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Die traurige Medien-Offensive des Vizekanzlers: Ist stern-Reporter Arno Luik eigentlich schon bei Sigmar Gabriel eingezogen?

Medien-Offensive: Sigmar Gabriel in Spiegel, FAS, BamS, Zeit

Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel ist aktuell omnipräsent in den Leitmedien. Porträts in Zeit und Spiegel, Interview in der Bild am Sonntag, Analyse in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Doch die geballte Medienpräsenz wird ihm nichts nützen.

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„Würden Sie diesen Mann zum Kanzler wählen?“, fragte die Zeit am vergangenen Donnerstag. Die Antwort der meisten Deutschen auf diese Frage lautet: nein. Laut einer aktuellen Umfrage würde die verunsicherte Bevölkerung sogar den blassen und schon einmal krachend gescheiterten Frank Walter Steinmeier Sigmar Gabriel als SPD-Kanzlerkandidat vorziehen.

Die notorische Anti-Haltung gegen einen potenziellen Kanzler Gabriel treibt sowohl den Vizekanzler selbst, als auch die Medien um. Und vermutlich auch seinen neuen Medienberater Götz Elbertzhagen, Ex-Mann von Jenny Elvers. Ob er es war, der die vielen Gabriel-Stücke eingefädelt hat, die derzeit veröffentlicht werden, ist unklar. Falls ja, war es keine sonderlich gute Strategie. Wobei sich fragen lässt, ob es in Sachen Gabriel und den Medien überhaupt so etwas wie eine gute Strategie geben kann.

Wiederkehrende Sigmar-Gabriel-Themen sind: Seine verbalen Ausraster gegenüber den Journalistinnen Marietta Slomka und Bettina Schausten, sein Nazi-Vater, seine Heimatverbundenheit zu Goslar, ein Peter-Maffay-Tick und dass er seine Tochter Mittwochs aus der Kita abholt. Das klingt ganz nett, aber würden Sie diesen Mann als Kanzler wollen? Doch eher nicht.

ZDF-Komiker Jan Böhmermann hat schon einmal ein Treffen mit Gabriel abgelehnt, weil er sich nicht vor den Politik-PR-Karren spannen lassen wollte. Gabriel hätte keine Probleme damit gehabt, er hat sich ja auch mit Til Schweiger getroffen, um über die Flüchtlingsfrage zu reden. Würde Angela Merkel so etwas machen? Sehen Sie!

Im stern-Interview sagte Böhmermann jüngst über Gabriel: „Privat würde ich ihn irre gerne mal treffen. Allein, um ihn zu fragen, wie er das hinbekommt, als stellvertretender Regierungschef immer mittwochs in Goslar sein Kind aus dem Kindergarten abzuholen, egal, was in der Welt passiert.“ Darauf der stern: „Das ist gelebte Emanzipation.“ Böhmermann: „Das ist gelebter Papi-Populismus, totaler Bullshit. Ich habe ernste Sicherheitsbedenken, wenn ein Vizekanzler in diesen Zeiten seine Tochter mittwochs aus der Kita abholt. Auch wenn das natürlich toll familienorientiert klingt. Da werbe ich für pragmatische Lösungen: ‚Solange mein Mann Vizekanzler ist, kümmere ich mich ausnahmsweise darum, dieses Kind mittwochs abzuholen. Lass mal, Schatz. Kümmere du dich um die Terroristen.‘“

Sigmar Gabriel nährt in den nun erschienen Porträts Zweifel an seinem Zeitmanagement: „Ich hole sie (seine Tochter, Anm.d.Red.) um halb drei ab, dann machen wir was zusammen. Morgen früh fahre ich wieder nach Berlin. Dann fahre ich nachts nach Hause, um am Freitag früh zum Frühstück da zu sein. Und dann fahre ich wieder nach Berlin.“ Und Zwischendurch noch schnell nach Moskau zu Putin, Nach Braunschweig zu einer Preisverleihung für Maffay und zum Bambi.

Armer Sigmar Gabriel – da hetzt er von Reportern begleitet vom Israel-Flug zum ICE auf die Autobahn, um seine Tochter Mittwochs abzuholen und es ist den Leuten auch wieder nicht recht. Vielleicht, weil es nie so gut rüberkommt, wenn einer gehetzt wirkt.

Nachts steht er häufig auf, wenn er nicht schlafen kann, notiert die Zeit. Was soll er auch sonst machen? Gut, er könnte liegen bleiben. Hat Gabriel dem Zeit-Reporter das auf der gemeinsamen ICE-Fahrt erzählt? Was ist hier echt, was ist Kalkül?`

Gabriel, so die Zeit weiter, sei der Einzige, der es wage, Fragen wie solche von Slomka und Schausten „dämlich“ zu nennen. Dabei waren die Fragen der beiden damals gar nicht so dämlich, sie passten Gabriel zu jenen Zeitpunkten nur schlicht nicht in den Kram. Wer also ist dieser Sigmar Gabriel: treu sorgender Familienvater, Nazi-Sohn, Maffay-Fan (nach der Bambi-Verleihung war er mit dem Gitarristen Maffays noch bis zwei in einer Bar, weiß der Spiegel), Journalistinnen-Anraunzer?

Ist er der Mann, der laut FAS der SPD einen neuen Mitte-Kurs verordnet hat und der am besten „reden“ kann? Ist er der Mann, der der BamS über sein Verhältnis zu Angela Merkel sagt: „Man darf sich doch menschlich schätzen, auch wenn man in der Politik nicht übereinstimmt.“?

Vielleicht ist er alle diese Männer oder keiner. Man weiß es nicht genau. Liest man die Texte, die in den vergangenen Tagen imVorfeld des nahenden SPD-Parteitags über Sigmar Gabriel veröffentlicht wurden, so ergibt sich ein widersprüchliches Bild. Keiner der Journalisten scheint Sigmar Gabriel wirklich nahe gekommen zu sein, können es dann die Bürger?

Er bleibt der beleibte Unbekannte mit dem Nazi-Vater, der seine Tochter jeden Mittwoch abholt. Das bleibt hängen, aber dafür wird man nicht gewählt.

Während die Kanzlerin das Kunststück fertigbringt, im Ungefähren und Unbestimmten stets ein Gefühl von Sicherheit und Kompetenz zu vermitteln, so stellt sich bei Gabriel der gegenteilige Effekt ein. Da hat er nun diese ganzen Journalisten mit sich reisen lassen und sie empfangen. Fehlte nur noch, dass stern-Reporter Arno Luik bei ihm einzieht und in der Küche rumlungert, während die Spiegel-Leute aufs Klo gehen, wie weiland beim früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis.

Die Medien-Offensive des SPD-Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel hat aber etwas Trauriges an sich. Ihn umgibt eine Aura des Gescheiterten, noch bevor er angetreten ist. Und je mehr über ihn berichtet wird, desto offensichtlicher wird es.

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