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Der neue konservative Welt-Erklärer: Stefan Austs Auftritt bei „Günther Jauch“

Welt-Journalist Stefan Aust bei Günther Jauch: Militärschläge gegen Terror? Warum nicht!

Wenn Günther Jauch zum sonntäglichen Terror-Plausch bittet, darf man nicht viel erwarten. Jauch sitzt seine Rest-Zeit bei der ARD mehr oder weniger ab (nur noch eine Sendung!). Interessanter als Jauchs Frage-Dilettantismus war da schon, wie sich der Welt-Herausgeber, ehemalige Spiegel-Chef und künftige Chefredakteur der Welt, Stefan Aust, als Mann fürs Konservative positionierte. Aust könnte damit in eine Marktlücke im hiesigen Medien-Meinungszirkus stoßen.

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Stefan Austs Vorgänger auf dem Posten als Welt-Chefredakteur, Jan-Eric Peters, hat seinen Job als eine Art Redaktions-Manager ausgefüllt und aus der Zeitung eine moderne, multimediale Nachrichten-Plattform geformt. Durch zugespitzte Meinungsbeiträge oder Auftritte in Talkshows war Peters nicht aufgefallen. Solche Zurückhaltung ist die Sache seines Nachfolgers Stefan Aust nicht. Das konnte man bei der gestrigen Jauch-Sendung klar erkennen.

Aust war hellwach und spitz positioniert. Selbstverständlich sei es ein Sicherheitsrisiko, wenn ungebremst Flüchtlinge nach Deutschland strömten, erläuterte er mehrfach. Das verwundert insofern ein bisschen, da der Welt-Autor Matthias Matussek gerade wegen eines inhaltlich ähnlich gelagerten Facebook-Kommentars massiven Ärger mit dem noch amtierenden Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters bekommen hatte, der in Ausfälligkeiten seitens Matusseks und schließlich dessen Rauswurf gipfelte.

Im Ton war Aust verbindlicher, in in der Sache allerdings Hardliner. Grenzkontrollen? Ja, bitte! Der Flüchtlingszustrom? Ein Sicherheitsrisiko! Militärschläge gegen den IS? Warum nicht? Sich mit Diktatoren verbünden? Beim Pakt mit Stalin gegen Hitler hat’s ja auch geholfen.

Den Konservativen gefällt das. Der rechts von Aust sitzende bayerische Innenminister Joachim Herrmann guckte stets zufrieden, wenn Aust anfing zu reden. Auch Angela Merkel bekam bei Aust ihr Fett weg: „Ich glaube, dass die Kanzlerin weder die Regierung, noch die Lage derzeit im Griff hat“, so Aust. Horst Seehofer würde den inneren „Like“-Button“ drücken.

Es wäre zu billig, Stefan Aust zu unterstellen, er würde solche Äußerungen aus bloßem Kalkül heraus tätigen. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und seiner Expertise mit dem Terror der RAF heraus spricht aus seinen Aussagen gewiss auch Überzeugung. Eine Überzeugung allerdings, die politisch und medien-strategisch für seinen Arbeitgeber Axel Springer gerade überaus nützlich zu sein scheint.

Nachdem Peters die Welt-Gruppe konzeptionell und technisch auf Vordermann gebracht hat, kann Aust nun für publizistischen Schliff sorgen. Ganz offensichtlich wird die Welt unter Aust keinen Links-Ruck erleben. Austs Auftritt bei „Günther Jauch“ dürfte auch vielen gefallen haben, die sich von den so genannten Mainstreammedien enttäuscht fühlen. Und es stimmt ja auch: Politische Medien mit konservativer Ausrichtung sind hierzulande Mangelware.

Den Focus unter Ulrich Reitz kann man politisch selten ernst nehmen. Wenn das Magazin aus München etwa eine Kalaschnikow auf den Titel packt und dazu textet „Das hat nichts mit dem Islam zu tun – Doch“, wirkt dies wie eine verzweifelte Provokation und Anbiederung an gewisse Kreise. Haltung mit der Brechstange. Die FAZ tut sich seit dem Tod von Herausgeber Frank Schirrmacher erkennbar schwer, im öffentlichen Diskurs über die konservative Stammleserschaft hinaus präsent zu sein und vor allem auch ein unverwechselbares Gesicht als Marke nach außen zu haben. Wenn heute einer im Fernsehen konservative Ansichten vertritt, ist das am ehesten noch der frühere WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy, der mit seinem Blog-Projekt „Tichys Einblick“ allerdings teilweise gefährlich nah am Populismus segelt.

Aust hat das intellektuelle Format, und er ist ideologisch unverdächtig. Jede Wette, sein Auftritt bei „Günther Jauch“ wird nicht der letzte Talkshow-Einsatz bleiben: als zupackender Welt-Erklärer, ganz nach dem Geschmack konservativer Leser und Zuschauer – und vielleicht sogar derer, die sich als journalistische Gegner in der Sache künftig an ihm und seiner Kommentarlinie reiben werden.

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