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„Mindestens geschmacklos“: Chefredakteur Aust rügt Blog-Post von Welt-Autor Henryk M. Broder

Der Publizist Henryk M. Broder

Der Publizist und Welt-Autor Henryk M. Broder hat in seinem Blog eine Kritik an einem Tagesspiegel-Artikel veröffentlicht, die für Empörung sorgt. In seinem Kommentar merkte er an, dass die Autorinnen nach Rakka eingeladen und mit der IS-„Rape-Culture“ vertraut gemacht werden sollten. Gegenüber Süddeutsche.de bezeichnete Welt-Chefredakteur Stefan Aust die Aussage als „mindestens geschmacklos“.

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Die Journalistinnen des Tagesspiegel hatten über die Silvesternacht in Köln sowie über die „Rape Culture“ geschrieben und die (gewagte) These aufgestellt, dass unter den Opfern „womöglich auch Frauen dabei sind“, die gar nicht belästigt worden seien, sondern nur Anzeige erstattet hatten, um die Abschiebung von Flüchtlingen herbeizuführen. Wörtlich heißt es in dem Text:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Broder kritisierte das Stück am Dienstag in seinem Blog „Die Achse des Guten“ und erklärte, dass es auch Frauen gäbe, „die mit dem Schwanz denken“. Darüber hinaus schrieb Broder: „Und den beiden Frauen vom Tagesspiegel wünsche ich, dass sie vom IS nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet.“

Die Provokation sorgte selbstredend für Empörung und auch für Reaktionen aus dem Hause Springer, für dessen Welt Broder schreibt. So twitterte unter anderem Bild-am-Sonntag-Journalistin Miriam Hollstein:

Gegenüber Süddeutsche.de äußerte sich Welt-Chefredakteur Stefan Aust, der sich von der Aussage Broders distanzierte: „So aus dem Zusammenhang gerissen wirkt die inhaltliche Aussage Broders in der Tat mindestens geschmacklos.“ Aber Aust erklärte auch: „Im Gesamtzusammenhang betrachtet ist dies Teil eines bitteren Kommentars über die menschenverachtende Verharmlosung der Kölner Ereignisse. Als Chefredakteur der Welt bin ich aber nur zuständig, für das was Henryk Broder bei uns veröffentlicht.“

Erst kürzlich trennte sich die Welt von ihrem Autor Matthias Matussek, nachdem Gespräche zwischen Matussek und der Welt-Chefredaktion wegen eines Facebook-Postings eskaliert waren.

Noch vor dem Erscheinen des Artikels bei Süddeutsche.de reagierte Broder mit einem weitere Blog-Posting. Möglicherweise wurde er von der Welt über die Anfrage des SZ-Journalisten informiert, denn er veröffentlichte die Anfrage des Reporters an die Welt-Chefredaktion in voller Länge.

In dem Eintrag heißt es weiter, der Süddeutsche-Journalist, habe „eine Rechnung“ mit Broder offen, weil er dem SZ-Mann vor einigen Jahren eine Falschbehauptung nachgewiesen hatte.  Das würde SZ-Journalist Schmitz, „der kleine Denunziant“, so Broder, ihm noch immer übel nehmen.

Update, 14. Januar 2015:

Auf Anfrage von MEEDIA, weshalb die von Broder kritisierte These ohne Belege veröffentlicht worden sei , äußerte sich am Donnerstag die Chefredaktion des Tagesspiegel wie folgt: „Die Auseinandersetzung nimmt jetzt einen höchst unglücklichen Verlauf, den wir nicht noch durch zusätzliche Äußerungen befeuern wollen.“

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