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„Pauschale Diffamierung von Toleranz und Hilfsbereitschaft“: Gutmensch Unwort des Jahres

Sprachwissenschaftler haben "Gutmensch" zum Unwort des Jahres ernannt

Die Jury hat entschieden – und den Begriff „Gutmensch“ zum Unwort des Jahres gewählt. Als sogenannte Gutmenschen wurden 2015 diejenigen Menschen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen. Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindere einen „demokratischen Austausch von Sachargumenten“, so die Begründung.

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Einmal im Jahr vergibt eine Jury aus Sprachwissenschaftlern den Titel des Unworts des Jahres. Die Aktion soll für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

„Mit dem Vorwurf ‚Gutmensch‘, ‚Gutbürger‘ oder ‚Gutmenschentum‘ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert“, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Initiative am Dienstag veröffentlichte. Der Ausdruck „Gutmensch“ floriere dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern wird auch von Journalisten in Leitmedien als Pauschalkritik an einem „Konformismus des Guten“ benutzt. Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindere somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.

Bereits im Jahr 2011 wurde der Begriff schon einmal von der Jury als ein zweites Unwort gewählt, doch es sei im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema im letzten Jahr besonders prominent geworden. Im gleichen Zusammenhang seien auch die ebenfalls eingesandten Wörter „Gesinnungsterror“ und „Empörungs-Industrie“ zu kritisieren, so die Sprachwissenschaftler.

Auf dem zweiten und dritten Platz sind „Hausaufgaben“ (im Zusammenhang mit Griechenland) und „Verschwulung“ (basierend auf dem Buchtitel des Autors Akif Pirinçci ‚Die große Verschwulung‘) gelandet.

Für das Jahr 2015 wurden 669 verschiedene Wörter als Vorschläge zum Unwort des Jahres eingeschickt, von denen ca. 80 auch den Unwort-Kriterien der Jury entsprechen. Die Jury erhielt insgesamt 1644 Einsendungen.

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