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Gegen Sexismus und Gewalt an Frauen: Maria Furtwänglers wichtigste Rolle

Schauspielerin Maria Furtwängler fordert im aktuellen stern: Das Sexualstrafrecht muss endlich verschärft werden”
Schauspielerin Maria Furtwängler fordert im aktuellen stern: Das Sexualstrafrecht muss endlich verschärft werden"

Maria Furtwängler nutzt ihre vielen Rollen – Schauspielerin, Ärztin, Ehefrau, Promi –, um ihrem großen Anliegen Beachtung zu verschaffen: die Beendigung von Gewalt gegen Frauen. In dieser Woche trat sie beim DLD an der Seite ihres Mannes Hubert Burda auf, ist zudem auf Promotion-Tour für ihren neuen Kinofilm. Beate Wedekind begleitete sie und beschreibt eine Frau zwischen Glamour und Engagement.

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Von Beate Wedekind

Gestern Abend in Düsseldorf: Maria Furtwängler steht bei 5 Grad Minus im kleinen Schwarzen, rückenfrei und aus dünnem Stöffchen, auf der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf vor dem Atelier Filmkunstkino und lacht gut gelaunt in die Selfies ihrer Fans. „Natürlich friere ich“, gibt sie dem Reporter der Rheinischen Post Auskunft und strahlt. Klappern gehört zum Handwerk. Besonders, wenn es darum geht, für einen Film Werbung zu machen, der alles andere als leichte Kost ist.

Maria Furtwängler ist auf Deutschlandtour für ihren neuen Film. „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ (Regie: Isabell Stever) ist ein gesellschaftskritischer Psychothriller, die Furtwängler spielt die Hauptrolle, und es ist ihr erster Kinofilm überhaupt. Nach Düsseldorf stehen weitere Previews mit Publikum und Presse in Berlin, Hannover, Hamburg und München auf ihrem Kalender, bevor der Film am 28. Januar in den deutschen Kinos startet. Dies ist Furtwänglers zweiter Kinofilm; sie hatte 2008 bereits in Marcus Rosenmüllers “Räuber Kneißl” gespielt.

Am Abend zuvor in Saarbrücken: „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ eröffnet das 37. Max Ophüls Film Festival. Der Film (den ich bereits gesehen habe und für ausgesprochen gelungen halte, besonders wegen der Intensität, mit der Maria Furtwängler spielt) zeigt die Geschehnisse in einem Luxushotel in einem Krisengebiet im Nahen Osten. Die deutsche Entwicklungshelferin Dorothea (Maria Furtwängler) sammelt dort bei der lokalen Society und den internationalen Diplomaten Spenden für ein Flüchtlingsprojekt. Mit einem wesentlich jüngeren Araber beginnt die exzentrische Frau eine Affäre und verliert die Kontrolle über ihr Leben. Maria Furtwängler spielt diese Rolle so intensiv, so erotisch, dass das ihr so penetrant anhaftende Image der kühlen Blonden entscheidend ins Wanken geraten muss.

Maria Furtwängler erzählt – nicht gern; aber unangenehme Wahrheiten kehrt sie ungern unter den Tisch -, dass die Regisseurin sie fast zwei Jahre lang mit Mails und Briefen bombardiert hat, bevor sie die Herausforderung, diese Rolle zu spielen, akzeptierte. Sie sagt auch, dass die Dreharbeiten anstrengend bis zur Erschöpfung waren, so insistierend forderte die Regisseurin sie während der Dreharbeiten immer wieder heraus, ihre Grenzen auszuloten. Und das nicht nur in den erotischen Szenen mit dem jungen arabischen Lover (hervorragend gespielt von Mehmet Sözer), und den Alkohol- und Drogenexzessen, vor allem in dem unerbittlichen Kampf, den Daniela mit sich selbst ausficht, diese Leere, die von ihr Besitz ergriffen hat, dieses sich eingestehen müssen ihrer eigenen Unzulänglichkeit.

Der Film hat durch die Diskussion um die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle ungeplant große Brisanz erhalten.

Am Sonntag in München war Maria Furtwängler in anderer Mission unterwegs. Vordergründig als Ehefrau des Verlegers Hubert Burda, in Wirklichkeit aber als überzeugte Streiterin für eine bessere Zukunft, besonders für Frauen.

Die Co-Gründerin von DLDwomen sitzt neben ihrem Mann, dem Chairman der Digitalkonferenz DLD16 in der ersten Reihe und hört aufmerksam dem Internetpionier Jeff Rifkin zu, der über die dramatischen Veränderungen spricht, der sich die globalen Gesellschaften stellen müssen. Am Abend beim Chairman’s Dinner in der Münchner Residenz unterhält sie sich – wie ihre erwachsenen Kinder auch; Elisabeth, 24, die in Los Angeles Musik studiert, und Jacob, 26, Doktorand der Philosophie in Oxford – mit den Protagonisten der globalen digitalen Elite. Immer flicht sie in ihre Gespräche irgendwann und oft nicht zuletzt das Thema ein, das ihr besonders am Herzen liegt: Wie kann die weltweite Gewalt gegen Frauen, diese Menschen verachtende Ungleichheit und Ungerechtigkeit, beendet werden?

In kleinem persönlichen Rahmen engagiert sie sich intensiv und mit einigem Erfolg: Gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth hat Maria Furtwängler 2010 auf den Philippinen das Malisa Home gegründet, ein Wohnheim, in dem junge Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt und Zwangsprostitution geworden sind, nicht nur Schutz und Bestand finden, sondern auch eine Berufsausbildung machen, um aus dem Teufelskreis von Gewalt und Abhängigkeit befreien zu können. Als langjährige Präsidentin des Kuratoriums von German Doctors hat sie als Ärztin in Krisengebieten in Afrika und Asien vor Ort mit angepackt. Im Bündnis gegen Gewalt gegen Kinder und als Jurymitglied des Roland-Berger-Preises für Menschenwürde setzt sie sich für Problemlösungen ein. Auf Anregung von Melinda Gates, der Co-Gründerin der Bill und Melinda Gates-Stiftung, wurde sie 2014 Botschafterin für Kindergesundheit und Frauen der internationalen, von Bono gegründeten, Kampagnenorganisation ONE.

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Maria Furtwängler nutzt ihre Prominenz, ihr persönliches Netzwerk, und selbstverständlich auch die Medienpräsenz, die durch die Glamourauftritte auf den roten Teppichen von Festivals wie der Berlinale oder von Preisverleihungen wie Bambi und die Goldene Kamera entsteht, um das Thema Gewalt gegen Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung voranzubringen. Detailbesessen hat sie sich im Laufe der Zeit und ihrer Praxis im Umfeld der Organisationen, mit denen sie zusammen arbeitet, ein bemerkenswertes Fachwissen politischen und sozialen Zusammenhänge angeeignet. So bombardiert sie befreundete Expertinnen und Experten – gern auch schon Mal spät abends – mit Fragen und Recherchen nach Fakten und Zahlen, nach Erlebnissen und Erfahrungen. Kaum sitzt sie im Taxi, nimmt sie ihr iPhone zur Hand und diktiert eMails und Kurznachrichten in den Voicerecorder oder googelt rasch noch eine Information, die ihr gerade in einem Gedankengang fehlt.

Auch der aktuelle stern widmet Maria Furtwängler eine Cover-Story mit dem Titel “Heilige Maria”. Darin spricht die Schauspielerin nicht nur über Drogen, ihre Ehe und die “Verlogenheit der Politik”, sondern nimmt außerdem zu den Silvester-Übergriffen in Köln Stellung. “Das Sexualstrafrecht muss endlich verschärft werden”, fordert sie, “jede nicht einvernehmliche sexuelle Handlung muss strafbar sein.” Sie selber habe auch schon sexuelle Belästigungen erlebt – zum Beispiel als Schülerin auf dem Nachhauseweg: “Und jedes Mal war ich so geschockt und tief beschämt, dass ich mich nicht zur Wehr gesetzt habe.”

Neulich bei einer internationalen G7-Konferenz, zu der die Bundeskanzlerin 70 Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Entwicklungszusammenarbeit eingeladen hatte, gehörte Maria Furtwängler zu den fünf Teilnehmerinnen aus Deutschland, deren Expertise gefragt war. In der Arbeitsgruppe Gesundheit diskutierte sie u. a. mit Ellen Johnson, der Friedensnobelpreisträgerin und Präsidentin von Liberia, die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chan und Melinda Gates über die wichtigsten Gesundheitsthemen, Familienplanung, Selbstbestimmung von Frauen.

Maria Furtwänglers brachte vehement in die Diskussion sein, dass alle Maßnahmen nicht wirksam sein können, wenn Frauen nicht endlich ohne körperliche und seelische Gewalt leben dürfen, angstfrei und gleichberechtigt. Sie tat dies so eindringlich, dass in die Schlussresolution der Konferenz das Thema Beendigung von Gewalt gegen Frauen als besonders wichtig aufgenommen wurde – obwohl vorher in der Agenda nicht ein einziges Mal von Gewalt gegen Frauen die Rede gewesen war.

Bei einer anderen Frauenkonferenz – auch die wie die der Kanzlerin unter Ausschluss der Öffentlichkeit und entsprechend wenig von den Medien beachtet (warum eigentlich?) – sprach Maria Furtwängler neben Rula Ghani, der christlichen Ehefrau des muslimischen Präsidenten von Afghanistan, und dem Gastgeber Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, vor 250 Expertinnen und Experten für Entwicklungspolitik. Wieder gerieten ihr ihre Worte über Gewalt gegen Frauen so eindringlich, dass sie in der sich anschließenden Kaffeepause umringt war von Frauen aus Pakistan, aus Südafrika, aus den Vereinigten Staaten und aus Deutschland, die alle ihre Geschichten los werden wollten, ihre Erfahrungen mit Gewalt in ihrem Land oder gar an eigenem Leib und eigener Seele.

Fragt man Maria Furtwängler, woher ihr soziales Engagement besonders für Frauen kommt, dann verweist sie nicht ohne Stolz auf ihre Urgroßmutter, die sie als ihr persönliches Vorbild identifiziert hat. Katharina von Kardorff-Oheimb war nach dem Ersten Weltkrieg eine wegweisende Figur in der bürgerlichen Frauenbewegung. In ihrer Villa in Goslar gab sie politische Ausbildungskurse für die Emanzipation der Frau. Später gehörte sie als eine von 36 Frauen unter den insgesamt 466 Abgeordneten dem Reichstag der Weimarer Republik an.

Ihre liebste Rolle ist eine ganz andere, wie sie neulich in einem Beitrag im ARD-Kulturmagazin “Titel Thesen Temperamente” mit Glanz in den Augen verriet: die der Bergsteigerin, am liebsten ganz allein, manchmal mit ihren Hunden, neulich aber sogar mit dem ganzen Furtwängler-Clan. Sie hatten gemeinsam den Kilimandscharo erklommen, auf den Spuren ihres Großvaters Walther Furtwängler, nach dem der Furtwängler Gletscher benannt ist, weil der 1912 den höchsten Gipfel Afrikas mit Skiern bezwungen hatte. Auf dem Gipfel angekommen, strahlte Maria Furtwängler dick eingemummelt und überglücklich in die Kamera ihres Bruders. Es war kalt, so kalt wie an diesen Tagen in Deutschland.

Zurück zu „Das Wetter in geschlossenen Räumen“, in dem Maria Furtwängler sich so anders zeigt als die doch etwas spröde Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm, ihre Paraderolle als Schauspielerin, der sie einen Großteil ihrer Bekanntheit und Beliebtheit verdankt. Klappern gehört zum Handwerk: In diesen Tagen heißt das strahlend frierend auf dem Roten Teppich Selfies machen mit den Fans.

Über die Autorin: Beate Wedekind, 64, Journalistin und Entwicklungsexpertin, früher Chefredakteurin von Elle und Bunte, kennt Maria Furtwängler seit 30 Jahren und arbeitet mit ihr zum Thema Gewalt gegen Frauen. Sie gibt das Portal http://www.thenewafrica.info heraus und lebt in Berlin und Addis Ababa / Äthiopien.

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Alle Kommentare

  1. “Über die Autorin: Beate Wedekind, 64, Journalistin und Entwicklungsexpertin, früher Chefredakteurin von Elle und Bunte, kennt Maria Furtwängler seit 30 Jahren und arbeitet mit ihr zum Thema Gewalt gegen Frauen.”

    Das nennt man dann journalistische Distanz. Respekt.

    Ich kenne weder Frau Wedekind noch Frau Furtwängler – kenne allerdings Frank Wedekind und Wilhem Furtwängler – und mein Verdacht aus der Distanz heraus ist, daß kaum jemand mehr Vorurteile und Antipathie gegen Frauen hervorgerufen haben dürfte als die Furtwänglerin mit ihrer nervigen und stereotypen Kriminaldamendarstellung.

    Das ist schade, denn ich mag Frauen. Vor allem meine.

  2. Es handelt sich hier nicht um Maria Furtwänglers “ersten Kinofilm überhaupt”. Sie hat 2008 schon in Marcus Rosenmüllers “Räuber Kneißl” gespielt.

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