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Ein CDU-Politiker, seine missglückte Medienschelte zum schein-toten Flüchtling und die gepfefferte Antwort vom B.Z.-Chef

Be-lämmelt: CDU-Politiker Andreas Lämmel versucht es mal mit Medienschelte

Mittlerweile dürfte jeder mitbekommen haben, dass vor dem Berliner LaGeSo kein Flüchtling in der Kälte gestorben ist. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lämmel sieht nun seine paar Minuten Ruhm gekommen und veröffentlichte auf Facebook eine Medienkritik von bemerkenswerter Schlichtheit. B.Z.-Chefredakteur Peter Huth antwortete ihm mit einer gepfefferten Replik.

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Lämmel hält in dem Video die B.Z.-Ausgabe mit der (treffenden) Schlagzeile „Ein Drama um keinen Toten“ in die Kamera. Das Logo der Zeitung knickt er dabei umständlich ab, vermutlich um keine „Werbung“ für das Boulevardblatt zu machen. Für Lämmel ist die erfundene Geschichte vom erfrorenen Flüchtling nun aber kein Drama, sondern ein „handfester Skandal“. Und zwar – natürlich – ein Medienskandal. Denn, so Lämmel: „Hätte ein Reporter nur mal in zehn Berliner Krankenhäusern angerufen, um einen Toten zu finden, hätte sich schnell herausgestellt, dass es keinen Toten gibt.“

Die Wogen schlugen hoch als die Nachricht über einen toten Flüchtling am Berliner LaGeSo durch die Medien ging. Doch dann stellte sich heraus: Der Tote ist gar nicht tot.

Posted by Andreas Lämmel on Donnerstag, 28. Januar 2016

Hier bekommt Lämmel nun dringend benötigte Nachhilfe von B-Z-Chefredakteur Peter Huth. Der schreibt auf seiner Facebookseite:

Woher ihre Kenntnisse zur Arbeitsweise unserer Reporter stammen, ist mir unklar. Ich darf Sie daher aufklären: Es hat nicht nur ein Reporter die zehn Rettungsstellen (in Wahrheit sind es sogar fast 40, wie die Kollegin Katja Bauer von der „Stuttgarter Zeitung“ an anderer Stelle schrieb) angerufen. Es war sogar eine ganze Gruppe von Reportern, die auch nicht nur bei den Rettungsstellen, sondern bei Krankenhäusern angerufen, sich bei der Polizei und der Feuerwehr erkundigt hat und vor Ort am LaGeSo mit Menschen gesprochen hat. Und die dann, also nach ausgiebiger Recherche, schon sehr früh am Vormittag zu dem Ergebnis kam, dass es keinen Toten gibt. Und genau das wurde auf bz.de auch so geschildert – und nicht nur da. Mir ist überhaupt kein einziger Fall bekannt, in dem ein professionelles Medium den Vorfall nicht unter deutlichem Vorbehalt geschildert hätte.

In der Tat haben sich die Medien im vorliegenden Fall weitgehend korrekt verhalten. Es wurde mit gebotener Vorsicht berichtet, recherchiert und schließlich der wahre Sachverhalt zu Tage befördert. Die Aufregung, das Drama spielte sich in erster Linie bei Facebook ab.

Lieber Herr Andreas Lämmel,im eher unaufgeregten Tonfall ihrer voigtländischen Heimat wollten nun auch Sie, nach…

Posted by Peter Huth on Freitag, 29. Januar 2016

Lämmer: „Für mich steht fest: Bessere Recherche in den Medien, seriöse Berichterstattung. Alles andere trägt nur zu weiterer Aufregung bei.“

Dazu noch einmal Peter Huth:

Nun wollen Sie weitere Aufregung vermeiden, den Gefallen kann ich Ihnen leider nicht tun. Obwohl Sie das in Sachsen, vor allem Dresden, ja von gewissen Bevölkerungsteilen gerne und häufig benutzte Wort ‚Lügenpresse‘ nicht verwenden, blasen Sie lauthals in die Trompeten und Schalmeien derer, die das tun.

Recht hat er, der Huth!

(swi)

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