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Trennung von AfD-Reporter Lachmann: Welt-Chefredakteur Aust kündigt „lückenlosen Aufklärung“ an

Am Wochenende verkündete Stefan Aust in einem knappen Tweet die Trennung von AfD-Reporter Günther Lachmann. Jetzt erklärt der Welt-Chefredakteur in einer längeren Stellungnahme den Schritt und kündigt die lückenlose Aufklärung des Falls an. Dazu gehöre auch dessen „Berichterstattung über die AfD nachträglich kritisch zu hinterfragen“. Belege, dass Lachmann tatsächlich ein Honorar von der Petry-Partei gefordert hätte, gibt es bislang aber noch nicht.

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Die Stellungnahme von Aust ist der vorläufige Höhepunkt einer Affäre, die sich erst langsam entwickelt hatte. Bereits Ende Januar hatte der AfD-Europa-Abgeordnete, Marcus Pretzell, in einem Facebook-Posting behauptet, dass Günther Lachmann, der für die Alternative für Deutschland zuständige Politik-Redakteur bei Welt, angeboten hätte, für 4.000 Euro pro Monat die junge Partei zu beraten – neben seiner Tätigkeit als Journalist für die Tageszeitung.

Sofort bestritt Lachmann die Anschuldigung und legte eine Eidesstattliche Erklärung vor. Die Welt und der Springer-Verlag glaubten ihrem Redakteur und forderten von ihm, mit juristischer Unterstützung des Medienhauses gegen den Politiker und Lebensgefährten der AfD-Chefin Frauke Petry vorzugehen.

Dieser juristische Vorstoß endete jedoch im Desaster. Statt die geforderte Abmahnung zu unterzeichnen, legte Pretzell E-Mails vor, die seine Darstellung bestätigten und Lachmann stark belasteten. Tatsächlich hatte der Journalist Vorschläge für eine politische Strategie der Partei gemacht. Für den Welt-Chef war damit klar, dass eine Trennung unausweichlich ist: „Schon die E-Mails allein sind grobe Verstöße gegen fundamentale journalistische Grundsätze. Ein Journalist, der sich als PR-Berater einer Partei andient, hat seine Unabhängigkeit verloren, seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt – und damit seinen Job.“

Allerdings sagt Aust auch: „Für Honorarforderungen gab es keine schriftlichen Belege“. Heißt: Uneingeschränkt sind die Vorwürfe von Pretzell noch lange nicht belegt. Dem will die Welt aber nachgehen. Dazu kündigt Aust an:

Wir können aber nichts anderes tun als den Fall lückenlos aufzuklären und die Vorgänge so offenzulegen wie es arbeitsrechtlich irgend möglich ist. Dazu gehört auch, Herrn Lachmanns Berichterstattung über die AfD nachträglich kritisch zu hinterfragen. Ein Vorgang dieser Art wird weder geduldet noch vertuscht oder beschönigt.

Wie sich der Fall juristisch entwickelt ist damit noch lange nicht entschieden. Denn ganz einfach dürfte für die Welt eine Trennung von Lachmann nicht werden. In seiner Stellungnahme kündigte Aust schon einmal an: „Über weitere juristische Schritte wird der Verlag nach einer detaillierten Untersuchung der Vorgänge entscheiden.“

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