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„Der Hass widert uns an“: SWP-Chefredakteur rechnet mit „Lügenpresse“-Mails ab

Chefredakteur Ulrich Becker fordert Respekt für Flüchtlinge

„Täglich laufen in der Redaktion der Südwest Presse Mails ein, deren Inhalt uns mittlerweile – mit Verlaub – ankotzt“, schreibt Ulrich Becker, Chefredakteur der Südwest Presse (SWP). Die Wut gegenüber Journalisten habe eine noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Becker beteuert, die Redaktion werde sich weiter für Flüchtlinge einsetzen – egal, wie viele Hass-Mails noch kommen mögen.

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Seine Kollegen hätten einhellig berichtet, „dass die Debatte um die Flüchtlinge eine Wut entfacht hat, die sie in dieser Weise noch nie in ihrem Berufsleben erfahren haben“, betont Ulrich Becker in einem Kommentar. „Dabei geht es nicht um Kritik an der Berichterstattung oder eine sachliche Auseinandersetzung. Es geht um das unflätige Beschimpfen, die Herabwürdigung, die Diffamierung derjenigen, die die jeweiligen Artikel und Kommentare verfasst haben.“

Begonnen habe diese Entwicklung mit den ersten Pegida-Demonstrationen vor einem Jahr, als der Schlachtruf „Lügenpresse“ durch die Dresdner Straßen hallte. Seitdem bestünde die deutsche Presselandschaft „in den Augen der selbsternannten Retter des Abendlandes aus willfährigen Knechten, die wahlweise von der CIA, dem Kanzleramt oder wem auch immer bezahlt werden“.

In der SWP-Redaktion werde oft darüber diskutiert, wie man sich zu Themen positioniert und welche Haltung man einnehmen wolle, erklärt Becker. „Dabei spielen natürlich auch die persönlichen Einstellungen der Redakteure eine Rolle – niemand kann und soll seine Haltung an der Bürotür ablegen und wie eine Jacke an den Garderobenhaken hängen.“ Dennoch blieben sie trotz der Flut aus Meldungen jeden Tag dem Anspruch verpflichtet, „so wahrhaftig wie möglich zu bleiben“.

Doch bezüglich der Flüchtlinge gebe es nur eine Meinung, stellt der SWP-Chef klar: „Wir achten die Würde des Menschen – so wie es in unseren redaktionellen Richtlinien steht. Deshalb werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass jeder Flüchtling, egal woher und warum er zu uns kommt, mit Respekt und Anstand behandelt wird. Ganz gleich, wie viele Hass-Mails die Redaktion noch erreichen werden.“

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