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Apples Albtraum: Der iPhone 7-Boom droht auszufallen

Wird das iPhone 7 doch noch weiß?

Die Wall Street schlägt bei Apple Alarm – wieder einmal. Dass dem Techpionier wegen mutmaßlich nachlassender Nachfrage nach dem iPhone 6s ganz schwere Monate bevorstehen, ist keine Neuigkeit. Seit einem halben Jahr muss die angeschlagene Apple-Aktie dafür büßen. Doch mit dem neuen, großen Upgrade-Zyklus in Gestalt des iPhone 7 im Herbst sollte alles wieder besser werden. Die Investmentbank Raymond James glaubt daran nicht und schürt die Urangst aller Apple-Aktionäre: Das iPhone-Wachstum läuft aus – und kommt nie wieder zurück.

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Das Schicksalsjahr nimmt seinen Lauf. Apple-Aktionäre, über ein Jahrzehnt mit großen Kurszuwächsen verwöhnt, sind seit Monaten nur noch Kummer gewohnt – 2015 war schon schlecht, 2016 läuft noch schlechter.

Bei nur noch 96,30 Dollar beendete Apple gestern den Handelstag: schon wieder ein neues Jahrestief, schon wieder ein neues 52-Wochen-Tief, schon wieder ein neues 15-Monatstief.

Der iKonzern befindet sich weiter im robusten Rückwärtsgang – nur dass sich die Kursstürze zuletzt beschleunigten. Knapp 9 Prozent hat Apple seit dem 1.1. verloren, mehr als 15 Prozent in den letzten drei Monaten, mehr als 28 Prozent seit den Allzeithochs im vergangenen Jahr, die wiederum einem Wertverlust von astronomischen 235 Milliarden Dollar in der Marktkapitalisierung entsprechen.

Fanboys geben der Wall Street die Schuld

Nach wirklich jeder Lesart befindet sich Apple in einer tiefen Börsenkrise. Für viele Fanboys, gerade sich in den Medien, ist der tiefe, lang andauernde Apple-Absturz immer noch kaum zu fassen. Die neuen Realitäten werden inzwischen schlicht verweigert.

Was die Wall Street an Apple nicht versteht„, dreht Fortunes Techreporter-Veteran Philip Elmer-DeWitt, seit Jahren ein bekennender Fanboy, actio und reactio einfach um. Für John Gruber („Daring Fireball“), einen der meistzitierten Apple-Blogger, ist die Sache genauso einfach. „Was Apple so interessant macht, ist, dass es als Unternehmen so stark missverstanden wird“, schiebt Gruber der Wall Street ebenfalls die Schuld in die Schuhe.

Analysten preisen neue Realitäten ein

Die von Fanboys gern verleugnete Wahrheit ist jedoch eine andere: Das iPhone-Wachstum geht zu Ende – und damit möglicherweise auch Apples beste Zeit. Wir haben bei MEEDIA seit über einem Dreivierteljahr an dieser, dieser und noch vielen anderen Stellen auf die sich abzeichnende Zeitenwende frühzeitig hingewiesen.

Diese neue Realität versucht die Wall Street mit immer neuen Herabstufungen und immer kleineren Kurszielen einzupreisen. Doch inzwischen gewinnt die Skepsis eine neue Qualität. Bislang lautete der Wall Street-Konsens, dass sich die erwartete Schwächephase auf das wenig innovative iPhone 6s beschränkte, das lediglich eine bessere Kamera und die Spielerei des drucksensitiven Displays 3D Touch  aufwies und damit wenig Anreize zum Upgrade bot.

Wall Street beginnt, sich um das iPhone 7 zu sorgen

Ab Sommer sollte die Schwächephase beendet sein, wenn sich der Markt auf den nächsten großen Upgrade-Zyklus vorbereitet – das iPhone 7 würde es schon richten, so wie es das iPhone 6 gerichtet und Apple 2014 noch einmal ein glorreiches Comeback beschert hatte, das zwei Quartale in das Fiskaljahr 2015 reichte, ehe das Abebben des Trends erkennbar wurde.

Doch was ist eigentlich, wenn sich die Geschichte nicht wiederholt und die Erfolgsserie in diesen Tagen und Wochen mit dem iPhone 6s reißt – und sich nie wieder fortsetzt? Diese Perspektive stellte gestern die Investmentbank Raymond James auf, die den iPhone 6s-Abschwung frühzeitig identifiziert hat, in Aussicht.

Raymond James: Kein Hype um iPhone 7

Die Analysten Tavis C. McCourt und Mike Koban rechnen nicht nur damit, dass Apple erstmals im Fiskaljahr 2016 einen Rückgang der iPhone-Absätze beklagen muss (und zwar gleich um happige 24 Millionen oder 10 Prozent), sondern auch damit, dass das iPhone 7 nicht für den altbekannten Boom einer brandneuen Generation sorgt.

Bei näherer Betrachtung macht das vermeintlich Undenkbare Sinn: Anders als 2014, als Apple mit den großen Modellen iPhone 6 und 6 Plus, die jahrelang aufgestaute Phablet-Nachfrage befriedigen konnte, dürfte das iPhone 7 so groß ausfallen wie die beiden aktuellen Modelle.

Peak-iPhone: Es wird nicht mehr besser als 2015

Das Design mag sich verändern und Apple mit neuen Features (wasserdicht? kein Kopfhöreranschluss?) locken: Doch ob sich der Wow-Effekt des großen Sprungs vom iPhone 5s auf das iPhone 6 wiederholen lässt, erscheint sehr fraglich – nicht zuletzt, weil der globale Smartphonemarkt im zehnten Jahr nach dem iPhone-Launch seine Sättigung erreicht hat.

Die Folgerung der Raymond James-Analysten: Weder das iPhone 7 noch zwei Jahre später das iPhone 8 dürften die iPhone 6-Verkäufe überbieten. Das „Peak-iPhone-Szenario“ des Jahres 2015 hat damit einen weiteren gewichtigen Fürsprecher bekommen.

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