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„Sehr unglücklich gelaufen“: ARD distanziert sich nach Naidoo-Eklat öffentlich vom NDR

Streiten sich wegen Xavier Naidoo (Foto: dpa): ARD-Programmchef Volker Herres und NDR-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber

Die Entscheidung des NDR, Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest zu schicken, wirbelte in der vergangenen Woche ordentlich Staub auf. Soviel Staub, dass der Sender schließlich zurückruderte und verkündete: Naidoo bleibt doch zuhause. Doch das Thema zieht weiter seine Kreise – auch in der ARD: Programmdirektor Volker Herres distanziert sich öffentlich vom NDR und bemängelte einen Alleingang.

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„Xavier Naidoo steht für Toleranz allen Lebensentwürfen gegenüber, die es in dieser Republik gibt.“ So verteidigte NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber zunächst die Entscheidung, Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest 2016 zu schicken. Der umstrittene Sänger sah sich in den letzten Jahren immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, er sei homophob und fremdenfeindlich. Auf Twitter entbrannte binnen kürzester Zeit ein massiver Shitstorm. Sogar eine Petition gegen die Teilnahme Naidoos wurde gestartet.

Am vergangenen Wochenende knickte der NDR trotz aller Rechtfertigung dann doch unter dem öffentlichen Druck ein und gab bekannt, dass Xavier Naidoo nicht zum ESC fahre. Er sei zwar weiterhin davon überzeugt, dass der Sänger weder rassistisch noch homophob sei, betonte Thomas Schreiber. Doch die Wucht der Diskussion habe ihn überrascht und könnte dem ESC ernsthaft schaden. Naidoo selber erklärte bei Facebook, der Rückzug sei eine einseitige Entscheidung des Senders gewesen.

ARD kritisiert einsame Entscheidung des NDR

Offenbar hat der NDR im Alleingang gehandelt – was bei der ARD für massive Missstimmung sorgt. ARD-Programmdirektor Volker Herres distanzierte sich in der Welt am Sonntag öffentlich vom NDR: „Die Nominierungsentscheidung liegt beim NDR, der den ESC allein verantwortet und in das ARD-Gemeinschaftsprogramm einbringt.“ Schon mit der Entscheidung, Naidoo überhaupt zum ESC zu schicken, sei er nicht einverstanden gewesen. „Xavier Naidoo hat mehrfach Äußerungen getätigt, die man nicht gutheißen kann und missbilligen muss“, so Herres weiter. Ob ihn das als begnadeten Künstler für eine Teilnahme am ESC disqualifiziere, sei eine Frage, die man kontrovers diskutieren müsse. „Ich hätte es begrüßt, wenn diese Diskussion ARD-intern hätte geführt werden können, bevor mit der Nominierung Fakten geschaffen wurden. So ist das alles sehr unglücklich gelaufen.“

Journalist Jan Feddersen, der den ESC seit Jahren für den NDR kommentiert, bezieht unterdessen eine konträre Position: „Für den ESC ist der Rückzug Xavier Naidoos ein krasser Rückschritt. Die allermeisten Pop-Musiker aus Soul, HipHop, Funk, Rock oder Elektro haben sich mit diesem Mannheimer solidarisiert, haben gesagt, Naidoo sei weder Rassist, noch homophob oder rechtsradikal.“

Wie die Welt am Sonntag weiter berichtet, will die ARD in Kürze bekanntgeben, wie es weitergehen soll. Einen nochmaligen Alleingang des NDR m Bezug auf den ESC wird Volker Herres wahrscheinlich zu verhindern wissen.

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