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Kloeppel und Schrowange ziehen nach Australien: RTL startet RTL International für Deutsche im Ausland

So warb RTL für seinen Auslandssender

RTL Deutschland startet am 18. Januar den neuen Sender RTL International in verschiedenen Ländern mit einer Auswahl des RTL-Programms, u.a. „RTL aktuell“ und „Alarm für Cobra 11“. Zielgruppe sind Touristen, deutsche Auswanderer und Menschen, die Deutsch lernen wollen. Welche Strategie verfolgt RTL? MEEDIA sprach mit Stefan Sporn, Projektleiter RTL International.

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Von Thomas Weiß 

Es ist eine überschaubare Marktlücke, trotzdem will RTL sie nicht vernachlässigen. Ein neuer Sender, RTL International, soll jetzt drei neue Zielgruppen erreichen: Deutsche, die im Ausland leben, Urlauber – und Menschen, die Deutsch lernen wollen, auch wenn es das Deutsch aus „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ ist.

Dazu Stefan Sporn, Projektleiter des Senders: „Nach unseren Recherchen gibt es neun bis zehn Millionen Auslandsdeutsche, die mit Ausnahme in Nord-Amerika und der Deutschen Welle keinen Zugang zu deutschsprachigem Fernsehen haben, das linear ausgestrahlt wird. Das unterscheidet uns Deutsche von vielen anderen Gruppen, etwa Englisch-, Spanisch- oder Französisch-Sprachigen.“

Start des neuen Senders ist der 18. Januar 2016. Am Steuer steht Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung bei RTL. Inhaltlich stellt Klaus Holtmann den Kanal zusammen, der Leiter der digitalen Spartenkanäle RTL Crime, RTL Living und RTL Passion und auch verantwortlich für den Sender GEO Television.

Diverse Formate des Senders werden in HD gezeigt. Die Nachrichten sind live zu sehen, so Sporn: „Das Programm von RTL International soll aktuell sein. Deshalb werden alle News-Sendungen auch live, also zeitgleich zur Ausstrahlung in Deutschland gezeigt.“

Dazu deutsche Serien wie das noch laufende „Alarm für Cobra 11“ und das bereits eingestellte „Doctor’s Diary“. Sporn weiter: „Soaps wie ‚Gute Zeiten, schlechte Zeiten‘ werden zu einem Zeitpunkt in der jeweiligen Zeitzone ausgestrahlt, der logisch ist, aber mindestens innerhalb von 24 Stunden nach der Erstausstrahlung in Deutschland liegt. Wir wollen, dass die Menschen, die RTL International im Ausland sehen, mit ihren Verwandten und Bekannten zuhause mitreden können.“

Vor allem RTL-Sendungen werden genutzt, in Ausnahmefällen aber auch andere Formate von Sendern der Gruppe. Sporn: „Im Programm findet sich in weiten Teilen die klassische Programmierung von RTL, wie wir sie kennen. Jeder, der um 20 Uhr im Ausland vor dem TV sitzt, wird ein aktuelles RTL-Format sehen können. Das Programm von RTL International wird lediglich durch wenige Formate von u.a. VOX ergänzt, wie beispielsweise ‚Goodbye Deutschland‘. Das Erfolgsformat passt thematisch einfach sehr gut zur Zielgruppe von RTL International.“

Grob gesagt sind alle Sendungen nicht dabei, die eine aufwändigere externe Lizenzierung nötig machen würden. So wird es keine Formel-1-Live-Bilder geben und auch „Deutschland sucht den Superstar“ wird nicht übertragen, da RTL hier die Lizenz vom britischen ITV übernahm, wo die Vorbild-Sendung unter „Pop Idol“ lief.

Die Lokalfenster von RTL (RTL Nord, West etc.), sonst zeitgleich in den deutschen Regionen ausgestrahlt, werden bei RTL International hintereinander gezeigt

RTL International wird im Pay-TV in einigen Ländern gezeigt, über Kabel, Satellit und IP-TV. Die Regionen: Bislang sind Kanada, das südliche Afrika, Australien, Israel und Georgien dabei. Alle werden mit dem gleichen Stoff beliefert, so Sporn: „Es gibt weltweit EIN Sendesignal für RTL International. Das Problem der unterschiedlichen Zeitzonen wird durch angepasste Programmplanung gelöst. Wir haben dazu drei Prime-Time-Zonen bestimmt: Ostküste Australien, unsere Zeitzone für Europa und das südliche Afrika und die Ostküste Nordamerikas.“

Die Auswahl an Ländern wirkt auf den ersten Blick teilweise exotisch. In Kanada wird er ins Pay-TV-Angebot des Sat-Betreibers Bell aufgenommen. In Australien läuft der Sender über die IP-TV-Box des Anbieters Flip TV. In Südafrika zeigt etwa Deukom RTL International. Stefan Sporn ist sich aber sicher, richtig zu liegen: „Bei der Auswahl der Territorien war für uns wichtig: Wo finden wir die meisten Deutschen? Dazu sollte die technische Infrastruktur passen. Dies ist in weiten Teilen der Welt noch nicht gegeben. In Australien leben gut eine Million Deutsch sprechende Menschen, vor allem in den großen Städten. Unsere Recherchen zeigen: Das könnte ein relevanter Markt für RTL International sein. Im Februar kommen die USA dazu, dort wird RTL International vom Kabelnetzbetreiber Charter Communications aufgenommen. Spätestens im 2. Quartal sollen noch zwei weiteren USA-Partner folgen. Brasilien wird voraussichtlich noch im 1. Quartal 2016 dazu stoßen.“

Die technische und organisatorische Herausforderung, mit diversen Kabel- Satelliten- und IP-TV-Betreiber in exotischen Ländern verhandeln zu müssen, könnte sich aber bald relativieren – dank der Verbreitung von IP-TV-Boxen und Smart-TVs, auf denen der Zuschauer neue Apps laden kann. Sporn: „Voraussichtlich ab März launchen wir eine international über den Apple AppStore und über GooglePlay verfügbare App. Diese wird in vielen Ländern der Welt verfügbar sein. Die Absicht hiermit ist, den Sender auch in Regionen zeigen zu können, die kurz- und mittelfristig nicht mit dem klassischen Plattform-Geschäft erreichbar sind. Dazu gehören u.a. viele Länder des Asia-Pazifik-Raumes. Dazu wird die Homepage von RTL International dann eine neue Oberfläche bekommen. Hier können sich Abonnenten weltweit einloggen und den Live-Stream sehen.“

Konkurrent ProSiebenSat.1 hat bereits vor Jahren den Sender „ProSiebenSat.1 Welt“ gestartet, ihn aber zuletzt auf die Verbreitung in Kanada und USA heruntergefahren.

Große Nutzerzahlen kann RTL also nicht erwarten. Das ist aber wohl auch nicht das Ziel. Schließlich laufen alle ausländischen Angebote im jeweiligen Pay-TV. RTL bekommt je nach Nutzung des Angebots oder Verhandlungsergebnis einen Anteil an den Pay-TV-Gebühren des Anbieters. Bei Abos über App oder Website wird direkt abgerechnet. Das kann sich – in kleinem Maße – rechnen, da keine Eigenproduktion erforderlich und Zusatz-Lizenzen nur eingeschränkt abgeklärt werden müssen. An sich bewegen sich die Sender der RTL Group (RTL, VOX, SUPER RTL etc.) sowieso auf den Bereich Pay-TV zu, die HD-Nutzung der Sendergruppe kostet Nutzern über den Dienst HD+ schon 60 Euro im Jahr. Spartensender wie RTL Crime, RTL Passion etc. sind in Pay-TV-Paketen von Sky u.a. enthalten.

Bleibt der Wermutstropfen, dass „Deutschland sucht den Superstar“ nicht im Programm von RTL International zu sehen sein wird. Dabei hätten doch gerade die Menschen die Deutsch lernen wollen, sich von Dieter Bohlens Feinheiten der Sprache inspirieren lassen können, etwa wenn er neue Sänger kritisiert mit Sprüchen wie: „Das ist kein Auftritt, das ist ein Arschtritt!“

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