Anzeige

Warum die Weihnachtswerbung mit dem Porno-Opa daneben ist

Blowjob statt Jingle Bells - ja wo samma denn: ein Porno-Gutschein für Opa

Der Weihnachts-Spot von Edeka mit dem traurigen Opa ist ein gewaltiger Viral-Hit, der bei YouTube bereits über 37 Mio. mal abgerufen wurde (Stand 8. Dezember 2015, morgens). Der Internet-Porno-Anbieter Pornhub schickte nun ebenso einen Werbespot mit einem traurigen Weihnachtsopa ins Rennen, der allenthalben beklatscht wird. Dabei ist die Weihnachts-Werbung mit dem Porno-Opa nur eines: total daneben.

Anzeige

Weihnachtliche Musik, die Familie ist beisammen. Bescherung. Alle packen Geschenke aus, es wird gefilmt und geherzt. Nur der arme Opa sitzt alleine traurig neben dem Baum. Bis der Enkel ihm einen Umschlag überreicht. Zunächst skeptisch packt der Opa aus. Der Enkel grinst, der Opa lächelt. Er hat einen Geschenk-Gutschein für Pornhub bekommen, ein riesiges Porno-Portal im Internet. Blowjob statt Jingle Bells, ja wo samma denn!

Der Spot bezieht seinen scheinbaren Witz aus dem Gegensatz der schmuddeligen Porno-Branche und dem Heile-Welt-Weihnachts-Setting. Problem hierbei: Der Gegensatz ist nicht auflösbar wie der Gegensatz zwischen den bechäftigten Business-Kindern im Edeka-Spot „Heimkommen“ und dem dortigen Weihnachts-Opa, der Gegensatz hier bleibt bestehen. Niemand, niemand kann wollen, dass die Schmuddel-Welt des Porno Bestandteil einer Familien-Weihnacht wird. Diese beiden Welten sind auf ewig getrennt und das ist auch gut so.

In der Realität hätte sich der Enkel niemals getraut, dem Opa einen Porno-Gutschein zu überreichen, noch dazu vor allen Leuten. Nicht umsonst blendet der Spot die Reaktion der übrigen Familien-Mitglieder komplett aus. Wie sollten die auch reagieren? Schockiert? Begeistert? Beides nicht schön. Auch der Opa wäre bestenfalls irritiert, wahrscheinlich aber stinksauer gewesen. Selbst wenn er heimlich privat Pornos gucken sollte, geht das niemanden was an.

Es gibt so etwas wie Scham, Anstand und Privatsphäre. Der Pornhub-Spot tut so, als würde es dies nicht geben, als sei es ganz normal, Pornokonsum öffentlich zu zelebrieren. Das ist aber nicht normal. Pornos sind per Definition obszön. Das Wort „obszön“ stammt vom lateinischen Wort „obscenus“ für unanständig, schamlos, anstößig. Dieses Wort wiederum hat seinen Ursprung in „ob scenum“: außerhalb der Szene, des Schauplatzes, also der Öffentlichkeit.

Darum hinterlässt der Spot ein seltsam unangenehmes Gefühl beim Anschauen. Der Spot bringt die Idee des Obszönen in den geschützten Öffentlichkeitsraum der Familie. Dagegen haben wir eine gesunde innere Sperre, die sich Scham nennt. Der Spot verletzt schlicht unser natürliches Schamgefühl. Verantwortlich für den missratenen Spot ist die spanische Werbeagentur Officer & Gentleman.

Anzeige