Anzeige

Keine Rüge: Der Bild-Pranger gegen Facebook-Hetzer verstößt nicht gegen den Pressekodex

Bild-Boss Kai Diekmann und der "Pranger der Schande"

Diese Nachricht dürfte die Chefredaktion der Bild mit großer Genugtuung aufnehmen: Der Presserat bewertet die Beschwerden zum umstrittenen Bild-Pranger, wie auch zu einer Hass-Posting-Geschichte der Huffington Post, als unbegründet.

Anzeige

Ende Oktober hatte die Bild mit einer harten Aktion aufgewartet. Auf einer Doppelseite stellte die Redaktion „Facebook-Hetzer“ an den Pranger und veröffentlichte ihre Hasskommentare inklusive Foto und Klarnamen. Kern-Forderung der Berliner: „Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie“.

In einem Teaser erklärte die Redaktion ihre Aktion: „So viel offener Hass war nie in unserem Land! Und wer Hass sät, wird Gewalt ernten. Längst ist die Grenze überschritten von freier Meinungsäußerung oder Satire zum Aufruf schwerster Straftaten bis zum Mord“. Deshalb würde es der Bild jetzt reichen: „Wir stellen die Hetzer an den Pranger!“

Wie der Presserat nun erklärte, hatten sich insgesamt 38 Leser über die Veröffentlichungen beschwert und Persönlichkeitsrechtsverletzungen sowie Diffamierungen kritisiert. „Aus Sicht des Ausschusses war die Veröffentlichung der Äußerungen mit Name und Profilbild in beiden Berichterstattungen zulässig, da es sich hier nicht um private, sondern erkennbar um politische Äußerungen der User in öffentlich einsehbaren Foren handelte“, erklärte nun aber der Presserat. „Hieran besteht ein öffentliches Interesse, das die Persönlichkeitsrechte überlagert“.

Unter der Überschrift „200 Deutsche riefen Flüchtlingen zu: ‚Willkommen!‘ Jetzt zeigen wir die andere Seite: Hier sprechen die Hassfratzen“ hatte die Huffington Post eine Sammlung der aus ihrer Sicht schlimmsten Kommentare veröffentlicht. Die vom Burda-Portal vorgenommene Einordnung als „Hassfratzen“ hält der Presserat zwar „für eine zugespitzte, scharfe Meinungsäußerung“, die sich aber „noch im Rahmen der presseethischen Grenzen“ bewege. Gleiches gelte für die Formulierung „an den Pranger“ stellen in Bild.

Anzeige