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AdBlocker-Sperre: Bild setzt einstweilige Verfügung wegen Umgehungsanleitung durch

Die treibenden Kräfte hinter der AdBlocker-Initiative: Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt und Bild-Geschäftsführerin Donata Hopfen

Als Reaktion auf Bilds Aktion gegen AdBlocker-Nutzer verbreiteten sich im Internet Anleitungen, um die virtuelle Mauer zu umgehen. Wie angekündigt, fährt Bild scharfe Geschütze auf und setzte nach MEEDIA-Infos nun am Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung durch.

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Axel Springer gibt im Kampf gegen AdBlocker-Software nicht nach. Nachdem der Verlag – wie einige andere auch – vor Gericht vorerst gegen den AdBlocker-Hersteller Eyeo verlor, sperrte Bild kurzerhand alle Werbemuffel aus und setzte ihnen ein Abo-Angebot namens BildSmart vor die Nase, das nun wiederum von einigen Nutzern mit Tricks umgangen wird. Unter anderem verbreitete ein YouTuber im Netz Anleitungen, um die virtuelle Mauer zu überwinden. Er wurde von Springer bereits abgemahnt. Die Verbreitung durch Dritte fand auch in einem User-Forum von Eyeo statt.

Am Donnerstag erließ das Landgericht Hamburg nach Informationen von MEEDIA eine einstweilige Verfügung gegen Eyeo, die eine Weiterverbreitung der Anleitung sowie eines nötigen Codes unterbinden soll. Unterlässt die Beklagte dies nicht, droht eine Geldbuße in Höhe von einer Viertelmillion Euro. Die einstweilige Verfügung ist auch eine Warnung an alle anderen, die Anleitung sowie Codes weiterverbreiten. Springer stellt gegenüber MEEDIA klar: „Wer zur Umgehung von BildSmart beiträgt – also die Umgehung unseres Schutzmechanismus befördert –, der handelt rechtswidrig.“ Eyeo war für eine Stellungnahme am Freitagnachmittag nicht mehr zu erreichen.

Bild kämpft gegen AdBlocker, weil die mittlerweile bei vielen Anwendern beliebte Software den Newsplattformen ihre Geschäftsgrundlage entzieht. Auch bei Bild, die mittlerweile mehr als rund 250.000 Bezahl-Abos verkauft haben, macht Werbung noch den größten Teil des Umsatzes aus. Nachweislich fühlen sich aber mehr und mehr Nutzer von Werbemitteln wie Bannern oder Pop-ups gestört. Dies sei laut Herstellern wie Eyeo auch der Grund, weshalb sie ihre Programme entwickelt haben. Es gehe darum, die Branche zur Entwicklung kreativer Werbeformen zu bringen. Alles Propaganda, meint Bild-Online-Chef Reichelt. Im Interview mit MEEDIA betonte er, dass es sich bei den Herstellern um „Schutzgelderpresser“ handele. Eyeo bietet Verlagen nämlich an, sich vom AdBlocking freikaufen zu können, um auf einer so genannte Whitelist zu landen. Man sei gewillt alternative Werbemodelle zu entwickeln. „Wir lassen sie uns nur nicht von Schutzgelderpressern kaputtschießen“, so die Kampfansage Reichelts.

Update, 24.10.2015:

Eyeo hat am Freitagabend reagiert:

Bei der einstweiligen Verfügung handelt es sich um eine lediglich vorläufige Entscheidung des Gerichts, die ausschließlich auf Grundlage des Sach- und Rechtsvortrages der Bild GmbH & Co. KG erlassen wurde, ohne dass die Eyeo GmbH in einer mündlichen Verhandlung angehört wurde.

Die Eyeo GmbH wird Einsicht in die Antragsschrift der Bild GmbH & Co. KG nehmen und sodann gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch einlegen.

Bislang ist für die Eyeo GmbH unklar, welchen konkreten Sachverhalt und welche konkreten Tatsachen von der Bild GmbH & Co. KG in ihrer Antragsschrift vorgetragen und belegt wurden. Unklar ist auch, ob die von der Bild GmbH & Co. KG erhobenen Vorwürfe einer weiteren rechtlichen Prüfung standhalten werden.

Klar ist jedoch, dass die rechtliche Auseinandersetzung über die grundsätzliche Zulässigkeit von Adblockern durch dies einstweilige Verfügung nicht berührt wird: Zu dieser Frage haben bereits Gerichte in Hamburg, München und Köln in vier Verfahren in erster Instanz zugunsten der Eyeo GmbH entschieden.

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