Anzeige

„Fans und Handlanger der Regierenden“: Wie Spiegel-Chef Brinkbäumer seine Berufskollegen Draxler und Markwort abwatscht

Was musste sich der Spiegel und sein Chefredakteur Klaus Brinkbäumer in der vergangenen Woche nicht alles zu seiner Sommermärchen-Recherche anhören: Zu viele Konjunktive, zu wenige Fakten, „journalistischer Offenbarungseid“. Mit ihrem aktuellen Nachdreh bringen die Hamburger die Kritiker zum Schweigen. Selbst ruhig sein wollte der Spiegel-Boss diesmal aber nicht. In einem Kommentar schießt Brinkbäumer heftig gegen Bild-Mann Alfred Draxler und den ehemaligen Focus-Macher Helmut Marktwort.

Anzeige

In seinem Kommentar „Der Franz hat gesagt. Über Wahrheit und Dichtung auf dem Planeten Fußball“ rekapituliert Brinkbäumer kurz, wie aus dem romantischen Fußball ein milliardenschweres Business werden konnte, das unter dem Druck von Medientycoonen, Wirtschaftsinteressen und fragwürdigen Funktionieren korrumpiert wurde.

Dann merkt der Spiegel-Chef an, dass „in anderen Welten“, wie beispielsweise der Politik, Josef Blatter unwählbar und auch Wolfgang Niersbach „nicht genug“ wären. In dieser Welt würden „Herren wie Alfred Draxler, Chefredakteur von Sport Bild und zugleich Franz Beckenbauers Förderer und Schützling, oder auch Helmut Markwort, Focus-Herausgeber und bis ins hohe Alter Verwaltungsbeirat des FC Bayern, als Fans und Handlanger der Regierenden entlarvt werden“.

Eine solch harte Kritik an Kollegen hatte man vom Chefredakteur Brinkbäuer bislang noch nie gehört. Das zeigt, wie er sich auch über die Attacken, Spitzen und Gegenberichterstattung geärgert haben muss.

Markwort beispielsweise hatte bei Focus Online wörtlich gesagt: „Inzwischen habe ich den Spiegel-Titel dreimal durchgearbeitet, ihn mit Anmerkungen und Unterstreichungen versehen, und ich komme zu dem Schluss: Nein, so ein Stück hätte ich nicht veröffentlicht. Der Spiegel hat keinerlei Beweise für den geschürten Verdacht, das Sommermärchen sei durch Bestechung asiatischer Fußballfunktionäre gekauft worden.“

Weiter monierte Marktwort. „Nach dem Start der ersten Rakete hätte der Spiegel längst weitere Zündstufen aktivieren müssen. Das blieb aus, und ich bin gespannt, was die Kollegen im neuen Heft bieten. Bisher sind wir allenfalls Zeugen eines journalistischen Offenbarungseids geworden.“

Dieser Spannung ist der Focus-Erfinder jetzt nicht mehr ausgesetzt. Der Spiegel hat nachgelegt und die Kritik an der ersten Story ist verstummt.

Weiter formuliert Brinkbäumer in Richtung Draxler, dass man nur in der Fußball-Welt Formulierungen wie „Unser Sommermärchen“ oder auch „Der Franz hat gesagt, dass alles sauber war“, hören würde.

Für viele Jahre wurde dem Spiegel immer mal wieder vorgeworfen, bei Sportberichtberichterstattung zu weit weg vom Geschehen zu sein. In der Recherche und Berichterstattung in Sachen DFB, WM-Vergabe und Fifa, scheint sich diese Entfernung zu den handelnden Funktionären auszuzahlen.

PS.:
Die Bild steht allerdings auch nicht nur bedingungslos hinter dem Kaiser. So heißt es auf der Titelseite der heutigen Ausgabe: „Wann spricht Franz?“

01-bild_meedia17

Anzeige