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„Versagen“, „Schweigekartell“, „Nachrichtensperre“: CSU attackiert ZDF wegen Köln-Berichterstattung

Die CSU ist gleich doppelt sauer auf das ZDF wegen der Versäumnisse der Mainzer in der Berichterstattung über die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln. Zum einen ärgert die Bayern die langsame Reaktion von „heute“, weshalb nun der Fernsehrat eingeschaltet werden soll, und zum anderen ein hilfloses Social-Media-Posting von „heute+“. Dort fragte die Redaktion die Crowd, wie man über das Thema berichten sollte.

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In der Twitter-Version des Postings hieß es: „Was denkt ihr: Wie sollte @heuteplus über die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln berichten? (ms)“.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk nahm der CSU-Generalsekretär, Andreas Scheuer, genau diesen Tweet als Vorlage, um massiv den Sender und sein Vorgehen zu kritisieren:

Das Zweite Deutsche Fernsehen lässt in den sozialen Medien darüber abstimmen, wie in Köln berichtet werden soll. Also das finde ich schon eine bemerkenswerte Darstellung von medialer Seite. Da müssen wir aufpassen, dass wir die gesellschaftliche Spaltung durch solche falsch verstandene Vorsicht in der Berichterstattung nicht aufs Spiel setzen.

Weiter argumentiert Scheuer, dass die Menschen, die sich um die Entwicklung der Gesellschaft sorgen, genau registrieren würden, „dass es eine veröffentlichte Meinung teilweise gibt, die nicht die Realität widerspiegelt, weil man meint, man muss hier eine falsch verstandene Vorsicht an den Tag legen.“

Damit meint er wohl: Das ZDF leistet mit seiner Arbeit dem Lügenpressenvorwurf Vorschub.

Gegenüber der Bild legte er noch einmal nach und verlangte im Namen seiner Partei, „dass das ZDF das Versagen der heute-Redaktion im nächsten Fernsehrat erklären“ soll.

Noch schärfer äußerte sich Scheuers Parteifreund Hans-Peter Friedrich. Der ehemalige Innenminister sprach gar von einem „Skandal“, weil es Tage gedauert habe, bis die öffentlichen Medien berichtet hätten. Mit einem „Schweigekartell und Nachrichtensperren lassen sich die Folgen der unkontrollierten Zuwanderung jedoch nicht lösen“.

Bereits am Mittwoch hatte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen öffentlich eine Fehl-Einschätzung eingeräumt. Auf der Facebookseite von „heute“ schrieb er: „Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat. Die heute-Redaktion entschied sich jedoch, den geplanten Beitrag auf den heutigen Tag des Krisentreffens zu verschieben, um Zeit für ergänzende Interviews zu gewinnen. Dies war jedoch eine klare Fehleinschätzung.“

„Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens…

Posted by ZDF heute on Dienstag, 5. Januar 2016

Auch heute+ hatte schnell eingesehen, dass das erste Posting zum Thema unglücklich geraten war. Rund eine Stunde später erklärte die Redaktion: „Wir wollen ein Stimmungsbild. Unsere journalistischen Grundsätze kennen wir. Aber danke für die Hilfe“.

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