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Diagnose “Akuter Präsentismus”: Wer krank arbeitet, schadet dem Unternehmen

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"Schnief", "hust", "keuch": So klingt der Kranken-Kanon dieser Tage in deutschen Büros. Die Erkältungswelle hat das Land fest im Griff. Viele Arbeitnehmer kurieren sich dennoch nicht zu Hause aus, sondern arbeiten fleißig weiter. Eine fatale Fehlentscheidung - auch für den Arbeitgeber.

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Präsentismus, darunter versteht man die Anwesenheit von Arbeitnehmern trotz Krankheit. Aktuellen Studien zufolge “leiden” rund 40 Prozent der Arbeitnehmer unter Präsentismus. Doch eigentlich haben vor allem die Unternehmen darunter zu leiden. Mehr als unter krankheitsbedingten Fehltagen, von denen durchschnittlich fünf bis zehn pro Jahr auf einen Arbeitnehmer entfallen.

Denn kranke Arbeitnehmer stecken auch ihre Kollegen an. Gerade im Winter sind die Schleimhäute durch die trockene Heizungsluft gereizt und damit anfälliger für Infektionen. Viren können zudem über längere Zeiträume an Türgriffen, Kaffeemaschinen oder Wasserhähnen überleben. So stecken Arbeitnehmer auch dann noch Mitarbeiter an, wenn sie gefühlt längst wieder gesundet sind.

Den Studien zufolge gaben die Befragten an, nicht nur dann zur Arbeit erschienen zu sein, wenn sie sich richtig krank gefühlt haben, sondern auch entgegen der Anweisung des Arztes nicht das Bett, sondern den Schreibtisch gehütet zu haben. Dieses Verhalten im Krankheitsfall ist bei Frauen offenbar deutlich ausgeprägter als bei Männern und tritt zudem bei jüngeren Arbeitnehmern tendenziell häufiger als bei älteren auf.

Viele Gründe für Präsentismus
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Die Gründe dafür sind vielfältig: Beschäftigte, die etwa im Unternehmen Entlassungen erlebt haben, gaben deutlich häufiger an, sich bei gesundheitlichen Problemen nicht krankgemeldet zu haben. 62 Prozent der Befragten rechnen zudem mit beruflichen Nachteilen, wenn sie sich häufiger krankmelden. Bei Beschäftigten aus Betrieben, die schon kranke Mitarbeiter entlassen haben, ist diese Befürchtung weitaus verbreiteter (68,9 %) als bei Beschäftigten, die dies in ihrem Unternehmen nicht wahrgenommen haben (32,1 %). Als Hauptgrund gibt der Großteil der Befragte aber eine recht logische Folge ihrer krankheitsbedingten Fehltage an: Die Arbeit bleibt liegen.

Umfangreiche Studie zu den finanziellen Auswirkungen von Präsentismus gibt es bislang nicht. Doch Forscher der amerikanischen Stanford University gehen davon aus, dass die Beschäftigten durch Präsentismus und seine Folgen, wie den Anstieg der Fehleranfälligkeit, die sogenannte „innere Kündigung“, erhöhtes Unfallrisiko und Verschleppen von Krankheiten, die Beschäftigten während eines Fünftels ihrer Jahresarbeitszeit nur zu 75 Prozent produktiv sind.

Arbeitnehmer sind also gut beraten, im Krankheitsfall zu Hause zu bleiben. Arbeitgeber wiederum sind in der Pflicht, Mitarbeiter vor den Folgen des Präsentismus zu warnen und das Personal entsprechend aufzustocken, sodass Krankheitsfälle entsprechend kompensiert werden können.

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Alle Kommentare

  1. Das praktische Problem ist doch, dass krank/gesund nicht binär ist, sondern es gibt einen fließenden Übergang mit Zuständen wie Indisponiertheit zwischen den beiden Extremen. Die Grenze zu ziehen, ist eine tägliche Kompromissentscheidung, die jeder individuell trifft auf Basis des subjektiven Gefühls einerseits und der objektiven Rahmenbedingungen andererseits. Etliche Leute in meinem Umfeld sind das ganze Winterhalbjahr hindurch “dauerverschnieft”, aber nie wirklich subjektiv krank. Zu Hause bleiben? Ab welchem Punkt?

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