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Warum Donald Trump in einigen Ausgaben des stern die Vorwahlen in Iowa gewonnen hat

Christian Lindner und der US-Playboy (l.), ZDF-Chefredakteur Peter Frey und der stern aus einer Parallelwelt
Christian Lindner und der US-Playboy (l.), ZDF-Chefredakteur Peter Frey und der stern aus einer Parallelwelt

Den stern dieser Woche gibt es in zwei Versionen. In einer hat Donald Trump die US-Vorwahlen in Iowa gewonnen, in der anderen nicht. Der US-Playboy kommt mit der ersten Ausgabe auf den Markt, die auf komplett nackte Models verzichtet. Blendle will Geld für eine Pressemitteilung von ZDF-Chefredakteur Peter Frey und FDP-Chef Christian Lindner wird zum Viralstar. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Beim stern wurde es diese Woche hektisch, weil der Titel getauscht wurde. Donald Trumps Niederlage bei den Vorwahlen der Republikaner im US-Bundesstaat Iowa wurde nämlich in einer Teilauflage als Sieg ausgegeben. Man hatte schon Cover und Story über den Iowa-Sieger Trump vorproduziert. Sicherheitshalber wurde eine zweite Titelstory über die “Heilkraft der Natur” vorbereitet. Man habe dann, so erzählt es stern-Chefredakteur Christian Krug bei Spiegel Online, versehentlich das falsche Inhaltsverzeichnis an die Druckerei geschickt. In einer Teilauflage wurde auch das Cover mit einem hinter der Fassade des Weißen Hauses thronenden Donald Trump gedruckt. Nachdem es – entgegen den Wahlprognosen – für den Milliardär doch keine Mehrheit in Iowa gab, entschied sich die Chefredaktion zum Austausch des Titelmotivs. So kam es, dass die meisten stern-Leser und Kiosk-Käufer statt dem fiesen Trump eine nackte Dame auf dem Titel bestaunen durften. Blöd für den stern, dass einige Spiegel-Leute das Heft mit dem falschen Vorwahlsieger Trump in die Finger bekommen haben.

Stern_Donald_Trump

Nicht am Kiosk: der Trump-stern

Stern_Heilkraft

Am Kiosk: die nackte Kräuter-Frau

Herausgeber Andreas Petzold thematisierte das Malheur in seinem neuen Periscope-Format, in dem er die Zuschauer mittwochs hinter die Kulissen der stern-Produktion blicken lässt. Ihm schien zu schwanen, dass der Reflex, schnell eine Nackte vornedrauf zu packen, auch bekrittelt werden könnte und verwies im Video daraufhin, das der aktuelle stern auch noch ganz anderes biete. Nämlich das Interview mit einer sehr, sehr dicken Frau, die ein Buch geschrieben hat, zum Glück aber nicht nackt abgebildet war. Eine Dicke im Innenteil gleicht eine Nackte auf dem Cover in der stern-Arithmetik sozusagen aus. Leider ist das Persicope-Video von Andreas Petzold nicht mehr verfügbar. Die Dinger werden von der Twitter-Tochter nur 24 Stunden lang zur Verfügung gestellt. Aber nächste Woche gibt’s dann ja ein Neues.

Wer nackte Frauen auf Zeitschriften sehen will, der muss um die US-Ausgabe des Playboy einen Bogen machen. Der Godfather der Oben-Ohne-Presse verzichtet ab der März-Ausgabe, die nächste Woche erscheint, auf die Abbildung komplett nackter Frauen. Nix mehr Brüste und Mumu. Der deutsche Playboy hatte die Meldung des US-Vorbilds zum Anlass genommen zu verkünden, dass sich am Konzept des deutschen Playboy nichts ändern werde. Während also deutsche Playboy-Leser die nackerte, nach allen Regeln der Photoshop-Kunst zurechtberarbeitete Jenny Elvers angucken durften, präsentiert der US-Playboy Instagram-Beauty Sarah McDaniel auf dem Cover und im Innenteil als Playmate des Monats Dree Hemingway, die Ur-Enkelin von Ernest Hemingway. Jetzt schauen Sie sich mal die beiden Cover an, US-Playboy und deutscher Playboy. Welches Titelbild wirkt denn da moderner und sexier: die (knapp) bekleidete Snapchat-Erotik aus den USA oder das 90er Jahre Busenwunder aus Germanien?

Playboy

Playboy US in der No-Nudes-Version

Bildschirmfoto 2016-02-05 um 14.17.37

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Playboy Deutschland in der Oldschool-Variante

Ich mag den Online-Kiosk Blendle gerne. Der Service hat eine sympathische Kunden-Orientierung sowie eine tolle Nutzerführung. Und sie haben einen gut geschriebenen Newsletter, der wirklich neugierig macht und jeden Tag besondere Lesestücke empfiehlt. Diesen Freitag hat ZDF-Chefredakteur Peter Frey den Newsletter-Machern von Blendle die Suppe aber ein bisschen versalzen. “ZDF = Lügenpresse? Der Chefredakteur des Senders schreibt gegen die Vorwürfe an” heißt es aufmerksamkeitsstark im Betreff des Blendle-Letters. Im Letter selbst wird das Stück als “leidenschaftlicher Text über das Verständnis von Journalismus und kritischen Zuschauern” angepriesen. Es sei “klug und sachlich” geschrieben. Die 29 Cent, die Blendle für den Gastbeitrag aus der gedruckten Zeit aufruft, sind aber zum Fenster rausgeschmissen, denn ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat den kompletten Text schon tags zuvor per Pressemitteilung in die Welt hinausposaunt. Es ist schon manchmal tricky, wenn Paid-Content-Strategien mit dem Sendungsbewusstsein mancher Medienmacher kollidieren. Macht aber nix, bei Blendle gibt es ja eine Geld-zurück Garantie.

Ach ja, die “Lügenpresse” und die Glaubwürdigkeits-Debatte. Vielen Medien finden sich da in einem Boot mit Politikern. Wie man seine Glaubwürdigkeit in Zeiten der “Lügenpresse”-Rufer sehr gut unter Beweis stellen kann, ohne sich anzubiedern, das hat der FDP-Vorsitzende Christian Lindner gezeigt. Er hat im Landtag von Nordrhein Westfalen eine wirklich fulminante Rede über die AfD und die Hilflosigkeit mancher Regierungsvertreter im Umgang mit dieser gehalten. Das war emotional, auf den Punkt authentisch und bestechend argumentiert. Der Lohn waren zig tausend Views auf Facebook und YouTube und viele, viele zustimmende Kommentare und Medienberichte. Schon einmal ging ein solches Rede-Video von Lindner im Netz um, als er spontan auf einen Zwischenruf reagierte und über Gründer und Scheitern sprach. Das Beispiel Lindner mag zeigen, wie schmerzlich man gute Redner in der öffentlichen Debatte vermisst. Mehr gute, öffentliche Redner würden der Demokratie gut tun.

Und weil wir ja Karneval haben jetzt noch ein Rausschmeißer, der von den Machern lustig gemeint ist, seine sehr spezielle Komik aber eher unfreiwillig entfaltet. Hamburger Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Goldene-Kamera-Macher Jochen Beckmann scherzen sich im Sechs-Minuten-Video mal so richtig an. Stellen sie sich bitte nach jedem “Gag” einen eingespielten Sitcom Lacher vom Band vor, dann wird es viel lustiger.

Schönes Wochenende!

PS: Helena Fürst hat ihren Friseur aus dem Dschungel offenbar mit zum Wiener Opernball gebracht:

Viel los hier…?

Posted by Helena Fürst on Donnerstag, 4. Februar 2016

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Alle Kommentare

  1. “statt dem fiesen Trump”
    Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!

    “Ihm schien zu schwanen, dass der Reflex, schnell eine Nackte vornedrauf zu packen, auch bekrittelt werden könnte und verwies im Video daraufhin, das der aktuelle stern auch noch ganz anderes biete.”

    “Dass”, bitte!

    “Vielen Medien finden sich da in einem Boot mit Politikern.”- “Viele”

    Und weil wir ja Karneval haben,(!) jetzt noch ein Rausschmeißer, der von den Machern lustig gemeint ist, seine sehr spezielle Komik aber eher unfreiwillig entfaltet.

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