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CSU-Generalsekretär Scheuer fordert „Deutsches Integrationsfernsehen“

CSU-Mann Andreas Scheuer und die ARD- und ZDF-Chefs Lutz Marmor und THomas Bellut

Einen neuen Fernsehsender fordert CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. In einem offenen Brief an die Chefs von ARD und ZDF Lutz Marmor und Thomas Bellut wünscht er sich ein „Deutsches Integrationsfernsehen“. Die TV-Anstalten müssten ihren Beitrag zur Integration leisten.

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Bezahlt werden soll der neue Sender aus den Mehreinnahmen aus dem neuen Rundfunkbeitrag, die laut KEF zwischen 2013 und 2016 voraussichtlich 1,6 Mrd. Euro betragen werden. Die Gelder sind eingefroren, stünden also für ein solches Projekt zur Verfügung.

In dem offenen Brief an Marmor und Bellut, über den Bild berichtet, heißt es, die Integration sei „die Mega-Aufgabe für die ganze Gesellschaft, zu der auch die TV-Anstalten ihren Beitrag leisten“ müssten. Und weiter: ARD und ZDF würden so ihrem „Grundversorgungsauftrag auch zukünftig“ gerecht. Aufgabe des Senders sei die „Vermittlung unserer deutschen Werte und unserer deutschen Leitkultur“. Die beiden TV-Macher sollen sich – ginge es nach Scheuer – „kurzfristig abzustimmen, um dieses wichtige Projekt auf den Weg zu bringen.“

Scheuers Forderung mutet indes etwas seltsam an. Der Gedanke, die vielen Flüchtlinge und Einwanderer würden auf einen TV-Sender namens „Deutsches Integrationsfernsehen“ warten, ist etwas weltfremd. Und: Bedeutet Integration nicht gerade, die neuen Bürger in die Gesellschaft – und auch die existierenden Medien – einzubeziehen? Integration vor der Glotze – noch dazu mit einem Sender, für den sich kaum jemand interessieren dürfte – hilft da wenig.

[Nachtrag] Inzwischen hat sich die ARD zu Scheuers Forderung geäußert. Hier die Mitteilung im Original:

„Die ARD sieht die Notwendigkeit, den Menschen, die nach Deutschland kommen, ein leicht zugängliches Angebot zu machen. Deshalb hatten die Intendantinnen und Intendanten der ARD bereits im September vereinbart, noch stärker zu kooperieren, um Flüchtlingen und Helfern ein vielfältiges Serviceangebot zur Verfügung zu stellen.

Unter dem Link refugees.ard.de sind sämtliche Angebote der ARD-Sender sowie der Deutschen Welle zusammengefasst. Er wird fortlaufend aktualisiert und ist ein Wegweiser für Flüchtlinge und Helfer gleichermaßen. Dort finden sich u. a. Antworten auf grundsätzliche Fragen, Erklärfilme auf Englisch, die „Sendung mit der Maus“ auf Arabisch oder Dari und Videosprachkurse. Im ARD-Hörfunk werden unter dem Titel „Refugee Radio“ zudem Nachrichten speziell für Flüchtlinge angeboten. Außerdem ist geplant, die „Tagesschau in 100 Sekunden“ in absehbarer Zeit auch auf Englisch und Arabisch zu senden.

Lutz Marmor, ARD-Vorsitzender und NDR-Intendant: ‚Es ist jetzt schnelle Hilfe gefragt. Die meisten Flüchtlinge lassen sich am besten über das Internet, bzw. ihr Smartphone erreichen. Deshalb haben wir uns hauptsächlich auf Angebote im Netz konzentriert. Sehr hilfreich ist dabei die Kooperation mit der Deutschen Welle.‘

ARD-alpha, der Bildungskanal der ARD, ist zudem in laufenden Gesprächen mit dem Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, und dem Goethe-Institut. Ziel ist es, den Flüchtlingen so schnell wie möglich Angebote wie Deutsch- und Integrationskurse in Form von Smartphone-Applikationen zur Verfügung zu stellen.

Der ZDF-Intendant Thomas Bellut und der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor haben in Hinblick auf die Angebote für Flüchtlinge eine enge Abstimmung vereinbart.“

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