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Offener Brief an Bild-Chefin Koch: „Setzen Sie neue Akzente gegen den Sexismus in ihrer Zeitung“

Bild-Chefredakteurin Tanit Koch präsentiert ihr Blatt ab morgen in neuem Look

Neue Chefin, neuer Versuch: Bereits seit zwei Jahren kämpft die Initiative StopBildSexism gegen „täglichen Sexismus in der Bild-Zeitung“. Die Reaktionen von Kai Diekmann, fielen meist eher belustigt als empört aus. Jetzt ist mit Tanit Koch eine neue Chefin am Ruder und die Initiatoren versuchen es statt mit einer Online-Petition mit einem offenen Brief.

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Wie die taz schreibt, hatten die Initiatorinnen die Idee und den Entschluss zu dem Schreiben bereits vor dem Jahreswechsel getroffen.

Zu Beginn des Briefes gratulieren die über 20 Unterzeichner (u. a. Rita Süssmuth, Cem Özdemir oder auch Jasmin Tabatabai) Koch zu ihrer Beförderung. Dann kommen sie schnell zu ihrem eigentlichen Anliegen. Immerhin glauben sie, dass die Bild Möglichkeiten hätte, „um ein gesellschaftliches Klima der gegenseitigen Achtung und des gegenseitigen Respekts aufzubauen und zu fördern“. Weiter schreiben sie:

Diese Möglichkeit wurde bisher nicht genutzt. Im Gegenteil: BILD setzt tagtäglich darauf, bestimmte Personengruppen zu diskriminieren – allen voran Frauen. Die Degradierung von Frauen und Mädchen kennt dabei kaum Grenzen. Ob Politikerinnen, Künstlerinnen oder Sportlerinnen: Frauen wird – wenn denn über Sie berichtet wird – jegliche Expertise abgesprochen. Ungeachtet ihres persönlichen Handelns werden sie von BILD gezielt auf ihr Äußeres und ihre Sexualität reduziert.

Wir haben zwei Monate lang ganz genau nachgezählt: Durchschnittlich tauchen in einer Bildzeitung 155 Abbildungen von Personen auf. Nur ca. ein Drittel davon sind Frauen (34 Prozent Frauen, 66 Prozent Männer). Im Sportteil liegt der Männeranteil bei 83,6, in „Politik/Wirtschaft” bei 76,4 Prozent. Auf der anderen Seite sind 77,1 Prozent der nackten Personen und 83,5 Prozent der leichtbekleideten Personen weiblich. Die Mehrheit der abgebildeten Frauen ist im Unterhaltungsbereich zu finden, meist nackt, degradiert und sexualisiert.

Der Brief endet mit der Bitte an die neue Chefredakteurin, „neue Akzente gegen den allgegenwärtigen Sexismus“ in ihrer Zeitung zu setzen und „Frauen und Männer respektvoll und auf Augenhöhe darzustellen“. Zudem bitten die Unterzeichner – „aus gegebenen Anlass“- auf Bezeichnungen wie “Sex-Mob’ und ‘Sex-Gangster’ zu verzichten. Denn sexualisierte Gewalt habe nichts mit Sex, sondern ausschließlich mit Macht zu tun. „Derartige Begriffe verharmlosen die Gewalttaten und verhöhnen die Opfer“.

So richtig ernst nahm Kai Diekmann das Thema wohl nie

Auf MEEDIA-Anfrage erklärte der Verlag, dass man den Brief nicht kommentiere wolle. Die Initiative „Stopbildsexism“ ist nicht neu. Sie wurde 2014 von der damals 25-Jährigen Studentin Kristina Lunz ins Leben gerufen. Seitdem kämpft sie gegen die Berichterstattung der Boulevard-Zeitung. Bislang unterzeichneten über 37.000 Menschen eine entsprechende Online-Petition.

Vorbild für Lunz ist UK-Kampagne No more Page 3 für eine Abschaffung des „Seite 3-Mädchen“ in der Sun. Bislang fand die englische Initiative rund 207.000 Unterstützer.

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