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Helmut Markwort kontert die Spiegel-Kritik: „Eine unverschämte Flegelei von dem Kollegen Brinkbäumer“

Focus-Erfinder Helmut Markwort (l.) über den Kommentar des Spiegel-Chefredakteurs Klaus Brinkbäumer: "Er pöbelt mich an"

Jetzt antwortet Helmut Markwort: Im Zuge der Berichterstattung über das zerstörte Sommermärchen ging Klaus Brinkbäumer den ehemaligen Focus-Macher hart an. Der Spiegel-Chef reagierte damit auf ein kritisches Interview des Focus-Gründers, in dem dieser dem Spiegel handwerkliche Fehler im ersten Spiegel-Titel zur Vergabe der WM 2006 attestiert hatte. Im Gespräch mit MEEDIA legt Markwort nach: Das Verhalten des Hamburger Chefredakteurs sei eine „erbärmliche“ und „unverschämte Flegelei“.

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Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hat Sie in einem Kommentar als „Fan und Handlanger der Regierenden“ bezeichnet. Hat Sie das getroffen?
Ich finde das einen miesen Stil der Auseinandersetzung. Ich habe gegen die Spiegel-Geschichte mit Fakten argumentiert, und er reagiert mit Diffamierungsversuchen. Dass Brinkbäumer über mein Alter räsoniert – geschenkt. Aber einen unabhängigen Menschen wie mich als Handlanger der Regierenden zu bezeichnen, ist eine unverschämte Flegelei.

Finden Sie es nicht berechtigt, dass Ihnen der Spiegel-Chefredakteur indirekt vorwirft, bei Ihrem kritischen Interview bei Focus Online, nicht auf Ihre Vereinstätigkeiten beim FC Bayern und Ihre bekannte Nähe zu Uli Hoeneß hingewiesen zu haben?
Ich sitze seit Jahrzehnten in verschiedenen Gremien des FC Bayern München. Aber ich duze mich mit keinem Menschen von diesem Verein. Ich sehe mich da völlig unabhängig. Deshalb muss ich sagen: Das ist eine ganz billige Nummer von dem Kollegen Brinkbäumer.

Tatsächlich hat der Focus ja selbst die Hoeneß-Affäre ins Rollen gebracht. Ebenso hat das Magazin bei einem Zoll-Problem von Karl-Heinz Rummenigge wegen einer importierten Rolex keine Rücksicht auf den Verein genommen.
Richtig. Dafür fehlte manchen das Verständnis.

Mal ehrlich: Sind Sie ein Freund von Beckenbauer oder von einer der Personen, um die es in der aktuellen Affäre geht?
Ich bin mit dem Wort Freund sehr zurückhaltend. Ich duze mich nicht mit Beckenbauer. Fast alle Leute, die ich im Verein kenne, sagen Franz und Du. Ich nicht. Natürlich stehen wir uns respektvoll und mit Sympathie gegenüber. Ich beurteile aber jede Angelegenheit in der Sache.

Was denken Sie, was hat Brinkbäumer zu seinem harschen Kommentar bewogen?
Es ist einfach ungezogen. Ich denke aber auch, dass er sich von meinen Fakten getroffen gefühlt hat. Denn tatsächlich steht ja zu dem Hauptvorwurf, dass die Weltmeisterschaft gekauft war, im Spiegel selbst gleich an zwei Stellen, dass es keine Beweise gebe, dass Geld geflossen sei. Das habe ich aufgespießt und das hat Brinkbäumer sicher wehgetan. Denn dazu nimmt er ja keine Stellung, sondern er pöbelt mich an.

Der Spiegel-Chefredakteur verweist auch darauf, dass es eine solche Nähe im Politikjournalismus nicht geben würde.
Auch das stimmt natürlich so nicht. Es wird auch im Politikjournalismus viel geduzt. Ich erinnere mich, nachdem die Rot/Grüne-Regierung die Bundestagswahl gewonnen hatte, erzählte mir Stefan Aust stolz, dass er die Hälfte des neuen Kabinetts duzen würde. Da war er ganz begeistert. Ich aber duze niemanden. Mir ist meine Unabhängigkeit wichtig. Deshalb bin ich auch so verärgert.

Nun war Klaus Brinkbäumer vor langer Zeit auch mal Focus-Redakteur. Duzen Sie ihn denn?
Nein. Beim Focus duze ich auch niemanden.

Eine solche Kollegenschelte ist unter hochrangigen journalistischen Funktionsträgern eher unüblich. Warum wird die Debatte Ihrer Ansicht nach gerade in solch einer Heftigkeit geführt?
Der Spiegel hat sich ja längst daran gewöhnt, dass es ein zweites Nachrichtenmagazin gibt, und ich glaube nicht, dass einer der Vorgänger, auf deren Schultern Herr Brinkbäumer steht, sich so im Stil vergriffen hätte.

Sie hatten in der vergangenen Woche dem Spiegel einen „journalistischen Offenbarungseid“ unterstellt. Würde Sie nach dem Wochenende, an dem die Hamburger nun mit einer weiteren Titelgeschichte nachgelegt haben, den Satz so stehen lassen?
Selbstverständlich halte ich mein handwerkliches Urteil aufrecht, dass der Spiegel zu seinem großen Bestechungsvorwurf, die WM sei gekauft, nichts vorzulegen hat. Gerade zu diesem Punkt hat der Spiegel nicht nachgelegt. Da bleibe ich dabei. Die andere Geschichte, warum der Deutsche Fußballbund 6,7 Millionen Euro an die Fifa überwiesen hat, ist natürlich nach wie vor auch fragwürdig. Da wundert mich aber was anderes.

Was denn?
Da verstärke ich sogar meine Kritik am Spiegel, dass die Redaktion sich ausschließlich auf die unseriöse Einmann-Quelle Theo Zwanziger stützt. Der Zwanziger hat den Überweisungsträger über die 6,7 Millionen unterschieben und schreit jetzt „Haltet den Niersbach!“. Da muss sich der Spiegel fragen lassen, ob er sich nicht für einen Rachefeldzug von Zwanziger gegen Niersbach hat instrumentalisieren lassen. Der ehemalige DFB-Präsident ist ein verbitterter und isolierter Mann.

Das macht ihn nicht automatisch weniger glaubwürdig.
Bei der Netzer-Geschichte hat der Zwanziger jetzt ja auch keine Chance mehr mit seiner Version durch zukommen, wie wir seit heute wissen. So etwas scheint den Spiegel nicht zu beeindrucken.

Aus rein handwerklicher Sicht und Hand aufs Herz: Hätten Sie die Zwanziger-Story auch gemacht, wenn sich der ehemalige DFB-Präsident gegenüber dem Focus offenbart hätte?
Die hätte ich schon gemacht. Das ist ja ein interessantes Thema. Warum überweist der DFB 6,7 Millionen an die Fifa, und welche Rolle spielt der Dreyfus dabei? Diese Enthüllung hat mit dem Zentralvorwurf, dass die ganze WM gekauft worden sei, aber nichts zu tun.

Was passiert, wenn der Spiegel wirklich den Beweis schuldig bleibt, dass die WM mit Hilfe von Bestechung nach Deutschland geholt wurde?
Der stern hat ja auch die Hitler-Tagebücher überstanden. Materiellen Schaden sehe ich da erst einmal nicht. Für das Renommee des Spiegel und die Glaubwürdigkeit künftiger Vorabmeldungen des Nachrichtenmagazins kann ein Schaden entstehen.

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