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Gruner + Jahrs Frauenmagazin Barbara: (noch) keine Klasse für sich

G+J-Chefredakteurin Brigitte Huber mit Premieren-Cover von Barbara: "Kein normales Frauenmagazin"

„Kein normales Frauenmagazin“: Mit diesem Claim wirbt Barbara, das neue Heft aus dem Hause Gruner + Jahr. Das Magazin mit Barbara Schöneberger als Namensgeberin und festem Redaktionsmitglied definiert sich lautstark über seine Andersartigkeit – und schafft es in der ersten Ausgabe nur ansatzweise, dieses Versprechen einzuhalten.

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Das Cover der ersten Barbara-Ausgabe lässt zunächst Furchtbares erahnen: pink, kreischend, Barbara Schöneberger mit aufgerissenem Mund und aufgerissenen Augen. Solche Fotos kennen wir von ihr. Seit langem. Alles an dem Magazin ruft: Greif zu, bitte kauf mich. In der rechten unteren Ecke prangt dazu ein Das-bin-ich-ganz-bewusst-NICHT-Button: „Ohne Diät, Workout und To-do-Listen“. Barbara will anders sein, sich von der Masse abheben und teasert dennoch auf dem Cover eine Geschichte mit Helene Fischers „Atemlos“ an, dem massentauglichen und omnipräsenten Gassenhauer schlechthin. Gemessen am Anspruch des Heftes und der Klasse der Namensgeberin ist der Titel der Erstausgabe eine Enttäuschung.

Barbara

Der Versuch, sich abzugrenzen, gerät krampfig

Wenn man jedoch umblättert, wird es ruhiger, aufgeräumter und deutlich anspruchsvoller. Barbara Schöneberger selbst erklärt in einem sehr langen und sehr gut geschriebenem Editorial noch einmal die Motivation hinter dem Magazin. „Wie soll ich das ernst nehmen, wenn man mir an 15-jährigen Models zeigt, dass meine Bikinifigur absolut perfekt werden kann, wenn ich mich nur jeden Tag drei Minuten lang beim Zähneputzen auf die Zehenspitzen stelle?“, fragt sie und spricht damit sicherlich vielen Frauen direkt aus dem Herzen. Es wird klar: Hier soll das wahre Leben spielen, in der Barbara gibt es keine unrealistische Glitzer-Glamour-Welt. Eben doch irgendwie total normal. Leider betont Schöneberger auch hier einmal zuviel, wie vollkommen anders das neue Magazin sein will und stichelt gleichzeitig gegen die Konkurrenz. Hat Barbara das nötig? Der Versuch, sich abzugrenzen, wirkt spätestens jetzt krampfhaft.

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Mit der ersten längeren Geschichte beweist die Redaktion dann allerdings tatsächlich Mut zu Andersartigkeit und zu Tiefgang: Sieben Personen, Frauen und Männer, erzählen vom Tod eines geliebten Menschen, von ihren Traumata und ihren Kämpfen. Das Format ist zwar typisch für eine Frauenzeitung, der Inhalt ist es jedoch mitnichten. Geht es in anderen Magazinen hier meistens um Traumhochzeiten oder Liebe auf den ersten Blick, sind diese Geschichten schmerzhaft real und trotzdem voller Hoffnung. Bravo.

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Auch das Interviewformat „Mädelsabend mit Barbara“ ist innovativ und lebendig – hier profitiert Gruner + Jahr eindeutig von Schönbergers Kontakten und Freundschaften in der Promi-Szene. Das Gespräch mit Popstar Sarah Conner wirkt viel persönlicher und näher als andere gestelzte Interviews mit den ewig gleichen Antworten. Ob jede Leserin unbedingt an Sarah Conners erstem Mal interessiert ist oder daran, ob ihre Fingernägel aktuell kurz oder lang sind, sei dahingestellt. Doch es macht großen Spaß zu lesen, wie sich die beiden Frauen unterhalten, und Barbara Schöneberger beweist eindeutig ihre Entertainer-Qualitäten.

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Alles neu bei Barbara? Nicht wirklich

Barbara trägt die Unterzeile „Kein normales Frauenmagazin“ und will sich genau dadurch abheben, die „normale Frau“ abzubilden und anzusprechen. Deshalb bringt die Redaktion Zahlen zum „totalen Durchschnitt“: Wann hatte die Durchschnitts-Deutsche ihr erstes Eis, zum ersten Mal Sex, wann wird das erste Baby geboren und mit wie vielen Jahren entdecken sie das erste graue Haar? Weitere Themen der ersten Ausgabe sind Familie, Partnerschaft und Sexualität – also alles das, was die Leserinnen in anderen Frauenmagazinen auch finden.

Alles soll neu sein – und ist es irgendwie doch nicht. So druckt die Redaktion die Fotostrecke über Junggesellinenabschiede im englischen Blackpool. Die Bilder der torkelnden Bräute außer Rand und Band des Fotografen Dougie Wallace wurden bereits 2013 im Guardian veröffentlicht, SpOn führte 2014 ein Interview mit Wallace. Der Barbara waren die Fotos mit Kommentaren des Fotografen dennoch fünf Doppelseiten und eine Ankündigung auf dem Cover wert. Ein ähnlich alter Hut ist die (in Zukunft angeblich irgendwann) Marsreisende Kellie Gerardie, deren Geschichte schon seit vielen Monaten von Medium zu Medium gereicht wird. Ebenso wenig neu ist die Kolumne des männlichen Textchefs der Barbara, Björn Krause – weder in Sachen Format (in nahezu jedem Frauenheft „darf“ auch mal ein Mann zu Wort kommen), noch inhaltlich: Seine These, dass Männer ungeschminkte und natürliche Frauen attraktiver finden, ist nun wirklich keine bahnbrechende Erkenntnis – und den meisten Frauen letztendlich dann doch herzlich egal.

Ganz ungeschminkt geht’s weiter: In der darauffolgenden Fotostrecke „Ganz oder gar nicht“ tauschen zwei Frauen ihre Rollen: Die eine geht nie ohne Make-up aus dem Haus, die andere schminkt sich gar nicht. Das ist ein netter Ansatz, doch der einzige Haken: Jana, die Ungeschminkte, sieht ohnehin aus wie ein Topmodel: reine Haut, keine Falten, strahlende Augen, volle Wimpern. Und das soll also normal sein?

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Thematische Widersprüche

Deutlich besser wird es im Food-Teil des Magazins: Unter dem Titel „Der Trick ist: weiteratmen“ werden hier „Respekt-Rezepte“ gedruckt und anstatt Salat, kohlenhydratarmer Kost oder veganem Essen gibt es hier was Richtiges auf die Gabel: Rouladen, Hummer, Buiskuitrolle. Und nirgendwo steht etwas von Kalorien. Barbara hält hier ihr Versprechen – aber leider nur bis zur nächsten Seite. Denn dort wird „Fernsehfood“ nach „Hüftgoldfaktor“ bewertet. Konsequent sieht anders aus: Zwar finden die Leserinnen hier keine Aufforderung zur Diät, doch der Widerspruch (den Barbara Schöneberger selber im Editorial bemängelt) ist eindeutig: Frauen, haut beim Kochen doch endlich mal richtig rein, aber danach greift besser zu Salzstangen als zu Cashewnüssen.

Barbara soll neue Akzente im Frauenzeitschriftenmarkt setzen. Und das, wie der Verlag versicherte, „in einer einzigartigen Tonalität, direkt und ehrlich“. Letztendlich ist aber dann doch vieles ist bekannt. Eine klare Linie (der Andersartigkeit) fehlt, an vielen Stellen widerspricht sich das Magazin selber – was zum Großteil allerdings auch an den verkauften Anzeigen liegt, die dann eben doch wieder Make-up, Pflegecremes und Shapewear bewerben. Womöglich wäre dies nicht noch nicht mal negativ aufgefallen, wenn Barbarba nicht im Vorfeld schon behauptet hätte, wie völlig neu man doch sei.

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