Partner von:
Anzeige

“Wir bekommen keine politischen Vorgaben!”: WDR-Freie wehren sich in offenem Brief

WDR-Intendant Tom Buhrow und der Brief der freien Mitarbeiter
WDR-Intendant Tom Buhrow und der Brief der freien Mitarbeiter

Ein - offenbar - verunglücktes Radio-Interview einer freien Mitarbeiterin in Holland hat gereicht, um den WDR ein gigantisches Image-Problem einzubrocken ("Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten"). Nachdem bereits der Sender und auch die Interviewte klar und deutlich zurück ruderten, legen jetzt die freien Mitarbeiter des Senders in einem offenen Brief nach.

Anzeige
Anzeige

In dem Brief, der auf der Ver.di-Seite des WDR-Dschungelbuches veröffentlicht wurde, heißt es, dass die freien Mitarbeiters des WDR sich ausdrücklich von der Behauptung distanzieren würden, es gäbe Vorgaben oder Anweisungen für eine politisch ausgerichtete Berichterstattung. “Niemand schreibt uns einen einseitigen oder parteipolitischen Inhalt vor”.

Die meisten Beiträge im Fernsehen und Hörfunk erstellen wir Freie. Und wir werden weder vom Rundfunkrat, noch von “Kommissionen”, Regierungsstellen oder von Redaktionen dazu angehalten, in unseren Berichten einer bestimmten Richtung zu folgen. Themen werden in den Redaktionen kontrovers diskutiert, so wie es sich für eine Demokratie und einen demokratisch kontrollierten Sender gehört. Dazu zählen auch Gestaltungsfragen wie Dreh, Schnitt usw…, denn die Erstellung eines Radio- oder Fernsehbeitrags ist immer auch Teamarbeit. Niemand gibt uns aber politische Inhalte vor.

Im Falle eines Falls würde man sich energisch wehren, wenn die Neutralität des öffentlich-rechtlichen Senders nicht mehr gewährleistet wäre.

Nach dem Absetzen der Rechtfertigung nimmt das Schreiben jedoch eine interessante Wendung. Denn weiter heißt es, dass man eigentlich ganz andere Probleme hätte, denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk leide viel mehr unter einem ganz anderen Druck: “dem Diktat des Sparzwangs!”.

Anzeige

Kämpferisch heißt es zum Ende des Briefes:

Die wahren Feinde der Pressefreiheit sind diejenigen, die Kritik an ihren Positionen nicht gelten lassen wollen und sich nur allzu sehr freuen würden, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgeschafft würde.

Auslöser für den Brief war das Radio-Interview mit dem niederländischen Radiosender L1. Während des Gespräches erklärte die Mitarbeiterin des Studio Aachen, dass die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angewiesen worden seien, sich in der Berichterstattung zur Flüchtlingspolitik an der Linie der Bundesregierung zu orientieren. Für die öffentlich-rechtlichen Medien gelte, Probleme “mit einer positiven Art anzugehen”.

Zimmermann selbst sagte in der Pressemitteilung der Rundfunkanstalt: “Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet. Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft. Mir ist das ungeheuer peinlich. Denn ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen”.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist verbraucht. Veröffentlichungen wie das (nun in Frage gestellte Interview), die Entscheidung in Stuttgart sowie hochpeinliche Ausrutscher wie der Aufruf zur Abstimmung über die Art der Berichterstattung über die Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln bestätigen das bereits getroffene Urteil nur noch. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Staat im Staate, eine demokratisch weder über Wahlen noch über den Markt legitimierte Partei. Er ist Ausdruck einer Medienkratur und Ausdruck der Einschränkung der freien Wahl der Informationsquellen.

  2. das Interview ,bzw. die Aussagen von Frau Zimmermann waren nicht unglücklich,sondern wahrhaftig.
    Sie war wahrscheinlich so naiv zu glauben,dass es nicht von den Niederlanden bis nach Deutschland reicht,da man ja in Deutschland diese Wahrheiten so nicht aussprechen kann,ohne Konsequenzen.
    Frau Zimmermann ist ja kein kleines Kind mehr..Ihr waren ihre Aussagen schon bewusst.
    Sie hat ja auch nicht nur einen verunglückten Satz rausgeholpert,sondern in der Talkshow eines Radiossenders auch die Zusammenhänge erläutert,warum die ÖR hier in Deutschland regierungstreu berichten(müssen?)
    Dass nun die freien Redakteure ihrem Brötchengeber beistehen,kann man sogar verstehen.
    “Wessen Brot ich ess–dessen Lied verkünd”

    Diese haben auch Angst um ihre Pfründe,ihre Existenz.
    Jetzt sind die wahren Feinde der Pressefreiheit die,die Kritik an ihre Kritik nicht gelten lassen wollen.

    Aha,geht es noch eine Nummer größer?Das der ÖR auch mit vielen Parteifunktionären in Kommissionen,Ausschüssen,ect. besetzt ist,weiß doch jeder.Diese muss man halt bedienen.
    Man denke an die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz,die auch Vorsitzende der Rundfunkkommission ist.
    Diese drohte dem SWR,nicht zur Elefantenrunde am 10.3.2015 zu kommen,also 2 Tage vor der LTW,wenn die AFD nicht ausgeladen wird.
    Was tat der SWR..natürlich die AFD ausladen mit der fadenscheinigen Begründung..Wir laden nur Parteien ein,die im Landtag sitzen.
    Aha und wie war es 2011??
    Fazit:Die ÖR berichten nachweislich einseitig und nicht wirklich unabhängig.Es werden Meinungen veröffentlicht ,damit den Bürgern suggeriert wird..Nur so isses–
    Klar wollen viele Menschen ihre Zwangsgebühren nicht mehr zahlen,da diese die Dienste der ÖR auch nicht in Anspruch nehmen.Manche haben überhaupt kein Fernsehen und müssen trotzdem diese Zwangsgebühren zahlen.Dies ist ein Eingriff in die Handlungsfreiheit eines jeden.
    Mein Vorschlag:Die ÖR sollten sich privatisieren.Wer denen noch treu bleiben will,zahlt ja sicherlich gerne freiwillig weiter.
    Das wird wohl eine Minderheit sein!
    Der Aktionismus des WDR und seine vorgeschobenen Freien Mitarbeiter zeigt eines deutlich::Hier wirkt der WDR richtig angeschlagen!
    Wirkt wie früher ein der DDR,wo man täglich berichtete,dass es nicht so ist,wie es der Klassenfeind behauptet.
    Nun sind wir ja alle eines besseren belehrt.
    Für die Freien MA des WDR habe ich sogar Verständnis..Es geht ja auch um Existenzfragen und da lässt man sich auch lieber mal vor einem Karren spannen,oder?

  3. Wie sehr die ÖR gesteuert sind,zeigte heute die Reaktion von Frau Klöckner,CDU und Spitzenkandidatin bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz am 12.3.2016.
    Sie sagte ihre Teilnahme zur Elefantenrunde mit folgender Begründung ab:

    “Mit unserer Teilnahme würden wir die skandalöse Einflußnahme der SPD und Grüne und die erzwungene falsche Reaktion des SWR nur noch belohnen.
    Dies sagt ja alles aus und bestätigt nur Frau Zimmermanns erste Aussage ,dass die ÖR regierungsnah agieren müssen.
    Wie schon erwähnt ist die bisherige Ministerpräsidentin von RP auch Leiterin der Rundfunkkommission aller Länder.
    Das die ÖR auf Druck von Frau Dreyer ihrem Befehl zur Ausgrenzung anderer politischer Parteien befolgte,sei nur am Rande erwähnt.
    Daher wird immer offensichtlicher,wie sehr die ÖR geseteurt sind.
    Da hilft auch kein GUTWILL-Schreiben mehr von den “Freien Journalisten” beim WDR.
    Diese sind ja auch in gewisser Weise abhängig von diesen Sendern und wollen keine Aufträge verlieren und neue bekommen.
    Daher finde ich deren öffentlichen Brief sogar noch verständlich..Es glaubt nur keiner,was in diesem Wisch steht!

  4. Wem wollen diese Mietschreiber denn noch was erzählen. Der Leser und Zuschauer konnte sich ihre “unabhängige” Russenhetze und ukrainische Nazipropaganda, ihre linientreue Deutung der Progrome von Odessa, oder des MH17 Abschusses mit anschließendem Dementie, peinlichen Entschuldigungen über ausversehen verwendete jahrealte Filme und Bilder aus anderen Konflikten antun.
    Die Hetze und die Methoden alle Regierungskritiker im Inland als Rechte, Nazis, Rechtspopulistische darzustellen und die Verschleierung von Fakten und Verzerrung der Wahrheit ( z.B. aus der Zeit: 320.000 der Flüchtlinge in Deutschland sind schulpflichtig!) Die Behauptung es seien alles Bürgerkriegsflüchtlinge, deren akademische Bildung durchschnittlich höher sei als der Bundesdurchschnitt!, Geschichten von Ärzten,Rechtsanwälten, Wissenschaftler, die mit ihren Söhnen dankbar in Deutschland leben und Ihre Frauen und Töchter in Afghanistan, Ägypten, Türkei oder Syrien “geparkt” haben. Eine Panorame-Redaktion um Reschke die noch eine Woche nach Silvester sich in der Behauptung versteift hat, dass es zu 3/4 Eigentumsdelikte waren, begangen von der örtlichen Drogenszene, es mitbFlpchtlingen nichts zutun hätte und wohl viele Anzeigen von Frauen von rechten Trittbrettfahrerinnen gefakt wären. Das AfD Debakel! Wofür sollen die Leute eigentlich Beiträge zahlen, wenn man sich von Politikern erpressen lässt, die mit Demokratie offensichtlich nichts anfangen können?
    Der Überschuss beim öffentlich rechtlichen Rundfunk liegt bei 1,8 Milliarden.
    Und dort jammert man, dass es nicht reicht? Wenn man die Gelder nicht so üppig an die Scheinfirmen der KollegInnen verschleudern würde sondern im Sinne der ständig behaupteten Demokratieabgabe verwenden würde, dann wäre dies schon mal ein Schritt. An wieviel Firmen im Rundfunkbereich sind ein Herr Klaus Kleber oder die Reschke beteiligt?

  5. Adam Hadamar, Leiter der Hauptabteilung Finanzen des Westdeutschen Rundfunk Köln – er ist vor Jahren verstorben – hat mir bei einem Besuch in seinem Büro im WDR vor vielen Jahren das “System WDR” so erklärt: Wer sich gut mit den Parteien in Düsseldorf stellt, kommt auch gut mit dem WDR zu recht.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia