Rubio-Verschnitt

Stattdessen präsentiert die vierte House of Cards-Staffel mit Will Conway, gespielt vom Schweden Joel Kinnamen, einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der keine Gelegenheit zur Social Media-Inszenierung auslässt und mit seinem jugendlichen Elan wie eine Mischung aus dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau und Marco Rubio erinnert, dem vor einem halben Jahr noch gute Chancen eingeräumt wurden, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden.

Das eher unrealistische Duell gegen einen 39 Jahre alten Herausforderer ist der Schwachpunkt der vierten Staffel – Frank Underwood hatte es bislang mit härteren Gegnern zu tun. Ein Highlight in der Nebenrolle: Das unerwartete Comeback des 90er-Jahre-Stars Neve Campbell (“Scream”, “Wild Things”) als toughe Campaign Managerin LeAnn.

Die eigentliche Stärke der vierten Staffel, in der an Crime-Elementen (nicht aber an Drama) zugunsten eines dichteren Storytellings gespart wird, liegt unterdessen in der Vielschichtigkeit der Beziehung der Underwoods, die sich auseinandergelebt haben und sich doch umso mehr brauchen – ganz wie in gewöhnlichen Ehen.

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