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„Ihr verhöhnt Flüchtlinge“: Scharfe Kritik an Politiker-„Selbsterfahrungsfahrt“

Für die "Selbsterfahrungsfahrt" zahlreicher Politiker auf einem Schlauchboot hagelte es Kritik

„Wie fühlen sich Flüchtlinge in einem engen Schlauchboot auf dem Mittelmeer?“ Diese Erfahrung wollten einige Bundestagsabgeordnete am eigenen Leib machen. Initiiert wurde die „Selbsterfahrung“ der Politiker von der Organisation „Sea Watch“, Spiegel Online filmte der Spree-Fahrt. Doch bei Facebook hagelte es unter dem Clip scharfe Kritik: die Flüchtlinge würden verhöhnt, die Aktion sei geschmacklos.

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„Wichtig ist, dass niemand ohne Schwimmweste an Board geht“, erklärt Ruben Neugebauer von „Sea Watch“ im Gespräch mit Spiegel Online. Doch auf dem Mittelmeer würden sie regelmäßig auf vollbesetzte Schlauchboote treffen, in denen niemand eine Weste trage. „Die Zustände auf diesen Booten sind meist desolat“, so Neugebauer.

Um die Situation auf den Booten vorstellbarer zu machen, organisierte „Sea Watch“ eine sogenannte „Selbsterfahrungsfahrt“ für deutsche Politiker. Mit der Aktion wollen sie die Parlamentarier außerdem an die „historische Verantwortung“ der EU erinnern, in dem sie ihnen die Möglichkeit gaben, „die prekäre Lage, mit 121 Menschen auf ein Schlauchboot gezwängt zu sein, am eigenen Leib zu erfahren“, erklärten die Verantwortlichen auf ihrer Facebook-Seite. Mit auf dem Boot dabei waren, begleitet von etlichen Kameraleuten, unter anderem die Vorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht, und Simone Peter vom Bündnis 90/Die Grünen.

Die Spree war einst selbst eine tödliche Grenze, die Weisen Kreuze, an denen heute unser original Flüchtlingsboot…

Posted by Sea-watch on Dienstag, 13. Oktober 2015

„Sea Watch“ ist eine private Initiative, die es sich seit diesem Sommer zur Aufgabe gemacht hat, Flüchtlinge im Mittelmeer zu retten und gleichzeitig die Öffentlichkeit für die große Gefahr der Flucht zu sensibilisieren.

Zwei Videojournalisten filmten die „Selbsterfahrungsfahrt“ der Bundestagesabgeordneten für Spiegel Online und veröffentlichten das Video auch auf der SpOn-Facebookseite. Dort kam die Aktion der Politiker jedoch gar nicht gut an. Der Großteil der Kommentatoren warf ihnen vor, die Flüchtlinge zu verhöhnen.“DAS ist eine Ohrfeige für alle Flüchtlinge“, heißt es zum Beispiel oder „Es hätte noch gefehlt, dass Häppchen und Getränke gereicht werden.“

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Auch bei Twitter wurden kritische Stimmen laut:

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