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„Unwiderstehlich“: US-Märchen-Blatt National Enquirer ist auf dem Markt – und wird scheitern

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„Amerikas brisantestes Magazin – Jetzt auch in Deutschland“: Der kleine Button auf der Titelseite verspricht einiges. Seit dem heutigen Donnerstag liegt das berüchtigte US-Klatschblatt National Enquirer für einen Euro auch an den deutschen Büdchen. Bereits auf den ersten Blick schreit die Aufmachung: Ich bin grell, billig, laut und voller – manchmal arg abwegiger – Promi-Storys.

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Kurz vor Weihnachten überraschte die Ankündigung des US-Verlages American Media, Inc. (AMI) die Branche: Bereits im Januar kommt eine deutsche Version des berühmt-berüchtigten Boulevard-Blattes und “innerhalb von 6 Monaten” soll der Enquirer “das bestverkaufte Promimagazin in Deutschland sein”.

Titel-Story_Brad_Angelina

Angst müssen die Macher von Closer, InTouch & Co. aber keine haben. Das Magazin konzentriert sich ausschließlich auf Stories vom Heimat-Markt USA, die übersetzt werden. Teils sogar nicht ganz spaßfrei. Zu einem Foto von Paul McCartney, der mit einem leichten Bauchansatz zu sehen ist, fragt die Redaktion, ob dies das „viel besungene Walross“ sei.

Titelthema ist eine in der Tradition des Blattes an den Haaren herbeigezogene Scheidungsstory über Brad Pitt und Angelina Jolie: „Aus und Vorbei! Es geht um 480 Millionen Euro“. Dazu liefert die Redaktion Ausrisse von vermeintlich geheimen Gerichtsakten. Deren Echtheit hinterfragt ,man lieber nicht. Im Heftinneren heißt es in der Bildunterschrift nämlich: „So könnten Brads und Angies Scheidungspapiere aussehen, wenn die Trennung rechtskräftig wird“.

Promis

Neben dem Brangelina-Aufmacher bietet die erste Nummer ein „Weltexklusives Interview“ mit Charlie Sheen oder auch eine blutige Doppelseite zu der Theorie, dass Nirvana-Frontmann Kurt Cobain ermordet wurde.

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Thematisch setzt das auf billigem Papier gedruckte Magazin auf den Mix aus Stars, Crime, Royals und einer Prise Bikini-Häme. So zeigt eine Doppelseite ausschließlich Stars, die besser keine kurze Bademode tragen würden, es aber trotzdem tun. Selbst für abgebrühte InTouch-Leser ist diese Doppelseite happig. In Sachen Royals geht es um William und Kate und bei den Crime-Storys spielt Bill Cosby die Hauptrolle. Natürlich darf auch ein Elvis-Artikel nicht fehlen. Nicht, was Sie jetzt denken. Der King lebt nicht, er wurde diesmal angeblich ermordet.

Cosby

Vollmundig erklären die Amerikaner im Editorial: „Bereits seit 90 Jahren bietet der Enquirer eine unwiderstehliche Mischung aus topaktuellen News, brisanten Skandalen, unvergessen Storys und sorgfältig recherchierten Enthüllungen. Jede Woche lesen mehr als 6 Millionen Amerikaner unsere Zeitschrift“. Dass große Teile der Inhalte frei erfunden sind, hat man wohl vergessen zu erwähnen.

Die US-Version ist übrigens längst nicht mehr so erfolgreich wie einst. Von 6,7 Mio. verkauften Exemplaren Mitte der 1970er-Jahre sind inzwischen nichtmal mehr 400.000 geblieben, allein in den vergangenen fünf Jahren verlor das Magazin die Hälfte der Käufer. Zudem hat der Enquirer als Marke ein Problem im Netz. Die US-Website (die in Deutschland nicht auf normalem Wege erreichbar ist, sondern auf die ebenfalls zu AMI gehörende Website Radar Online umgeleitet wird) erreicht laut SimilarWeb weltweit nur ein Viertel des Traffics von Bunte.de, auf Facebook hat der Enquirer gerade mal 33.710 Fans.

Aber dafür wird, so die Macher, das Magazin Mitte 2016 ja nun „das bestverkaufte Promimagazin in Deutschland“ sein. Doch, doch. Ganz bestimmt. In der neuen deutschen Ausgabe gibt es genau eine Werbeseite. Sie ist für okmagazine.com. Ansonsten machen die US-Amerikaner aus der Werbe-Not eine Tugend und verkünden im ersten Editorial: „Wir bieten Ihnen Mehr als jedes andere Magazin und scheuen dabei weder Kosten noch Mühe! Alle Ausgaben stecken voller News – ganz ohne lästige Werbung!“

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