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“Schulz & Böhmermann”-Premiere: Chaos, Provokation und große Unterhaltung

Jörg Kachelmann, Gert Postel, Anika Decker und Kollegah waren die Gäste der ersten “Schulz & Böhmermann”-Sendung. Ab März geht die Show in die nächste Staffel
Jörg Kachelmann, Gert Postel, Anika Decker und Kollegah waren die Gäste der ersten "Schulz & Böhmermann"-Sendung. Ab März geht die Show in die nächste Staffel

Die Hardcore-Fans zählen die Stunden bis Sonntagabend herunter: Bei ZDFneo startet "Schulz & Böhmermann". Das Konzept ist dasselbe wie bei "Roche & Böhmermann", nur dass nun Olli Schulz auf dem ehemaligen Platz von Charlotte Roche sitzt. Dieser bringt jedoch eine völlig neue Note in das Format und sorgt in der ersten Folge für (noch) mehr Chaos, Provokationen, aber auch große Unterhaltungsmomente.

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„Wir versuchen hier so etwas wie ein echtes Gespräch“, erklärt Jan Böhmermann zu Beginn der (neuen) ZDFneo Talkshow „Schulz & Böhmermann“. “Das kann funktionieren. Das kann aber auch nicht funktionieren.” Und damit ist das gesamte Konzept der Sendung auch schon erklärt. Olli Schulz und Jan Böhmermann haben vier Gäste: Jörg Kachelmann, Rapper Kollegah, Drehbuchautorin Anika Decker (u.a. „Keinohrhasen“, „Rubbeldiekatz“) und Gert Postel, der sich fälschlicherweise zwei Jahre lang für einen Psychiater ausgab und deswegen zu vier Jahren Haft verurteilt wurde. Sie sitzen an einem runden Tisch, trinken Whiskey, rauchen, streiten sich – und konterkarieren damit die immer gleichen Talkshows im deutschen Fernsehen: in denen die Gäste viel zu lang und viel zu langweilig über sich selbst und ihre aktuellen Projekte sprechen.

Nur minimale Änderungen am Konzept

So weit, so bekannt. Das Konzept von „Roche & Böhmermann“ wurde nahezu eins zu eins weitergeführt. 2012 zeigte ZDFkultur die von der damaligen Studenten-Firma Bild- und Tonfabrik produzierte Sendung und sorgte für einen Überraschungshit. Wegen Verstimmungen zwischen Charlotte Roche auf der einen und dem Produktionsteam – inklusive Jan Böhmermann – auf der anderen Seite wurde die Show jedoch eingestellt, Böhmermann arbeitet seitdem für ZDFneo mit der stetig wachsenden Bild- und Tonfabrik weiter.

Jetzt kommt also „Schulz & Böhmermann“. Vier Folgen wurden bereits abgedreht, die erste sendet ZDFneo am kommenden Sonntag um 22.45 Uhr. Was neu ist: Anstatt William Cohn stellt Autorin Sybille Berg spitzzüngig die Gäste vor; es gibt dazu auch keine Einspieler mehr. Auch der Zensur-Button aus der Mitte ist verschwunden. Dafür hat jeder Gast zwei Spielkarten zur Verfügung: eine Plus- und eine Minus-Karte. Wer die Sendezeit um eine Minute verkürzen will, zeigt den anderen das Minus-Zeichen, wer mehr Redezeit braucht, hebt die Plus-Karte.

Doch die wichtigste Neuerung ist – natürlich – Olli Schulz, der viel mehr tut, als nur Charlotte Roches Platz am Tisch einzunehmen Er verändert den Tonfall der Sendung maßgeblich. War Charlotte oftmals zu spöttisch-distanziert, verkörpert Olli hier das genaue Gegenteil: Er ist emotional, freut sich über Kollegah-Punchlines wie ein kleines Kind, streitet sich mit Gert Postel und kann weder Sympathien noch Antipathien verbergen. Das mag ihn als objektiven Moderatoren disqualifizieren (was allerdings auch gar nicht der Anspruch des Formats ist), schafft aber einen umso größeren Unterhaltungswert. Mit seinem Kollegen Jan Böhmermann harmoniert er dabei perfekt. So weist Böhmermann Olli Schulz ab und an – zum Glück – in seine Grenzen, wenn er Gefahr läuft, in die für ihn so charakteristischen Monologe zu verfallen. Dadurch ist die Sendung – zumindest ihre erste Folge – runder als ihr Vorgänger, harmonischer und gleichzeitig aufregender.

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Nervtötend, frisch, überraschend

Ansonsten bleibt vieles beim Alten. Es wird durcheinander geredet, provoziert und die Gäste fühlen sich angegriffen. Zwischenzeitlich geht es zu wie im Kindergarten: „Ich finde das zum Gähnen.“ – „Ja, ich aber nicht.“ – “Ja, aber ich.” Und das Publikum kreischt vor Lachen. Bereits in den ersten Minuten machen Jan Böhmermann und Olli Schulz klar, wie der Hase läuft:
Böhmermann fragt Gert Postel: „Sie sind ein verurteilter Hochstapler. Isso, oder?”
Postel: „Naja, ich…“
Böhmermann: „Ja, ist doch so. Sie haben sich als Arzt ausgegeben.“
Postel: „Das ist ein komplexes Geschehen. Das zu reduzieren…”
Böhmermann: „Aber die Leute (zeigt aufs Publikum) sind einfach. Komplexe Geschehen muss man einfach darstellen.”
Olli Schulz mischt sich ein: „Sie würden sich selber nicht als Hochstapler bezeichnen?!“
Postel ruft verzweifelt: „Doch!“ Aber es ist zu spät, Schulz schwenkt zu Kollegah und fragt ihn, ob man als Rapper nicht immer auch ein Hochstapler sei.

“Schulz & Böhmermann” ist oft anstrengend und ab und zu auch unbefriedigend, wenn es durch das viele Durcheinanderreden an Tiefe mangelt. Das sorgt für große Unterhaltung gleichermaßen wie für nervtötende Momente – und bleibt deshalb mindestens so überraschend und frisch wie “Roche & Böhmermann”.

“Gute erste Sendung”, zieht Jan Böhmermann zum Schluss als Fazit. Da hat er recht.

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