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Wie der Ex-TV-Moderator Percy Hoven als Dr. Alfons Proebstl bei YouTube gegen Flüchtlinge hetzte

Eine bizarre Geschichte: Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, hetzte der ehemalige TV-Moderator Percy Hoven („Big Brother“) in fast 90 Folgen als österreichischer Grantler „Dr. Alfons Proebstl“ verkleidet gegen Multikulti, Genderwahn und Flüchtlinge. Hoven hat nach seiner Enttarnung damit aufgehört und erklärt nun, es sei alles als Satire gemeint gewesen.

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In einer schriftlichen Stellungnahme, die die Augsburger Allgemeine veröffentlicht hat, schreibt Percy Hoven:

Diese Kunstfigur sollte einzig und allein der Überspitzung des gesellschaftlichen und politischen Diskurses dienen. Dementsprechend waren seine Aussagen extrem provokant. Dies war als reine, wenn auch böse Satire gedacht. Ich distanziere mich ausdrücklich von dem Vorwurf der rechten Meinungsmache. Die Inhalte der Kunstfigur entsprechen in keinster Weise meiner persönlichen Überzeugung.

Hoven erklärt, die Kunstfigur Dr. Alfons Proebstl sei ein Gemeinschaftsprojekt von ihm und dem Münchner Produzenten Alfred Schropp sowie dessen Redaktionsteam gewesen. Ziel sei gewesen, Themen wie TTIP, Russland, Euro-Rettung, Faschismus, Geldpolitik und Klimawandel „satirisch“ aufzubereiten. „Erst das völlig falsch angelegte Flüchtlingsthema sorgte für Eskalation und Empörung in den Medien. Es war nie unsere Absicht zu hetzen. Dass dies so aufgefasst werden konnte, dafür entschuldige ich mich in aller Form“, so Hoven.

Wenn man sich seine satirisch gemeinten Video-Auftritte bei YouTube als Dr. Alfons Proebstl anschaut, kommen allerdings Zweifel daran auf, dass dies wirklich alles so satirisch gemeint war. In Folge 85, die mit dem Titel „Pack“ versehen ist, fordert Proebstl die Zuschauer beispielsweise auf, wegen der ankommenden Flüchtlinge schon mal „das Gästezimmer zu kacheln“. Wörtlich sagt er: „Haben Sie des gesehen? Die Bilder von dem menschlichen Trek, wohlgemerkt mit ‚T‘ und der Müllspur in Ungarn, die die feinen Herren hinterlassen. Geht’s nach denen in der Block-Partei, endet diese Multikulturspur demnächst bei Ihnen zu Hause auf dem Teppich.“

Er bezieht sich dabei auf Fotos, die auf Facebook geteilt wurden und Züge aus Ungarn zeigen, die angeblich von Flüchtlingen extrem verunreinigt wurden. Die Fotos, deren Herkunft unklar ist, wurden bei Facebook von einschlägigen Gruppen genutzt, um gezielt Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Wie die Äußerungen der Kunstfigur Proebstl alias Percy Hoven hier als satirische Überspitzung durchgehen sollen, bleibt rätselhaft. Vielmehr bedient er ebenjene Stereotypen und Vorurteile, die Hoven in seiner Stellungnahme vorgibt satirisch entlarven zu wollen. Ob es sich dabei einfach nur um sehr schlechte Satire oder Absicht handelt, bleibt im Ungewissen.

Seltsam war auch Percy Hovens Auftritt als Dr. Alfons Proebstl bei einer Veranstaltung der „Wissensmanufaktur“, einem selbst ernannten „unabhängigen Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik“. Moderiert von Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Eva Hermann plaudert er da unter seiner Latexmaske mit Wissensmanufaktur-Gründer Andreas Popp in Kanada.

Popp trat auch schon auf Veranstaltungen des bekannten Verschwörungstheoretikers Jürgen Elsässer sowie auf den Konferenzen der verschwörungstheoretischen „Anti-Zensur-Koalition“ des Schweizers Ivo Sasek auf, wie Zeit Online notierte. Eva Herman ist schon seit geraumer Zeit auf die Seite Thesen gewechselt. Sie verfasste Bücher, in denen sie den Mutter-Kult der Nationalsozialisten beklatschte, stand in Diensten des verschwörungstheoretischen Kopp-Verlags und fiel zuletzt mit einem rassistisch und verschwörungstheorethisch angehauchten Aufsatz über Flüchtlinge auf. Zwar wird Proebstls Auftritt hier auch als „Satire“ gekennzeichnet, in der Talkrunde versucht Hove aber nicht einmal, seine Gesprächspartner satirisch zu entlarven. Er macht sich mit ihnen gemein und fungiert als Stichwortgeber.

Hoven alias Proebstl trat auch selbst auf einer Pegida-Veranstaltung auf, was er nun als großen Fehler bezeichnet, den er „zutiefst bedauert und gerne rückgängig machen würde.“ Dass Percy Hoven nicht klar gewesen sein will, in welchen Kreisen er da verkehrte und nicht merkte, dass seine Äußerungen als Dr. Proebstl zumindest von Teilen seines Publikums überhaupt nicht als Satire wahrgenommen wurden, ist in der Tat bemerkenswert. Hetze wird nicht salonfähig, nur weil man das Wort „Satire“ draufklebt.

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