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Nach dem Bild-Pranger besucht die Zeitung jetzt die Facebook-Hetzer

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann

Nach dem „Pranger der Schande“ geht die Bild in ihrer Mittwochs-Ausgabe noch einen Schritt weiter und macht Hausbesuche. Am Dienstag hatte die Boulevardzeitung auf einer Doppelseite vermeintliche Facebook-Hetzer mit Namen und Foto gezeigt. Jetzt besucht die Zeitung die Hasskommentatoren und befragt sie.

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Unter der Überschrift „Bild bei den Hetzern“ besuchen Reporter der Zeitung in ganz Deutschland die Kommentatoren, die sie am Tag zuvor bereits an den Pranger gestellt hatte.

„Wer sind die Menschen, die im Internet hetzen und Hass verbreiten?“, fragt die Redaktion auf der Titelseite.

Diesmal verraten die Berliner neben den echten Namen auch noch die Wohnorte. Damit sind die Betroffen tatsächlich sehr leicht zu identifizieren – ein Umstand, auf den die Redaktion in diesem Fall ganz bewusst keine Rücksicht zu nehmen scheint.

Genau aus diesem Grund musste die Zeitung bereits einiges an Kritik einstecken. So gingen beim Presserat bereits erste Beschwerden ein und der Medienanwalt Christian Solmecke forderte, dass die Berliner wenigstens die Nachnamen hätten weglassen und die Fotos verpixeln sollen.

Er sagt, dass im Fall der Bild-Story ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht mit der grundsätzlich erlaubten Veröffentlichung von wahren Tatsachen, die von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, abzuwägen sind. „Eine Abwägung der beiderseitigen Interessen fällt bei den meisten Postings zugunsten der betroffenen Internetnutzer aus“. Weiter schreibt er in einer Stellungnahme: „Insbesondere Personen, die zwar moralisch verwerfliche Kommentare von sich geben, jedoch die Grenze der Strafbarkeit noch nicht erreichen, werden besonders stark in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt“. Zum Teil würden die Kommentare völlig aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt.

Ein wichtiges Ziel der Aktion formulierte die Bild bereits am Dienstag: „Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie“. Das haben die Berliner bereits erreicht. „Nach Bild-Informationen sind bei Polizei und Staatsanwaltschaft erste Strafanzeigen eingegangen“, heißt es in der heutigen Ausgabe.

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgte bereits Spiegel TV. Bereits im August konfrontierte das TV-Magazin einige Facebook-Hetzer und deren Arbeitgeber mit den Hasskommentaren.

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