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Halten die Macher von Bento ihre Leser wirklich für dumm?

Was ist denn da wieder bei Twitter los, dem Lieblings-Laber-Medium der Journalisten-Kaste? Es wird geargwöhnt, dass das SpOn-Jugendportal Bento seine Leser für dumm verkauft und Jörg Kachelmann legt sich via Twitter mit der FR und dpa an. Und dann war noch die spammende New York Times und der neue Gruppen-Zwang der Medienhäuser – im MEEDIA-Wochenrückblick.

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Halten die Macher des jugendlichen Spiegel Online-Ableger Bento ihre Leser für dumm? Diese Meinung hat offenbar Mario Sixtus (“Der Elektrische Reporter”). Er fragt, natürlich via Twitter:

Der DJV Berlin-Brandenburg (DJVBB) springt Sixtus mit einer für einen Journalistenverband interessanten Einschätzung bei:

Der DJV hat sich bei Twitter sofort von der Äußerung seines Berlin-Brandenburger Sprösslings distanziert. Natürlich via Twitter.

Wir lernen: Der DJVBB ist nicht zu verwechseln mit dem DJV JVBB oder dem DJV Berlin. Jessas! Und was würden wir Journalisten bloß ohne Twitter machen? Wir könnten uns ja gar nicht mehr unterhalten.

“Die Medien” und Jörg Kachelmann unterhalten sich schon länger – wenn überhaupt – natürlich bevorzugt via Twitter. Seit dem Vergewaltigungsprozess gegen den Wetterexperten (der mit einem Freispruch endete) ist das Verhältnis Kachelmann/Medien nachhaltig zerrüttet. Diese Woche ging vor dem Frankfurter Oberlandesgericht der Zivilprozess weiter, in dem Kachelmann von seiner Ex-Geliebten, die ihn wegen angeblicher Vergewaltigung angezeigt hatte, Schadensersatz will. Der Frankfurter Rundschau brachte da was durcheinander und legte Kachelmann das Wort “Vergewaltigungskultur” in den Mund, was der aber nie benutzt hat. Kachelmann schaltete (natürlich via Twitter) seinen Medienanwalt ein. Tags zuvor griff schon die dpa daneben. In einem dpa-Text zu dem aktuellen Kachelmann-Prozess war von “Tat” und “Opfer” die Rede. Aber da Kachelmann freigesprochen wurde gab es, was den Vergewaltigungsvorwurf betrifft, im juristischen Sinne weder Tat noch Opfer. Auch die flapsige Formulierung vom “Wetterfrosch” wirkte in dem dpa-Text zu einem Prozess, in dem es um Vergewaltigungsvorwürfe geht, daneben. Die dpa hat’s eingesehen und Korrektur angekündigt. Und jetzt im Chor, wie bei eine Büttenrede: natürlich via Twitter!

Paid Content gilt immer wieder und immer noch als großes Hoffnungsdingsbums für den Journalismus. Ein weltweit leuchtendes Vorbild für Paid Content-Modelle und weltumspannenden Qualitätsjournalismus ist die New York Times. Warum aber hat es die Übermarke des globalen Medienzirkus nötig, mir fast täglich neue Bettelbriefe in den Mail-Postkasten zu schicken? ”You’re Being Treated to 8 Complimentary Weeks of The New York Times!”, heißt es da beispielsweise. Weil ich ein wertgeschätzter und loyaler Kunde sei, unterbreitet man mir alle naselang “exklusive”, “zeitlich limitierte”, “jetzt aber ganz schnell 50% Off”-Angebote doch bittebitte endlich die New York Times digital zu abonnieren. Das mit dem “loyal” müssen die Kollegen aus Übersee in den falschen Hals bekommen haben. Ich habe mich zwar mal mit meiner Mailadresse dort registriert aber noch nie ein Abo abgeschlossen. Das ständige Penetrieren und Marktschreien der Werbe-Botschaften mag aber so gar nicht zum gediegenen Image der Zeitung passen.

Wo wir gerade beim Thema Image von Medienmarken sind. Wann haben Sie eigentlich zuletzt mal was von der guten, alten WAZ gehört? Jaja, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die wurde früher doch ab und an mal zitiert, in der “Tagesschau” oder so. Stattdessen hört man heute immer wieder mal von der “Funke Mediengruppe”. Weil die Zeitungen der Funke-Gruppe ihre überregionale Berichterstattung in Berlin zentralisiert haben, ist an die Stelle der einzelnen Zeitungs-Markennamen in der öffentlichen Wahrnehmung das Konstrukt Funke Mediengruppe geworden. Es wird aber vermutlich niemand ans Büdchen treten und mit sonorer Stimme die neuste Ausgabe der “Funke Mediengruppe” verlangen. Ganz ähnlich sieht es übrigens mit dem fusionierten Zeitungs/Internet/TV-Ungetüm WeltN24-Gruppe aus. Als neulich Chefredakteur Stefan Aust bei “Anne Will” saß, wurde dort auch als Chefredakteur der “WeltN24-Gruppe” eingeführt.  Ob diese Verschwinden der Marke hinter einem Gruppen-Zwang eine so gute Idee ist, sei mal dahingestellt.

Schönes Wochenende!

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