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Apples Schicksalsjahr 2016: der Kampf gegen den langen Abstieg

29 Prozent in einem Jahr weg: Apple in der Dauer-Börsenkrise

Wie ein angeschlagener Boxer taumelt der iKonzern nach Kursverlusten ins neue Jahr. Vom ersten Tag an steht Apple ausgerechnet zum 40-jährigen Firmenbestehen mit dem Rücken zur Wand: Erstmals seit Einführung des iPhones 2007 drohen Absatzrückgänge. Der Börsenthron ist zudem durch den immer stärker werdenden Rivalen Alphabet (Google) in akuter Gefahr – schon in den nächsten Wochen könnte sich die Wachablösung vollziehen. Quo vadis, Apple?

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Am Ende halfen weder Aktienrückkäufe für knapp 40 Milliarden Dollar, Dividendenausschüttungen von über 10 Milliarden Dollar noch das ertragreichste Geschäftsjahr in der Wirtschaftsgeschichte: Apple hat erstmals seit 2008 wieder ein Börsenjahr im Minus beendet und seinen Aktionären Kursverluste eingebrockt – das war die letzte schlechte Nachricht des Apple-Jahres 2015.

Die erste schlechte Nachricht 2016 ließ nicht lange auf sich warten: Das neue Jahr begann für Apple-Aktionäre wie das alte – zunächst mit weiter fallenden Notierungen. Bis auf 102 Dollar wurde die Apple-Aktie zur Handelseröffnung an der Wall Street gestern durchgereicht, ehe Schnäppchenjäger das Minus wieder egalisierten.

Der immer größere Vertrauensverlust der Börse folgt der Erkenntnis, dass Apples Sorgen nicht einfach verfliegen wie Silvesterraketen – der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate fällt noch düsterer aus als der Rückblick auf die vergangenen sechs. Apple befindet sich anno 2016 offenbar im Rückwärtsgang – der Zenit scheint überschritten:  Das legen die immer neuen Analystenschätzungen nahe, die versuchen, einen Absatzrückgang beim iPhone einzupreisen.

Die Angst vor dem Ende des iPhone-Zyklus

Während sich Tim Cook mit dem leicht verzögerten iPhone 6s-Verkaufsstart (im Weihnachtsquartal 2015 liegen im Vergleich zu 2014 sieben weitere Verkaufstage) und möglicherweise Buchhaltungstricks („sell-in“ vs. „sell trough“: Verbuchung von iPhones als ausgeliefert statt faktisch verkauft) vielleicht noch einmal retten kann, erscheinen die jüngsten Indikatoren aus der Zuliefererkette erdrückend, womit die ersten Rückgänge seit Einführung des iPhones in den Folge-Quartalen  unvermeidlich sind.

Da das iPhone zwei Drittel von Apples Umsätzen und mehr als 70 Prozent der Nettogewinne generiert, ist eine Schlussfolgerung für Apple 2016 offenkundig: Seit dem 1. Januar kämpft der iPhone-Hersteller gegen den Abstieg. (Apples Geschäftsjahr beginnt traditionell im Oktober und endet im September.)

Keine andere Konzernsparte taugt zum Wachstumstreiber  

Das gilt erst recht, da die anderen Konzernsparten keine Hilfe darstellen: Die Mac-Unit schlägt sich tapfer, stagniert aber, die iPad-Unit befindet sich im traurigen, mehrjährigen Rückwärtsgang, und die Apple Watch kann den Flop-Verdacht einfach nicht abschütteln – von weiteren Nischenprodukten wie Apple Music, Apple TV oder Apple Pay ganz zu schweigen.

Im fünften Jahr nach dem Tod des ikonisch verehrten Gründers Steve Jobs droht Apple nun endgültig die große Zukunftsdiskussion, die bereits 2013 eingesetzt hatte, aber noch für zwei Jahre durch den letzten großen Upgrade-Zyklus der neuen großen iPhones und den lang erwarteten Vertragsabschluss mit China Mobile, der für einen zusätzlichen Absatzschub sorgte, aufgeschoben werden konnte.

iPhone 7-Erfolg kein Selbstläufer

Anno 2016 sind die Joker jedoch gespielt und das Pulver verschossen: Es gibt keinen großen Provider mehr, durch den sich mal eben zweistelliges Wachstum generieren lässt, und auch die neue große iPhone-Generation besitzt keine Wachstums-Garantie.

Anders als bei den großen iPhone-Modellen 6 und 6 Plus, auf die Apple-Fans sehnlichst jahrelang gewartet hatten, gibt es weniger augenscheinliche Argumente für ein iPhone 7, das allen Informationen nach zu urteilen genauso groß sein wird wie die aktuellen Modelle. Vielleicht wird es noch mal ein paar Gramm leichter, vielleicht ist es wasserdicht, vielleicht kommt es endlich mit bruchsicherem OLED-Display – wahrscheinlich aber wird das Apple-Smartphone nur ein bisschen anders aussehen als der Vorgänger.

Der iPhone 7-Upgrade-Zyklus, der im Frühjahr nach schwächeren iPhone 6s-Quartalen als Rückkehr zum Wachstum rhetorisch bemüht werden dürfte, ist kein Selbstläufer. Es besteht eine nicht zu unterschätzende Restwahrscheinlichkeit, dass das iPhone-Wachstum 2015 zu Ende ging („Peak iPhone„) und nicht mehr wiederkommt, weil bei immer ähnlicheren Smartphone-Modellen aus dem Android-Lager zu immer kleineren Preisen immer öfter die Argumente für das 1.000-Euro-iPhone fehlen.

Das Ende einer Ära kündigt sich an

Wenn Apple nun beim iPhone 7 stolpert, dürfte die Hölle an der Wall Street losbrechen, weil dann nämlich apokalyptische Diskussionen über das Ende der Apple-Ära kaum mehr einzufangen sein dürften. Folgt das iPhone in den kommenden Jahren, spätestens aber in der nächsten Dekade der Blaupause der kreativen Zerstörung – und damit den eigenen Produkten in Form des iPods und iPads – droht Apple ein langer, langsamer Abstieg, wie ihn Microsoft in den Nullerjahren und Samsung in den vergangenen zwei Jahren erlebte.

Das Ende von Apples Vorherrschaft an der Börse ist unterdessen bereits viel näher als allgemein wahrgenommen. Bis auf 587 Milliarden Dollar ist Apples Börsenwert inzwischen durch den Börsenabsturz von 22 Prozent vom Allzeithoch zusammengeschmolzen – die Nummer zwei an der Wall Street, Google-Mutter Alphabet, brachte es per Ende 2015 bereits auf 535 Milliarden Dollar. Mit anderen Worten: Nicht mehr als 10 Prozent trennen die Erzrivalen Apple und Google an der Wall Street – das sind Dimensionen von einer besseren oder schlechteren Quartalsbilanz.

2016 könnte so mit einem Paukenschlag beginnen: Schon in den kommenden Wochen bei Vorlage der Weihnachtsbilanzen könnte die langjährige Regentschaft des iKonzerns zu Ende gehen und Alphabet Apple vom Börsenthron stoßen. 2016: Es könnte das Jahr der großen Apple-Dämmerung werden.

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