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Wie Ex-ZDF-Mann Wolfgang Herles der Lügenpresse-Fraktion nach dem Mund redet

Wolfgang Herles: In wirren Worten schimpft er über ARD und ZDF

Weiß Wolfgang Herles, der frühere ZDF-Kulturmoderator und heutige Schriftsteller, wovon er redet? Am Wochenende schlug eine Äußerung von Herles im „Medienquartett“ des Deutschlandfunks Wellen. Er sagte, es gebe im öffentlich-rechtlichen Rundfunk „Anweisungen von oben“. Lügenpresse galore! Schaut man aber, was der frühere „aspekte“-Moderator sonst so von sich gibt, muss man das nicht so ganz ernst nehmen. Schaden richtet Herles freilich trotzdem an.

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Das sagte Wolfgang Herles in der Sendung „Medienquartett“ im Deutschlandfunk (ab Minute 28.24):

Und es gibt tatsächlich – das muss ich an dieser Stelle doch nochmal sagen, weil es ja in der öffentlichen Diskussion ist – Anweisungen von oben. Auch im ZDF sagt der Chefredakteur: Freunde, wir müssen so berichten, dass es Europa und dem Gemeinwohl dient. Und da braucht er in Klammern gar nicht mehr dazusagen: Wie es der Frau Merkel gefällt. Solche Anweisungen gibt es und gab es auch zu meiner Zeit. Es gab eine schriftliche Anweisung, dass das ZDF der Herstellung der Einheit Deutschlands zu dienen habe. Und das ist was anderes, als zu berichten, was ist.

Herles Worte von der „Anweisung von oben“ und dass man in den Öffentlich-Rechtlichen „heute nichts Negatives über Flüchtlinge“ sagen dürfe machten schnell die Runde in Agenturen und sozialen Netzwerken. Passt ja auch in die Zeit. Gerade erst war die Aufregung um eine freie Mitarbeitern abgeebbt, die Ähnliches im niederländischen Rundfunk von sich gegeben hatte. Die Frau war kurz darauf mit Macht zurückgerudert aber da war die Zahnpasta Geschmacksrichtung Lügenpresse, schon aus der Tube.

Ähnlich verhält es sich mit dem Gequassel – sorry, aber so muss man das wohl nennen – von Wolfgang Herles. Stefan Niggemeier hat bereits aufgedröselt, worauf sich Herles’ Aussagen der „schriftlichen Anweisung“ beziehen. Auf den Rundfunkstaatsvertrag nämlich, der die öffentlichen Sender auf nichts Anderes verpflichtet als auf die Werte des Grundgesetzes. So weit, so normal. So wie Herles das sagte klingt es freilich, als würde Angela Merkel im Kanzleramt hocken und Berichtsanweisungen an leitende ZDF-Redakteure tippen.

Dass die Aussage von Wolfgang Herles blanker Unfug ist, belegt er übrigens selbst in einem aktuellen Interview mit Freitag-Verleger Jakob Augstein.

Auf Augsteins Frage „Aber glauben Sie denn, dass die Öffentlich-Rechtlichen Informationen unterdrücken, weil diese politisch nicht opportun sind?“ antwortet Herles: „Nein, das glaube ich nicht. Die fragen sich: Was wollen die Leute hören? Was kommt gut an?“ Als Augstein nachhakt, ob es denn nicht die ominösen „Anweisungen von oben gebe“ sagt Herles weiter:

Nein, das bestreite ich vehement, da ist nichts von oben befohlen. Fernsehen funktioniert als große Simplifizierungsmaschine. Komplexität wird nicht zugelassen aus Quotengründen.

Ja was denn nun, Herr Herles? Dazu muss man wissen, dass es in dem Augstein-Interview um Herles’ Buch „Die Gefallsüchtigen“ geht, eine selbst ernannte „Streitschrift“, in der Herles alles Übel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dem Quotendruck in die Schuhe schiebt. Die Simpel-Thesen des Buchs passen ganz gut in die Zeit, in der viele Leute mit dem Mediensystem nicht zufrieden sind. Der Amazon-Algorithmus informiert daher auch wenig überraschend, dass Leute, die die Herles’ Streitschrift kauften auch bei Hetz-Autor Udo Ulfkotte und weiterer Lügenpresse-Literatur zugriffen.

Man müsste das Geschwätz von Wolfgang Herles eigentlich nicht ernst nehmen, nur leider ist es in der aufgeheizten Stimmung gerade sehr schädlich. Da haben wir eine ehemalige Führungsfigur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der scheinbar die Vorurteile der Lügenpresse-Fraktion bestätigt. Die Art und Weise , wie Herles dies verdrehend formuliert, lässt auf einen tiefsitzenden Groll gegenüber seinem Ex-Arbeitgeber schließen.

Dass dies bei näherem Hinsehen Unfug ist (siehe Niggemeier) und Herles bei nächster Gelegenheit auch schon wieder das Gegenteil sagt (siehe Augstein), werden die interessierten Kreise vermutlich ausblenden.

Bei allem Verständnis dafür, dass er für sein Buch Werbung machen will: Ein bisschen mehr Verantwortungsbewusststein und Augenmaß im öffentlichen Diskurs hätte man sich von einem wie Wolfgang Herles gewünscht.

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