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„Meine Putzfrau verdient mehr“: DuMont-Pauschalisten empört über Dumping-Gehälter bei Festanstellung

Der Glasbau steht für Transparenz: Die DuMont Mediengruppe hat ihren Hauptsitz in Köln

Das Verlagshaus M. DuMont Schauberg will die Arbeitsverhältnisse seiner Pauschalisten auf eine „rechtssichere“ Grundlage stellen und die Anzahl der festangestellten Redakteure erhöhen. Nach MEEDIA-Informationen führt die Mediengruppe derzeit Übernahmegespräche, die ihre Mitarbeiter jedoch eher verunsichern. Denn DuMont bietet offenbar Verträge mit fragwürdigen Konditionen. Auf MEEDIA-Anfrage erklärte das Unternehmen, man mache freien Mitarbeitern „individuelle Angebote“, die sich „selbstverständlich auch an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ orientierten.

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Verunsicherung ist das Stichwort, das die Stimmung im Hause DuMont in Köln in der Vorweihnachtszeit am ehesten treffen dürfte. Verunsicherung ist das Gefühl, das die meisten Pauschalisten derzeit nennen, wenn man sie danach fragt. Ihre Antwort sollte anders lauten. Denn DuMont stellt seinen so genannten „festen freien Mitarbeitern“ derzeit in Aussicht, sie als Festangestellte zu übernehmen. Ab dem kommenden Jahr wolle der Verlag komplett auf die Arbeit von Pauschalisten verzichten, heißt es. Das wäre ein Kulturwechsel. Für einige Mitarbeiter bedeute das die erste Festanstellung überhaupt, für andere die erste nach über 20 Jahren Arbeit für DuMont.

Die Nachricht kommt aber nicht von ungefähr. Das Angebot, die Pauschalisten in DuMonts neue Tochtergesellschaft Rheinland Media24 GmbH zu übernehmen, ist kein Weihnachtsbonus. DuMont erklärte seinen Leuten, man wolle ihre Arbeitsverhältnisse auf „rechtssichere“ Grundlagen stellen. Hintergrund dürften Ermittlungen der Zollbehörde sein, die MEEDIA im April dieses Jahres öffentlich gemacht hatte. Es geht um den Verdacht auf Sozialbetrug, genauer gesagt auf Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Ermittler wollen in Erfahrung bringen, ob bei DuMont Schauberg Journalisten systematisch scheinselbstständig beschäftigt worden sind. Seitdem sind auch zahlreiche andere Verlagshäuser in den Fokus der Ermittler gerückt und die Branche räumt auf.

Die Rheinland Media24 GmbH ist eine zum 1. Januar neu gegründete Tochtergesellschaft des Medienhauses Rheinland, in dem die Marken Express und Kölner Stadt-Anzeiger untergebracht sind, und das wiederum eine Tochtergesellschaft der DuMont Mediengruppe ist. Mit dem neuen Arbeitgeber sollen in erster Linie die Online-Redakteure auch organisatorisch wieder näher an die Titel rücken, für die sie produzieren. Als neues Konzept setzt DuMont nämlich auf so genannte „integrierte Redaktionen“, in denen alle Journalisten für alle Kanäle arbeiten sollen. Deshalb spricht man bei DuMont auch nicht mehr von Print- und Online-, sondern von „Inhalteredakteuren“, da Content schließlich über dem Vertriebsweg stehe. Print- und Online-Produkt sollen also gleichberechtigt behandelt werden. Für die Redakteure gilt das – wie in vielen anderen Häusern – nicht.

Verträge auf ein Jahr befristet, halbes Jahr Probezeit, fragwürdige Gehälter

Die „Rechtssicherheit“ könnte für die Angestellten in spe einen hohen Preis bedeuten. Dass sie in einer außertariflichen Tochtergesellschaft, wie sie die Rheinland Media24 GmbH sein wird, ansatzweise Tarifgehälter bekommen, gilt als fast schon illusionär. Was nach Aussagen einiger Mitarbeiter, mit denen MEEDIA gesprochen hat, jedoch geplant sein soll, dürfte eine neue Dimension im Kampf um Gehälter und Vertragsbedingungen für Journalisten bedeuten. In Gruppen- und Einzelgesprächen wurden die Pauschalisten – Online- wie Print-Leute – darüber informiert, dass sich die Verträge auf ein Jahr befristet ausgestellt werden sollen, zudem erwartet sie eine Probezeit von bis zu einem halben Jahr. Dies sei „branchenüblich“, habe man als Erklärung geliefert.

Gewerkschaften würden hier widersprechen. In NRW suchen DuMonts Praktiken noch ihresgleichen, heißt es dort. Kein anderer Verlag hätte so sehr auf das Pauschalistenmodell gesetzt wie DuMont, erzählt eine DJV-NRW-Funktionärin. Unter den Mitarbeitern wundert man sich über Lauf- und Probezeiten der Verträge, weil einige von den Journalisten bereits seit einigen Jahren im Haus arbeiten. Bemerkenswert sind neben diesen Konditionen die offenbar angebotenen Gehälter. Ihre Vorgesetzten hätten den Journalisten mitgeteilt, dass ihre Bruttoeinkommen zukünftig 20 bis 30 Prozent unter ihren derzeitigen Honoraren liegen sollen, erklären Mitarbeiter gegenüber MEEDIA.

Dass Honorare höher sind als Bruttogehälter von Festangestellten ist nicht wirklich überraschend, schließlich muss der Verlag für Festangestellte beispielsweise zusätzlich Sozialabgaben zahlen. „Der Verlag will offenbar nicht mehr Geld ausgeben als bisher“, stellt man in Betriebsratskreisen fest. Doch führen DuMonts Pläne nun dazu, dass die freien Journalisten ihre Honorare offenlegen. „Mir wurden erst monatlich 2200 Euro brutto geboten, für eine 40-Stunden-Woche. Angeblich stehe ich damit wohl noch gut da“, erzählt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen will. Einem Kollegen, der überwiegend für den Print-Express arbeite, hätte man sogar lediglich 1800 Euro brutto angeboten. Auf die Stunde gerechnet würden diese Angebote 13,75 bzw. 11,25 Euro brutto einbringen. Lagermitarbeiter des umstrittenen Versandhändlers Amazon verdienen nicht viel weniger. „Meine Putzfrau verdient mehr“, polemisiert eine Festangestellte. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, haben beide noch einmal nachverhandeln können. Im Interesse des Unternehmens ist das nicht. „Man hat uns gesagt, es gebe hier keinen Verhandlungsspielraum, denn der Verlag habe kein Geld, um mehr zu bezahlen. Wer den Vertrag nicht unterschreibt, wird ganz klar ab Januar nicht mehr weiter beschäftigt“, berichtet die Journalistin weiter.

Mitarbeiter warten auf Vertragsentwürfe

Die Angebote versetzen viele weitere Mitarbeiter, mit denen bisher noch nicht gesprochen worden ist, in Unruhe. Ihre Pauschalisten-Honorare liegen bei 100 oder 110 Euro pro Tag, Neue sollen mit 80 Euro abgespeist worden sein, erzählt jemand, der dem Unternehmen im Sommer aus wirtschaftlichen Gründen den Rücken gekehrt hat. „Ich hatte zeitweise enorme Existenzängste“, erzählt er.

Alleine ist er damit nicht. Die Besorgnis der Mitarbeiter wird immer größer, je näher das neue Jahr kommt. Vertragsunterlagen habe noch niemand bekommen, erzählt die Insiderin weiter. In den Einzelgesprächen habe man sie allerdings dazu „gedrängt“, den Summen schon einmal mündlich zuzustimmen. Die Mitarbeiter befürchten, dass der Verlag die Vorlage der Schriftstücke hinauszögert, um Verhandlungen zu vermeiden. Ist es Taktik, geht diese auf. „Ich habe mündlich erstmal zugesagt“, erklärt die Mitarbeiterin weiter. „Bis zum 1. Januar finde ich sicher keinen neuen Job und bin auf diesen angewiesen.“

MEEDIA hat DuMont konfrontiert und in 12 Fragen – in denen es um soziale Verantwortung, um Inhalte von Gesprächen zwischen Teamleitern und Mitarbeitern, um Gehaltshöhen, um die Frage nach Qualitätsjournalismus für kleines Geld, um Lauf- und Probezeiten oder die Wartezeiten auf Vertragsentwürfe ging – um ausführliche Stellungnahme gebeten. Die meisten blieben unbeantwortet. Man bittet um Verständnis dafür, „dass wir Ihnen keine Details über interne und vor allem nicht zu individuell zu verhandelnden Beschäftigungsverhältnissen mitteilen können“. Weiter heißt es:

Es gibt seitens des Verlages für neue Beschäftigungsverhältnisse individuelle Angebote und Vereinbarungen, die sich an verschiedenen Kriterien orientieren, u.a. selbstverständlich auch an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. DuMont Rheinland Media24 ist ein Unternehmen, in dem die Verträge frei verhandelt werden. Für den Abschluss der Gespräche gibt es keine zeitlichen Vorgaben.

Stattdessen nutzt DuMont die Gelegenheit, die „Stoßrichtung“ der neuen Rheinland Media24 GmbH zu erläutern:

Dennoch möchten wir Ihnen die grundsätzliche Stoßrichtung der DuMont Rheinland Media24 kurz erläutern. Die Gründung der neuen Redaktionsgesellschaft steht im direkten Zusammenhang zu unserem Projekt digitale Transformation. In der Gesellschaft bündeln wir im Wesentlichen die redaktionellen Digitalaktivitäten unser rheinischen Tageszeitungstitel. Mit der damit verbundenen Neuausrichtung werden neue Beschäftigungsverhältnisse und neue redaktionelle Rollen geschaffen, zudem werden die Redaktionsorganisationen und –prozesse verändert. Ein Beispiel: in der Redaktion des Express sind u.a. Rollen für Social-Media, SEO, Web-Analyse geplant. Auch in dem Bereich der digitalen Editoren sind neue Rollen und neue Bedarfe identifiziert und definiert. Das führt letztlich zur Überprüfung und Anpassung von Kapazitäten, in diesem Fall insgesamt zu einer Anpassung der Personalkapazitäten nach oben.

Die Transformation ist dabei nicht als ‚Knopfdruck‘, sondern als Prozess und bewegliche Organisation definiert, für die es branchenweit keine Blaupause gibt. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit der Neuaufstellung entscheidende Maßnahmen einleiten, um noch bedarfsorientierter publizistische Inhalte anbieten zu können.

Klare Antworten auf ihre drängendsten Fragen und Probleme werden die Mitarbeiter DuMonts in den offiziellen Aussagen nicht finden. Ihrem Ärger machen die Pauschalisten derweil Luft. Zu einer Veranstaltung der Gewerkschaft DJU waren am Dienstagabend eigenen Angaben zufolge mehr als 70 Pauschalisten gekommen. Man habe gemeinsam überlegt, wie man sich organisieren könne, erzählen Teilnehmer. Einige haben sich entschlossen – wenn auch anonym – die Öffentlichkeit zu suchen. Am Donnerstag erhielten DuMont-Vorstand Christoph Bauer, Philipp M. Froben, Geschäftsführer der Kölner Geschäfte, sowie KSTA-Chefredakteur Peter Pauls und seine beiden Vize Rudolf Kreitz und Lutz Feierabend, eine Mail der Stadt-Anzeiger-Pauschalisten (Print wie Online), in der sie sich für die Einladung zur Verlagsweihnachtsfeier bedankten, eine Teilnahme aber absagten. Reaktionen gab es darauf bisher keine.

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